Google erobert mit Android das Auto

Das Bild zeigt einen Android Roboter
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Mit iOS von Apple und Android von Google stoßen die großen IT-Player immer massiver auch in die Domäne des Automobile vor.

GoogleCar sammelt Kilometer

Google hat einen großen Fokus auf das Thema „Autonomes Fahren“. Das GoogleCar dreht bereits seit Jahren an der Westküste von Kalifornien seine Runden. Vielleicht ist die Betrachtung oberflächlich und zu kurz gefasst, aber ein wenig ist es symptomatisch für das globale Wettrennen in die digitale Zukunft.

In Deutschland reden wir über das Thema, werden irgendwann die Gesetze ändern und die Rahmenbedingungen schaffen, um überhaupt fahrerlos auf deutschen Straßen unterwegs sein zu können. In Amerika fahren die Autos schon, sammeln wichtige Erfahrungen und haben einen zeitlichen Vorsprung auf dem Weg zur Marktreife.

Android etabliert

Die „Open Automotive Allianz“ von Google ist gegründet und wird von namhaften Herstellern wie Conti, Bosch, ZF Lenksysteme unterstützt. Google versucht die globalen Automobilbauer für die Allianz zu gewinnen. Von den deutschen Automobilbauern ist bereits Audi der Allianz beigetreten und Daimler wird wohl umgehend folgen. Mit einem Blick auf die Teilnehmer der Allianz wird deutlich, wie wichtig das Thema für Google ist.

An dieser Stelle wird auch nochmals auf dramatische Art und Weise der Wandel vom PC zu mobilen Endgeräten deutlich. Microsoft hat es nicht geschafft, trotz der jahrzehntelangen Dominanz im PC-Markt auch nur ansatzweise einen Fuß in die Tür bzw. den Markt zu bekommen. So sieht es so aus, dass Android sich als das Betriebssystem für Internetzeitalter etabliert.

Autofahren neu definiert

Google verfolgt einen komplett anderen Ansatz als die Automobilbauer. Google strebt das echte autonome Fahren an und definiert das Erlebnis Auto komplett neu. Das macht auch deutlich, dass weder Lenkrad noch Gaspedal vorgesehen ist. Damit definiert sich das traditionelle Auto komplett neu. Man muss kein Auto mehr kaufen, es besitzen und selber fahren.

Vielmehr wird es als Service genutzt. Wenn ich von A nach B fahren möchte, dann steige ich einfach ein und werde entsprechend befördert. Das hört sich heute alles noch recht unwirklich an. Bedenkt man allerdings, wie lange innerhalb von 24 Stunden ein Auto ungenutzt auf der Straße steht, dann macht das deutlich, wieviel Potential in diesem Ansatz stecken könnte.

In einer normalen Woche, in der man morgens zu Arbeit und abends nach Hause fährt, vielleicht noch ein paar Besorgungen macht, zeigt deutlich auf, wie wenig das Auto netto genutzt wird bzw. wie lange es ungenutzt herumsteht.

Autoindustrie im Wandel

Wenn sich der Automobilmarkt in den nächsten ein bis zwei Dekaden in diese Richtung entwickeln sollte, dann wird deutlich, dass signifikant weniger Fahrzeuge produziert werden müssen. Gerade in Deutschland gibt mit BMW, Daimler und VW wichtige Automobilhersteller, die mit über 800.000 Arbeitsplätzen wichtige Arbeitgeber darstellen. Ob das Autofahren neu erfunden wird muss man weiter beobachten, aber die Chancen stehen nicht schlecht.

Wegbegleiter Smartphone

Ein weiterer Aspekt ist aber für die Automobilhersteller mindestens genauso bedrohlich, wenn nicht noch mehr. Das Smartphone ist als ständiger Begleiter aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken – weder im Auto noch im Zuhause. Die Motivation von Google im Smart Home wurde bereits im Artikel „Google kommt nach Hause“ beleuchtet.

Nicht weniger spannend ist die Motivation von Google, permanenter Begleiter im Auto zu sein. Es ist bemerkenswert, wie sich Android, das Betriebssystem von Google schrittweise zum führenden Betriebssystem auf mobilen Endgeräten entwickelt hat. In Deutschland läuft auf 70% aller Smartphones das Google Betriebssystem und 20% nutzen iOS von Apple.

Nahtlose Erfahrung

Mit dem Einsteigen ins Auto möchte der Nutzer eine nahtlose Erfahrung erleben. Alle Services, wie Telefonieren, Musik hören und navigieren müssen funktionieren und das ganze bequem über Spracheingabe. In der gesamten Zeit des Fahrens ist man mit dem Internet verbunden und es werden fleißig Daten gesammelt.

Google merkt im Laufe der Zeit, wann von wo nach wo gefahren wird und kann dem Fahrer viele Möglichkeiten unterbreiten. Wie immer auch diese aussehen mögen, beispielsweise das Vorschlagen von Umleitungen, Parkplätzen, Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten, ist eines sicher – Google ist permanent mit dem Fahrer in Kontakt, sammelt Daten und lernt ihn immer besser kennen und kann über die Zeit und das sich entwickelnde Profil ganz gezielt Werbung schalten.

Direkter Kundenkontakt

Werfen wir einen wichtigen Blick auf den Kontakt des Autoherstellers zum Endkunden. Diesen Kontakt gibt es nicht. Die Automobilhersteller verkaufen über Ihr Händlernetzwerk und haben damit keinen direkten Kontakt zum Endkunden. Der Händler könnte Kontakt zum Endkunden haben – hat er aber nicht.

Abgesehen von vielleicht einer E-Mail zum Räderwechseln im Frühjahr bzw. Herbst oder mal eine Sonderaktion hat der Händler keinen Kontakt zum Kunden. Damit drängt sich Google nun mit Android zwischen den Automobilhersteller/Händler und den Endkunden. Mit diesem ist er permanent im Kontakt, kann ihn mit den richtigen und optimalen Angeboten versorgen.

Was passiert nun, wenn aus dem Profil ersichtlich wird, dass der Fahrer vielleicht ein ganz anderes Auto fahren sollte, dass viel besser zu seinen Anforderungen passen würde? An dieser Stelle wird deutlich, wie mächtig Google wird bzw. wie machtlos die Automobilhersteller hier zum Zusehen verdammt sind.

Im Smart Home stehen die Energieversorger vor der gleichen Situation wie die Automobilhersteller. So bleibt es weiter spannend, diese Entwicklungen aufmerksam zu beobachten.

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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