PechaKucha – eine Herausforderung in 400 Sekunden

Das Bild zeigt das Logo der PechaKucha-Organisation
Bildquelle: PechaKucha

PechaKucha ist ein interessantes Präsentationsformat, bei dem jeder Vortragender 20 Folien mit einer Dauer von je 20 Sekunden präsentiert.

Fokussierung in 400 Sekunden

PechaKucha (ausgesprochen „petschaktscha“) ist ein ganz spezielles, sehr innovatives und nicht kommerzielles Präsentationsformat, das aus Japan stammt. Es bedeutet so viel wie „wirres Plaudern“. Im Jahr 2003 wurde das Format von den Architekten Astrid Klein und Mark Dytham in Tokyo ins Leben gerufen. Das Ziel von PechaKucha ist es, innerhalb kürzester Zeit einen Sachverhalt zu präsentieren.

Hierzu muss der Präsentator ein Thema in 20 PowerPoint Folien präsentieren. Das Entscheidende ist allerdings, das man für jede Folie exakt 20 Sekunden Zeit hat. Insgesamt stehen dem Präsentator somit 20×20 Sekunden und damit genau 6 Minuten und 40 Sekunden oder eben 400 Sekunden zur Verfügung.

Die Präsentationsfolien werden automatisch nach 20 Sekunden weitergeschaltet. Es besteht keine Chance, an der einen oder anderen Stelle einfach ein wenig zu überziehen.

Inhalte reduzieren

Mit einem Blick auf zahlreiche Besprechungen und Veranstaltungen stellt man fest, dass es nur wenig gute Präsentationen und Präsentatoren gibt. Oft werden „PowerPoint-Schlachten“ geschlagen die lange dauern, viele Folien enthalten und nicht auf den Punkt kommen.

Die Folien ihrerseits sind oft mit viel Text vollgeschrieben. Teilweise hat man den Eindruck, PowerPoint wäre ein Werkzeug für die technische Dokumentation. Schriftgröße 8 und mehr als 15 Zeilen gefüllt mit viel Text auf der Folie sind eher die Regel als die Ausnahme. Bilder sind hier oftmals Fehlanzeige und hier und da werden Folien auch schon mal abgelesen.

Die einfache Regel „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“ wird nur selten angewendet. Einer der wenigen Menschen, die gute Präsentation gehalten haben, war Steve Jobs. Er hatte bestimmte Regeln, die sich auf PechaKucha gut anwenden lassen. So hat er unter anderem immer viele Bilder eingebaut und die Texte auf ein Minimum reduziert.

Globale Community

Weltweit gibt es in der Zwischenzeit fast 1000 Städte, in denen regelmäßig PechaKucha Veranstaltungen durchgeführt werden. Die Veranstaltungen zeichnen sich oft mit einem sehr breiten Themenspektrum aus, wie beispielsweise auf der globalen Pecha Kucha Night am 20.02.2015 in Bonn. Hier reicht die Bandbreite der Themen von

  • „Pimp up your Kleiderschrank“ über
  • „Muster in der Architektur “ bis hin zu
  • Industrie 4.0.

Erlaubt ist alles, was Spaß macht.

Weniger ist mehr

Aber was kann man daraus für den lernen? PechaKucha lehrt auf jeden Fall eines – sich kurz fassen und extrem zu fokussieren. Mal ganz ehrlich – wenn man es nicht schafft, in einem „Elevator-Pitch“ ein Thema an den Mann oder die Frau zu bringen, dann schafft man es auch nicht mit 100 Folien in mehr als einer Stunde.

Bei der Gestaltung eines PechaKucha-Vortrages muss man sich sehr auf die Kernbotschaft fokussieren. Pro Folie kann man in der Regel nur 2-3 Punkte ansprechen bzw. Sätze vortragen. Dann macht es „Klick“ und die Folie wird automatisch weitergeschaltet. Twitter ein gutes Beispiel, sich auf seine Kernbotschaft zu fokussieren und das bedeutet maximal 280 Zeichen. Am besten reduziert man den Text auf ein absolutes Minimum und arbeitet mit aussagefähigen Bildern. Die Königsdisziplin ist sicherlich komplett auf Text zu verzichten.

Ingenieure und Kommunikation

In einer sehr technisch dominierten Welt fällt es auf, dass sich viele Ingenieure und Techniker schwer tun, komplexe Sachverhalte kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Sie neigen eher dazu, zu detailliert und oft zu kompliziert zu präsentieren. Verfügen die Zuhörer über einen nicht so tiefen technischen Sachverstand, dann kann es schnell passieren, dass die Botschaft die Zielgruppe nicht erreicht.

PechaKucha ist aber nicht nur in der externen Kommunikation ein hervorragendes Werkzeug. Gerade intern im Unternehmen könnte es dazu dienen, unterschiedliche Themen anderen Teams oder Abteilungen vorzustellen. Der Austausch von Informationen wird in einer immer komplexer werdenden Welt immer wichtiger.

Das Format PechaKucha inspiriert, macht neugierig und ist eine hervorragende Plattform, Wissen auszutauschen und mit anderen neugierigen Menschen in den Dialog zu treten. Sowohl für die Zuhörer als auch die Vortragenden ist PechaKucha einfach eine tolle Erfahrung.

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PechaKucha - eine Herausforderung in 400 Sekunden
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PechaKucha - eine Herausforderung in 400 Sekunden
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PechaKucha ist ein interessantes Präsentationsformat, bei dem jeder Vortragender 20 Folien mit einer Dauer von je 20 Sekunden präsentiert.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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