Wir brauchen kein deutsches Silicon Valley. Oder?

[Blogtitel] Wir brauchen kein deutsches Silicon Valley. Oder? [Beschreibung]Die weltweiten IT Innovationen werden an der kalifornischen Westküste im Silicon Valley generiert. Wie sieht die Antwort aus Deutschland aus? [Bildquelle] istock 21422193 Das Bild zeigt einen blauen Regenschirm der aus einer Menge weißer heraussticht
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Die weltweiten IT Innovationen werden an der kalifornischen Westküste im Silicon Valley generiert. Wie sieht die Antwort aus Deutschland aus?

Silicon Valley und Industrie 4.0

Verfolgt man die deutsche Presse zum Thema Industrie 4.0, dann wird man schnell feststellen, wie konträr bzw. 180° auseinander liegend teilweise die Aussagen sind. Die eine Studie berichtet „Alles ist gut und fast alle Unternehmen haben bereits eine Digitalstrategie“, während eine andere Studie feststellen „Deutschland liegt im Hintertreffen und läuft Gefahr das Industrie 4.0 Spiel zu verlieren“. In diesem Zusammenhang hat am 11.04.2015 Michael Ziesemer in der Welt ein Interview zum Thema Industrie 4.0 gegeben. Michael Ziesemer ist der Präsident des ZVEI, dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.

Der ZVEI ist neben dem Bitkom und dem VDMA Gründungsmitglied der Industrie 4.0 Plattform. Das Interview mit dem provokanten Titel „Wir brauchen kein deutsches Silicon Valley“ lädt zum Lesen ein. Ist das so? Wir brauchen kein deutsches Silicon Valley? Also alles gut in Deutschland? Bevor man auf die Aussage eingeht, macht es vielleicht Sinn, sich ein wenig mit dem Begriff Silicon Valley auseinanderzusetzen. Was bedeutet dieser, was steckt dahinter, was assoziiert man damit?

Ideenschmiede Silicon Valley

Die Geschichte des Silicon Valley reicht bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts zurück. Hier entstanden in direkter Nähe zur Standford Universität Innovationen. Studenten haben hier bereits während Ihres Studiums oder direkt im Anschluss innovative Ideen entwickelt und versucht hieraus Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zu den bekanntesten Unternehmen, die Ihren Ursprung im Silicon Valley hatten, gehören u.a. auch alle Big5

  • Apple,
  • Amazon,
  • eBay,
  • Facebook und
  • Google.

So hat sich das Silicon Valley zum erfolgreichsten IT- und High-Tech-Standort der Welt entwickelt. Diese Ideenschmiede hat Unternehmen hervorgebracht, die die weltweite IT heute dominieren. Deutschland hatte in dem IT-Spiel nie auch nur den Hauch einer Chance gehabt, erfolgreich mitzuspielen.

Scheitern erlaubt. Oder?

Neben den Synergien und den daraus resultierenden Innovationen, die sich aus der Nähe zur Stanford Universität ergeben, zeichnet sich das Silicon Valley durch weitere Eigenschaften aus. Es ist die Fähigkeit, scheitern zu dürfen. Scheitern ist Teil des Innovationsprozesses und ist so normal wie die eigentliche Unternehmensgründung. Scheitern in Deutschland hat etwas von Niederlage, Image- bzw. Gesichtsverlust. Scheitern im Silicon Valley wird als Chance gesehen, eine Chance, aus gemachten Fehlern zu lernen und diese beim nächsten Start-Up einfach nicht ein zweites Mal zu machen. Diese Angst ist den Köpfen der Deutschen verankert. 54% haben Angst vor dem Scheitern gegenüber 14% in den USA.

Risiko und Kapital

Neben der Kultur des Scheiterns ist auch das notwendige Risikokapital vorhanden, eine wichtige Voraussetzung, erfolgsversprechende Ideen an den Start zu bringen. In Deutschland ist es dagegen schwer, für potentielle Ideen Geld zu erhalten bzw. Investoren zu finden. Oft hat man den Eindruck, dass Unternehmen gegründet sein muss, seit einigen Jahren bereits besteht, erfolgreich das Business betreibt, man auf Bilanzen der vergangenen Jahre zurückblicken kann und der Ausblick in die Zukunft weiterhin vielversprechend aussieht. Sicherlich ist das ein wenig überzogen, soll aber nur verdeutlichen, dass sich die Risikobereitschaft in Deutschland auf einem sehr niedrigen Niveau befindet.

Bürokratie und Innovation

Abschließend sei die Bürokratie erwähnt. 70% der angehenden Unternehmer schrecken vor der deutschen Bürokratie zurück, in den USA ist es gerade einmal die Hälfe. Wenn junge Start-Ups darüber berichten, dass sie mehr Zeit darin investieren, sich durch den Behördendschungel zu kämpfen und die Finanzierung sicherzustellen, als sich um die Entwicklung der Innovationen zu kümmern, dann hört sich das nach einem Ungleichgewicht an.

Digitalisierung heißt Wandel

Zurück zur Eingangsfrage, ob wir ein Silicon Valley benötigen. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft stehen wir vor einem tiefgreifenden Wandel. In vielen Bereichen wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben, neue Wettbewerber tauchen in Branchen auf und verändern dort die Spielregeln nachhaltig. In der dieser von Wandel geprägten Welt sind wir auf junge, frische Ideen angewiesen. Diese Ideen sind die Voraussetzung dafür, aus alten Pfaden herauszutreten und die Art und Weise, wie wir Geschäfte traditionell betreiben, komplett zu hinterfragen. Aber wir müssen diesen Wandel auch zulassen. Das bedeutet auch einen nachhaltigen Kulturwandel in den Unternehmen.

Großunternehmen treffen Start-Ups

Große Unternehmen wie BMW haben das gerade in diesen Tagen erkannt und fördern mit der „BMW StartUp Garage“ junge StartUps. Wenn ein Unternehmen mit 110.000 Mitarbeitern das erkannt hat, dann kann das nicht so verkehrt sein. Den Ansatz des Silicon Valley bzw. die amerikanische Kultur 1:1 in Deutschland zu kopieren macht keinen Sinn, denn wir müssen unseren eigenen Weg finden, der zu unserer DNA passt. Aber tun müssen wir auf jeden Fall etwas.

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung. Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur. Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur. Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert. Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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