Das Bild zeigt das Cockpit vom TESLA
Bildquelle: TESLA

Einen TESLA live zu erleben und zu verstehen, in welche Richtung TESLA denkt, zeigt eindrucksvoll das disruptive Potential und die möglichen Veränderungen.

Einsteigen und wundern

Vorweg – man steigt in den TESLA ein wie in ein ganz normales Auto. Nun gut, die Türgriffe fuhren beim Öffnen des Autos automatisch heraus. Ein nettes Feature, aber sonst alles ganz normal. Aber die Überraschungen gingen weiter. Das Zündschloss wurde ebenso wie die Schaltung nicht entdeckt. Das Cockpit sah gänzlich anders aus. Statt dem liebgewonnen Drehzahlmesser sah man die Batterieanzeige. Wo war er nur, der Drehzahlmesser? Aber mal ganz ehrlich – wer braucht den eigentlich wirklich? Besonders beeindruckend war das „XXL Tablet“ in der Mitte des Cockpits, in dem alle wichtigen Informationen übersichtlich per Touch erreich- und auswählbar sind. Das Betriebssystem kommt von TESLA – schade. Kein iOS, kein Android und somit auch ein Bruch in der “nahtlosen Customer Journey”.

 

Starten und loslegen

Nachdem nun klar wurde, dass der TESLA nicht mit einem Schlüssel sondern einfach durch ein Drehen des Hebels am Lenkrad gestartet wird, ging es auch schon los. Dennoch gab es Startschwierigkeiten. Ist der TESLA schon an? Man hört nichts, rein gar nichts. Ja, der TESLA war wirklich an. Ein kleines Symbol im Cockpit hat das signalisiert. Die Bedienung hat sich nicht sofort intuitiv erschlossen. An dieser Stelle wurde deutlich, dass hier und da noch ein wenig Optimierung in der Usability erfolgen könnte. Apple hat es vorgemacht, wie man intuitiv und anwenderfreundlich ein Gerät bedient. Also langsam Gas geben und auf geht’s. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, dass man kein Motorengeräusch hört. Aber nach wenigen gefahrenen Metern war das kein Thema mehr. An der ersten Ampel nach dem Ortsausgang war es dann soweit – Gas geben und mal schauen was passiert. Die Beschleunigung zu erleben war einfach nur ein beeindruckend. Also ab auf die Autobahn. Blinker gesetzt und ab auf die linke Spur.

Entspannt und automatisch

Auf der linken Spur angekommen war es erstaunlich, wie laut es dennoch ohne Motorengeräusch war. Ob es am starken Wind oder an der noch ausbaufähigen Innenraum-Dämmung lag, war nicht klar. Aber eines wurde einem bewusst – es macht einfach viel Spaß. Die erste vorsichtige Annäherung war nun überwunden. Bei Tempo 150 wurde nun der Autopilot aktiviert und entspannt die Hände vom Lenkrad genommen. Das mit den Händen hat geklappt – das mit der Entspannung leider nicht. Was passiert hier gerade? Es geht auf der A3 mit Tempo 150 von Nürnberg in Richtung Frankfurt und der TESLA übernimmt die Steuerung? Man muss nichts mehr unternehmen, einfach der Technik vertrauen!? Dieses Gefühl macht deutlich, wie groß der Wandel vom gewohnten, gelernten zum autonomen Fahren ist. Plötzlich bremst ein vorausfahrendes Auto und instinktiv geht Fuß auf die Bremse. Nicht notwendig, denn der TESLA hätte es erkannt. Aber auch hier hat man sich schnell an die neue Fahrweise gewohnt und war einfach nur begeistert.

Smartphone auftanken

Die Tankanzeige hat im normalen Auto eine untergeordnete Rolle. Wir wissen ja, dass der Drehzahlmesser viel wichtiger ist. Beim TESLA ist die Batterieanzeige groß und gut sichtbar im Cockpit platziert. Aber wie geht das mit dem Tanken? Beim normalen Auto muss man sich über das Tanken keine Gedanken machen. Sobald die freundliche Meldung kommt, dass sich der Kraftstoff langsam dem Ende nähert, findet man aufgrund der flächendeckenden Abdeckung von Tankstellen immer innerhalb von 20 Km eine Tankstelle. Aber wie kann ich den TESLA tanken? TESLA hat erkannt, dass eine flächendeckende Infrastruktur ein wichtiger Erfolgsfaktor für E-Mobilität ist. So hat TESLA beispielsweise in Zentraleuropa ein Netzwerk von Ladenstationen, die TESLA Supercharger aufgebaut. Dabei ist das Netz so installiert, dass es immer sehr nahe an der Autobahn liegt. Des Weiteren liegen die Stationen so weit auseinander, dass man in der Regel zentral-europaweite Strecken zurücklegen kann. Das Netz und damit die Flächenabdeckung wird schrittweise ausgebaut. Die Ladezeit beträgt akzeptable 30 Minuten, um weitere etwa 270 Kilometer fahren zu können.

Umdenken notwendig

Blickt man viele Jahre zurück, dann erinnert man sich an Mobilfunktelefone von Nokia, wo man einen vollgeladenen Akku erst nach einer Woche wieder mit der Steckdose in Verbindung bringen musste. Die heutigen Batterien leistungsfähiger Smartphones sind noch nicht in der Lage, Ladeintervalle von mehreren Tagen sicherzustellen. So ist man es gewohnt, bei intensiver Nutzung unter Umständen mehrmals täglich das Smartphone zu laden was zur Folge hat, dass man feste Ladepunkte in seinem Alltag eingebaut – im Büro, im Auto und zu Hause. Damit stellt man sicher, das Smartphone permanent mit Strom zu versorgt ist. Mit dem TESLA ist es wie mit dem Smartphone – eine Reise muss geplant und man muss sich über die Stromversorgung im Vorfeld Gedanken machen. Für Autofahrer ist das heute ungewohnt, den Kraftstoff gibt es an jeder Ecke und man muss nicht planen, wo man tanken geht. Mit dem Smartphone haben wir uns daran gewöhnt, eine kontinuierliche Stromversorgung sicherzustellen. Somit wird es kein großes Problem sein, sich an das neue Verhalten beim Auto zu gewöhnen. Des Weiteren wird der Fahrer immer bei der Reiseführung unterstützt, in dem ihm verbleibende Restkilometer und die nächste Ladestation angezeigt wird.

Weiter gedacht

Gerade der Blick auf das europaweite Supercharger-Netz von TESLA macht deutlich, wie weit TESLA der Konkurrenz enteilt ist. Es wirft die Frage auf, warum ein amerikanischer Hersteller den deutschen Automobilherstellern zeigt, wie man es richtig macht. Es ist nicht unbedingt die Aufgabe eines Automobilherstellers, sein eigenes “Tankstellennetz” aufzubauen. Aber TESLA hat es einfach umgesetzt. Weder Automobil- noch Stromindustrie haben aktuell hier etwas entgegenzusetzen. Die Strategie von TESLA ist der erste Schritt in die richtige Richtung, auf den Langstrecken ein flächendeckendes Lade-Netz bereitzustellen. Im innerstädtischen Verkehr muss hier noch nachgezogen werden. Aber auch hier denkt TESLA einen Schritt weiter und führt Ende 2015 die TESLA Powerwall ein. Diese ermöglicht es, in Verbindung mit einer Solaranlage den TESLA zu Hause aufzuladen.

Giga Vision

Mit dem Bau der TESLA Gigafactory hat TESLA die Basis gelegt, sich zusammen mit Panasonic und weiteren Partner von der weltweiten Produktion an Lithium-Ionen-Batterien zu entkoppeln. In 2020 sollen jährlich 500.000 Fahrzeuge bei TESLA vom Band rollen. Die dazu notwendige Kapazität an Batterien, die weltweit jährlich produziert werden, würde dazu nicht ausreichen. So ist die Gigafactory entstanden. In 2020 soll die Gigafactory mehr Batterien produzieren als sämtliche Hersteller weltweit zusammen. Durch das hohe Volumen und rationalisierte Fertigungsprozesse werden die Preise der Batterien signifikant sinken, was sich dann auch im Fahrzeugpreis wiederspiegeln wird.

Ausblick 2020

TESLA treibt die Automobilindustrie vor sich her und verändert diese. Es sieht so aus, als würde TESLA vieles richtig machen. Die kritischen Erfolgsfaktoren für das Thema E-Mobilität hat TESLA erkannt. Die Batterien verfügen über Leistungsfähigkeit und Reichweite. Mit dem Supercharger-Netz steht ein immer dichter werdendes Netz an Lademöglichkeiten zur Verfügung. Durch die eigene Massenproduktion der Batterien wird sich der Fahrzeugpreis reduzieren. Ist heute TESLA noch ein Fahrzeug in der Premiumklasse wird es mit dem TESLA X bald in der Mittelklasse angekommen sein. Die deutsche Automobilindustrie muss sich technologisch hinter TESLA nicht verstecken, sie muss nur aufwachen, und Gas geben – jetzt!

Weitere Informationen

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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