Industrie 4.0 und die digitale Marke (Interview)

Das Bild zeigt Matthias Brinkmann (2be)
Bildquelle: 2be-die Markenmacher

Matthias Brinkmann, geschäftsführender Gesellschafter von 2be-die markenmacher, beleuchtet in dem Interview das Thema „Markenmachen im Zeitalter von Industrie 4.0.

Die Stadt Nürnberg hat vor kurzem eine Offensive zur Digitalisierung angekündigt. Wie sehen Sie das?

Mit dem Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 schwappt eine große Welle auf unsere Gesellschaft zu. Daher finde ich es sehr gut, dass die Stadt Nürnberg das Thema aufgreift und es mit nach vorne treibt. Nur wenn Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Hand-in-Hand das Thema angehen, wird man den digitalen Wandel erfolgreich bestreiten.

 

Wie sehen Sie das Potential von Digitalisierung und Industrie 4.0 für die Region um Nürnberg allgemein?

Die Region Nürnberg ist gut aufgestellt und stellt jetzt bewusst die Weichen für die Zukunft. Traditionell lebt die Region von vielen produzierenden Unternehmen, aber auch einer starken Branche für Informationstechnologie. Darüber hinaus sind mit der Georg-Simon-Ohm Hochschule und der Friedrich Alexander Universität sowie dem Fraunhofer IIS Institut die Wissenschaft gut vertreten. Auch die Start-Up Szene ist sehr aktiv, so dass hier einiges in Bewegung ist. Nürnberg hat eine bewegte Vergangenheit, die immer von Wandel geprägt war. Daher mache ich mir um die Region keine Sorgen, dass sie diesen Wandel nicht auch schaffen würde. Das Potential von Digitalisierung und Industrie 4.0 ist groß und bietet der Region viele Chancen, sich hier zu positionieren, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auch neue Unternehmen in die sehr attraktive Region mit einem hohen Freizeitwert zu locken.

Neben einigen Großunternehmen ist die Region aber auch von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Ist dort das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 bereits angekommen?

Wir stellen fest, dass es noch ein wenig Zeit benötigt. Bei den großen Unternehmen ist das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 angekommen und es werden Maßnahmen eingeleitet. Je kleiner Unternehmen werden, desto schwerer tun sie sich oft. Gerade in kleinen und mittleren, produzierenden Unternehmen bemerken wir, dass die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 noch recht weit weg sind. Viele Geschäftsführer können das Thema IT und Internet nur schwer greifen und begreifen, was die großen IT Unternehmen wie Apple und Google vorhaben und wo die Reise hingeht. Es ist daher auch sehr wichtig, das Unternehmen nicht alle Ihre eigene Suppe kochen, sondern sich öffnen und vernetzen, denn das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 hat schon sehr viele unterschiedliche Facetten.

Wie sieht diese Vernetzung konkret aus?

Es gibt sehr unterschiedliche Formen der Vernetzung. Wir arbeiten beispielsweise sehr eng mit dem Medical Valley zusammen. In diesem von der Bundesregierung geförderten Cluster sind viele Unternehmen aus Wirtschaft und Wissenschaft integriert, treiben gemeinsam Projekte voran und nutzen Synergien. Die Bundesregierung stellt dafür dedizierte Fördergelder zur Verfügung und hat an der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft ein großes Interesse. Gerade das Thema Industrie 4.0 besitzt auf der High-Tech Agenda der Bundesregierung einen hohen Stellenwert. In einem anderen Förderprojekt treiben wir mit “Business vor Ort” das aktive Vernetzen und das Generieren von Innovationen.

Was würden Sie gerade den kleinen und mittleren Unternehmen empfehlen?

Eine pauschale Empfehlung abzugeben ist schwer und wäre sicherlich auch nicht professionell, denn das sieht von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedliche aus. Aber die fortschreitende Digitalisierung erfordert ein komplett neues Denken. Aus vielen Gesprächen haben wir herausgehört, das es bei Digitalisierung darum geht, ein wenig Prozesse und vielleicht Software-Anwendungen zu optimieren. Die Ziele werden oft mit Kostensenkung und Produktivitätssteigerung angegeben. Ja, darum geht es auch, aber viel wichtiger ist wohl, das heutige Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen und komplett auf den Prüfstand zu stellen. Sind meine Produkte und Dienstleistungen morgen und übermorgen überhaupt noch wettbewerbsfähig? Wer sind meine zukünftigen Kunden, Partner und Wettbewerber? Über welche Kanäle vertreibe ich meine Produkte? Wie wird meine Wertschöpfungskette und -tiefe aussehen? Das alles sind fundamentale Fragen, die gestellt werden müssen. Die Technologie, sagen wir beispielsweise das Thema Additive Fertigung, wird in einigen Branchen die Spielregeln komplett neu definieren. Darüber muss man nachdenken und dann reicht es eben nicht aus, ein wenig Prozesse und Software zu optimieren. Die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 stellen einen fundamentalen Wandel dar.

Wie können Sie als Marken-Agentur Ihre Kunden auf dem Weg in das digitale Zeitalter unterstützen?

Heute kommen bereits die Kunden aktiv auf uns zu und bitten um Hilfestellung. Oft geht es dabei um Fragestellungen, wie Unternehmen und die Marke eine höhere Sichtbarkeit in der digitalen Welt erlangen können. Viele Unternehmen tun sich mit den digitalen Kommunikationskanälen noch schwer, diese in Ihren Marketing-Mix zu integrieren. Aber es sind genau die Kanäle, in den sich halt nicht nur die jungen Leute privat tummeln, sondern auch die Kunden von B2B-Unternehmen. Eine erste wichtige Maßnahme ist immer, einen gemeinsamen Workshop zu initiieren, um die Ist-Situation kennen zu lernen und zu verstehen, was das Unternehmen/Marke ausmacht und wohin die Reise gehen soll. Im nächsten Schritt werden dann gezielt messbare nächste Schritte geplant, umgesetzt in denen der Erfolg kontinuierlich gemessen wird. An dieser Stelle ist es sehr wichtig, dass Unternehmen Marketing nicht als Ausgabe, sondern als Investition sehen. Alle Maßnahmen haben nur das eine Ziel – einen messbaren Erfolg zu generieren.

Kennen die Unternehmen Ihre Kunden?

In der Regel kennen die Unternehmen natürlich Ihre Kunden. Aber die Spielregeln verändern sich am Markt. Den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt haben noch nicht alle Unternehmen komplett vollzogen. Heute muss um den Kunden viel intensiver geworben werden und eine hohe Kundenbindung und -zufriedenheit wird immer wichtiger. Dazu ist es aber elementar wichtig, das Geschäft auch einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen – der Kundenperspektive. Man neigt als Unternehmen immer sehr stark dazu, nur die eigene, innere Sichtweise zu betrachten. Das ist in Ordnung, aber es gehört ebenso dazu, sich in die Rolle des Kunden hinein zu denken und dann beide Sichtweisen abzugleichen. In der Regel wird es hier immer zu einer Differenz kommen.

Wie schwer ist es für 2be sich in die „Industrie 4.0 Themen“ hineinzudenken?

Glücklicherweise stellt das überhaupt kein Problem dar. Wir haben seit vielen Jahren einen starken Fokus auf dem Thema Industrie. Durch Kunden wie Oechsler, Pressmetall oder die Audi AG, um nur wenige zu nennen, sind wir ständig im Kontakt mit unterschiedlichsten Themenstellungen und tun uns daher natürlich leicht, die „Industrie 4.0 Themen“ zu verstehen und dann in Marketingkampagnen umzusetzen. Dadurch, dass wir einen Lehrauftrag an der Hochschule haben, sind wir nicht nur mit der Wirtschaft, sondern eben auch mit der Wissenschaft in engem und regelmäßigem Austausch, was für uns sehr wertvoll ist.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Zunächst möchte ich betonen, dass wir uns außerordentlich auf die Zukunft freuen und begeistert sind, welche Chancen sich durch Digitalisierung und Industrie 4.0 bieten. Ich denke, wir können ein wenig stolz sein, wo Deutschland heute in Europa steht. Das darf aber auf keinen Fall dafür sorgen, dass wir uns entspannt zurücklehnen und in Selbstgefälligkeit verfallen. Der digitale Tsunami kommt auf uns zu, das steht außer Frage. Daher heißt es aus meiner Sicht für die Unternehmen die Chancen zu erkennen, die Ärmel zu hoch zu krempeln und loszulegen – jetzt! Wir haben eine hervorragende Ausgangssituation in Deutschland, aber hier und da könnten wir ein klein wenig flexibler und mutiger werden. Wir sind schon sehr auf Sicherheit bedacht und scheuen das Risiko. Scheitern ist in Deutschland ein Makel – das ist in anderen Ländern, beispielsweise in den USA ganz anders. Scheitern gehört aber dazu. Die Einstellung der Amerikaner, gerade auch was das investierte Geld angeht, unterscheidet sich deutlich von der deutschen Kultur. Das heißt aber nicht, unsere Kultur zu vergessen und über den Haufen zu werfen – aber punktuell würde uns eine Anpassung ganz gut tun.

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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