Industrie 4.0 und die Elektroindustrie (Interview)

[Blogtitel] Industrie 4.0 und die Elektroindustrie (Interview) [Beschreibung]Im nachfolgenden Interview wurde mit Dr. Jacobfeuerborn (VDE) das Thema Industrie 4.0, Digitalisierung und Wandel in der Elektroindustrie beleuchtet. [Bildquelle] VDE [Bildbeschreibung] Das Bild zeigt Dr. Jacobfeuerborn (VDE)
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Im nachfolgenden Interview wurde mit Dr. Jacobfeuerborn (VDE) das Thema Industrie 4.0, Digitalisierung und Wandel in der Elektroindustrie beleuchtet.

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet unaufhaltsam voran. Große Unternehmen wie beispielsweise Bosch haben den Trend erkannt und richten sich entsprechend neu aus. Aber hat das Thema Digitalisierung die Unternehmen, gerade im Mittelstand, schon auf breiter Basis erreicht?

Die Industrie 4.0 eröffnet gerade mittelständischen Unternehmen einen vielversprechenden Markt. Bisher sind es jedoch insbesondere große Unternehmen, die sich mit operativen Projekten beschäftigen. Das liegt unter anderem daran, dass wir zum Beispiel bei der Vernetzung von Machine-to-Machine Produktion (Shop Floor) mit dem Netzwerk der Geschäftsprozesse (Office Floor) noch am Anfang stehen. Der VDE-Trendreport, eine Umfrage unter VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen, zeigt aber, dass sich ein Drittel der befragten Unternehmen bereits konkret mit dem Thema Industrie 4.0 befassen.

Mit der Digitalisierung der Gesellschaft stehen die Unternehmen vor einem fundamentalen Wandel. Kleine und mittlere produzierende Unternehmen sind häufig mit den neuen Themenstellungen überfordert. Was kann der VDE hier leisten?

Der VDE bietet besonders für kleine und mittelständische Unternehmen eine in dieser Form wahrscheinlich einzigartige Plattform für Wissenstransfer und Kooperationen. Denn wir vernetzen Experten aus der Informationstechnik, Automatisierungstechnik, Mikrosystemtechnik und anderen relevanten Disziplinen. Dabei kommen kleine und mittelständische mit großen Unternehmen, Hochschulen oder Forschungsinstituten in Kontakt.

Die Bundesregierung hat das Thema Industrie 4.0 mit hoher Priorität auf der Agenda. Wirtschafts- und Forschungsministerium haben sich das Thema ebenfalls auf die Fahne geschrieben. Reicht das aus, was fehlt?

Wichtig sind vor allem der Ausbau und die flächendeckende Verfügbarkeit der technologischen Kommunikationsinfrastruktur für echtzeitfähige, zuverlässige und sichere Industriefunkkommunikation. Das erfordert eine übergreifende Sichtweise und die Nutzung von Synergien. Hier müssen wir die Standardisierung und Normung noch stärker fördern, die mit der Roadmap von DKE und DIN bereits angegangen wurde. Wenn wir dann noch kleinen und mittleren Unternehmen mehr Unterstützung bieten und die Marke Industrie 4.0 besser vermarkten, sind wir auf einem guten Weg.

In den USA wird mit dem Industrial Internet Consortium (IIC) das Thema viel breiter angegangen und IT-Innovationen werden im Silicon Valley generiert statt in Deutschland. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Nein. Natürlich müssen wir unsere Technologien stärken und beispielsweise Nanosysteme den europäischen Unternehmen verfügbar machen, unabhängig von den US-amerikanischen und südostasiatischen Marktführern. Aber Alleingänge helfen keinem. IT und Software sind seit je eine starke Domäne der USA, die Automatisierung und Systemlösungen eine starke deutsche Domäne. Hier müssen wir zusammenfinden. Letztlich geht es darum, innerhalb der internationalen Normung die Vielzahl existierender Standards zu konsolidieren und einheitliche Lösungen zu erarbeiten. Die Normungsexperten von VDE|DKE haben uns hier bereits weit voran gebracht und machen einen sehr guten Job.

Silicon Valley ist die weltweite Keimzelle für Innovationen und Start-ups. Risikokapital ist in großer Menge genauso wie der Mut zum Scheitern vorhanden. In Deutschland sieht das anders aus. Was müssen wir tun?

Zunächst einmal sollten wir uns nicht kleiner machen als wir sind. Der Mittelstand als Innovations- und Jobmotor – das ist geradezu ein deutsches Markenzeichen. Aber es ist richtig, dass wir Start-ups und mittelständische Unternehmen stärker unterstützen müssen, damit sie Zugriff auf modernste Technologien erhalten und die Durststrecke zwischen innovativer Idee und marktfähigem Produkt überstehen. Dass Investoren hierzulande eher an Risikokapital als an Wagniskapital denken, werden wir so schnell nicht ändern. Aber geeignete innovationspolitische Förderinstrumente könnten das kompensieren.

Neben intelligenter Software und Algorithmen dringen Roboter gerade in produzierenden Unternehmen immer stärker in die Unternehmen vor. Bei den Mitarbeitern entstehen Sorgen und Ängste, dass immer mehr Arbeitsplätze wegfallen und die menschenleere Fabrik droht. Was entgegnen Sie diesen Ängsten?

Das Ende der Arbeitswelt wird bei jedem größeren Technologieschub und jeder industriellen Revolution prognostiziert. Nichts davon ist eingetroffen, stattdessen werden schwere, monotone und gefährliche Arbeiten zunehmend von Robotern übernommen. Die Fabrik wird dadurch nicht menschenleer sein, vielmehr werden sich die Menschen  auf  anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren können.

Die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt komplett verändern. Ist unser Bildungssystem darauf schon vorbereitet?

In Ansätzen ja. Zum Beispiel ergab der VDE-Trendreport, dass sich bereits 58 Prozent der befragten Hochschulen und Institute konkret mit Industrie 4.0 befassen. Aber angesichts des rasanten Wandels müssen wir noch mehr tun. Wie wichtig MINT-Fächer sind, ist inzwischen in den Köpfen angekommen, aber noch zu wenig in den Lehrplänen der Schulen. Informatik und Digitale Kompetenz gehören in einer digitalisierten Gesellschaft zur Allgemeinbildung. Sie sollten deshalb auch in allen Schulen vermittelt werden.

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung. Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur. Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur. Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert. Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

1 Kommentar

  1. Industrie Vier Punkt Null… ein hoch spannendes Thema, das jeder schonmal gehört haben sollte und sich auch ein wenig damit beschäftigt haben sollte! Denn die „vierte industrielle Revolution“ ist jetzt und wird die Zukunft sein, und wird auf jeden einen Effekt haben. Zu diskutieren ist, was jeder davon hält, welche Chancen und Risikien gesehen werden können und welche Erwartungshaltungen sich bilden.

    In der heutigen Zeit, wo wir ständig kommunizieren und im Kontakt mit anderen Menschen stehen, ist es nur logisch, dass auch in der Industrie dieser Weg eingeschlagen wird. Hauptkern der Industrie 4.0 ist die Anwendung von Internettechnologien zur Kommunikation (Austausch von Informationen) zwischen Mensch, Maschine und Produkt! In diesem Zusammenhang wird auch oft der Begriff „Internet der Dinge“ ewähnt, der kurz gesagt, den Prozess beschreibt, dass PCs immer mehr von intelligenten Computer ersetzt werden.

    Ich schaue gerne zurück zu meinen Anfängen in der Berufswelt, und damals hatte ich noch nicht mal ein Handy, geschweige denn mobiles Internet. Damals fand ich schon das Faxgerät äußerst modern und innovativ. Und nun, 2016, arbeiten wir mit Touch-Panel-PC und geben Befehle durch Berührung weiter. Sehr erstaunlich, und für mich auch sehr beeindruckend wie schnell alles sich entwickelt und voran geht.

    Vielen Dank für den Artikel und schöne Grüße!

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