Digitalisierung und der Wandel in Deutschland

Das Bild zeigt einen Roboterkopf
[Bildquelle] istock 47668672 [Bildnachweis] ABIDAL [URL] https://www.istockphoto.com/de/foto/roboter-in-gleichm%C3%A4%C3%9Fige-hintergrund-gm514672335-47668672

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet mit großen Schritten voran und man merkt deutlich, wie schwer wir uns in Teilen Deutschlands damit tun.

Digitalisierung und Industrie 4.0

Seit längerer Zeit zieht sich das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 durch die Presse. Zunächst ist es schön zu sehen, dass die Bundesregierung das Thema auf dem Radar hat und die „Digitale Agenda 2014-2017“ entworfen hat. Ein Blick in das Papier lässt aber erkennen, dass sich mehr um eine Absichtserklärung als um einen konkreten Plan handelt.

Die Süddeutsche spricht sogar von einem Windelweich-Papier. Das Zeitfenster bis 2017 ist nicht sehr groß und viele große Aufgaben stehen uns bevor. Daher ist schon Eile geboten, um im internationalen Wettrennen nicht weiter an Boden zu verlieren.

IT Schlüssel zum Erfolg

Henning Kagermann (Acatech) schreibt in der Welt, dass „nicht alle die Tragweite von Industrie 4.0 erkannt haben“. Interessant an dieser Stelle ist auch die Aussage von Günther Schuh, Direktor des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen. „Derzeit sind viele Unternehmen noch immer nicht in der Lage, den Zustand ihres Unternehmens in einem IT-System abbilden zu können.

Wirkliche Produktivität schaffe ich, wenn ich nicht mit 25 Leuten telefonieren muss, um den Zustand eines Unternehmens abzufragen, sondern wenn ein Knopfdruck genügt“.

Politik treibt an

Es ist in der Politik noch nicht überall angekommen, dass sich die Spielregeln und vor allem aber die Geschwindigkeit mit dem Internet massiv verändern. Das weltweite IT-Spiel haben wir in Europa bzw. Deutschland bereits verloren. Von SAP abgesehen haben wir in Deutschland den großen IT-Firmen wie

  • Apple,
  • Amazon,
  • eBay,
  • Facebook und
  • Google

nichts entgegenzusetzen.

Die Verbände

  • ZVEI,
  • VDMA und
  • Bitkom

treiben das Thema Industrie 4.0 mit mäßigem Erfolg, bewegten sie sich in der Vergangenheit doch eher voneinander weg als aufeinander zu. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird ungeduldig und möchte eine neue „Dialogplattform Industrie 4.0“ ins Leben rufen. An dieser Stelle muss kritisch hinterfragt werden, welche Erwartungshaltung an Politik und Verbände besteht. Diese können und müssen sicherlich die Rahmenbedingungen schaffen, aber gefordert sind die Industrieunternehmen, von denen die Impulse stärker ausgehen müssen.

Starker Wettbewerb

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist eine der Vorzeigebranchen in Deutschland, auf die wir mit Recht stolz sein dürfen. Aber gerade der Wettbewerb in USA und China schläft nicht. Mit der zunehmenden Verzahnung von IT und Produktion müssen wir in Deutschland aufpassen, unsere weltweit starke Stellung nicht zu verlieren. Ein Blick nach USA gibt einem ein Gefühl dafür, was gerade passiert.

Die weltweite IT-Dominanz der Amerikaner wurde gerade kurz beleuchtet. Im Bereich Maschinenbau gehört USA neben China zu den führenden Nationen. Um den Prozess „IT und Produktion“ zu beschleunigen, haben die USA das „Industrial Internet Consortium (IIC)“ gegründet und wollen hier die weltweiten Standards setzen.

Die Obama-Regierung fördert das Projekt mit mehr als einer Milliarde US-$. Während Deutschland noch diskutiert, setzt das IIC beispielsweise mit MTConnect einen weltweiten Standard für twitternde Produktionsmaschinen. Ein Blick auf die Liste der Unternehmen, die diesen Standard unterstützen macht deutlich, welche Maschinenanbieter bereits auf diesen Zug aufgesprungen sind.

Innovationskultur „Made in Germany“

Wie schwer wir uns in Deutschland mit schnellen und innovativen IT-Themen tun, beweist der Siemens-Konzern. Alle Versuche in neue, innovative Bereiche vorzudringen sind mit Projekten mit „Siemens Nixdorf“, „Fujitsu Siemens“, „Nokia Siemens Networks“ oder „BenQ“ grandios gescheitert. Die deutsche Innovationskultur zeichnet sich u.a. durch Gründlichkeit und Präzision aus.

Man hat den Eindruck, dass die perfekte 100%-Lösung eher als die 85- oder 90%-Lösung angestrebt wird. Gründlichkeit und Präzision gehen vor Schnelligkeit. Hier unterscheiden sich die Amerikaner fundamental. Sehr schnell testen sie neue Ideen am Markt an. Vor allem haben sie keine Angst vor dem Scheitern.

Das ist sicherlich einer der Gründe dafür, dass die Talentschmiede Silicon Valley so viele erfolgreiche Start-ups hervorgebracht hat. Dazu gehört eine Kultur und ein Bewusstsein, dass es völlig in Ordnung ist, dass 9 von 10 Ideen scheitern. Aber genau diese eine Idee wird Erfolg haben. Scheitern wird nicht verurteilt, es gehört natürlich dazu. Diese Mentalität ist uns in Deutschland eher fremd und ein Scheitern wird als Misserfolg und als Niederlage betrachtet.

Scheitern muss erlaubt sein

In einer interessanten Debatte im Landtag von Nordrhein-Westphalen stellte Hannelore Kraft fest „dass jemand in Amerika, der mit einem Unternehmen scheitere, als jemand, der Erfahrungen gesammelt habe, die er zielführend für die neue Gründung einsetzen kann“ bewertet wird. „In Deutschland gilt er als gescheitert und erhält kaum noch eine Chance“ ergänzte sie.

Diese „alten deutschen Eigenschaften“ haben uns erfolgreich dorthin gebracht, wo wir heute in der Welt stehen. Die amerikanische Mentalität unterscheidet sich erheblich von den deutschen Tugenden und es geht an dieser Stelle auch nicht darum, diese Eigenschaften zu bewerten oder gar vielleicht zu kopieren. Aber eines ist sicher – wenn wir in dem Digitalisierungs-Spiel erfolgreich mitspielen wollen um nicht den USA oder China hinterher zu laufen, dann ist ein Wandel notwendig.

Weitere Artikel nach Kategorien:

Summary
Digitalisierung und der Wandel in Deutschland
Titel
Digitalisierung und der Wandel in Deutschland
Beschreibung
Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet mit großen Schritten voran und man merkt deutlich, wie schwer wir uns in Teilen Deutschlands damit tun.
Autor
Veröffentlicht durch
Ingenieurversteher
Logo
Vorheriger ArtikelPechaKucha – eine Herausforderung in 400 Sekunden
Nächster ArtikelDigitalisierung von Office-Prozessen im Werkzeug- und Formenbau
//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

2 Kommentare

  1. Hat dies auf FUTABILITY® rebloggt und kommentierte:
    Das Thema „Industrie 4.0“ ist seit einiger Zeit täglich in den Medien. Dass Deutschland dennoch großen Aufholbedarf hat, zeigt dieser Artikel auf eindringliche Art. Wir müssen uns ranhalten…!

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!

Ich stimme zu.

Please enter your name here