Marke Volkswagen | Alles Müller, oder was?

Das Bild zeigt das VW Logo bei der Montage am Auto
Bildquelle: Volkswagen

Nach dem die Betrügereien von Volkswagen im September 2015 bekannt geworden sind, befindet sich die Marke weiterhin in sehr unruhigem Fahrwasser.

Ein Blick zurück

Die IAA war gerade gestartet, als die “Unregelmäßigkeiten” bei der Messung der Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen bei Volkswagen an die Presse gelangt sind. Der Börsenkurs ging als Folge in die Knie und der Schaden war noch nicht wirklich absehbar. In der Zwischenzeit haben Martin Winterkorn als CEO und weitere Manager ihren Hut genommen. Matthias Müller von Porsche rückte auf seinen Posten nach. Eigentlich konnte man davon ausgehen, dass nun der Fall abgearbeitet wird, VW sich einsichtig und demütig zeigt, den Schaden reguliert und das verlorene Vertrauen der Kunden schrittweise zurückerlangt.

Schuldige Techniker

Im einem Interview mit dem Morgenmagazin kurz vor Beginn der Motorshow in Detroit wiedersprach Matthias Müller der Frage nach “kriminellen Strukturen” und sagt, das Volkswagen ein ehrlicher Konzern sei und es nur der Fehler “der Techniker” war um Ihre Ziele zu erreichen. Das heißt übersetzt, das das Management, hoch bis zum Vorstand Technik dafür natürlich nicht verantwortlich ist und davon auch nichts gewusst hat – und das bei einem technikverliebten CEO Martin Winterkorn, der jedes technische Detail am Fahrzeug kannte.

Presse Desaster

Nun ist Matthias Müller in Detroit bei einer der wichtigsten Automobil-Ausstellungen dieser Welt. In einem Interview mit einem amerikanischen Reporter vom Radiosender NPR gibt Matthias Müller allen Ernstes zu Protokoll, dass Volkswagen nicht gelogen hat, sondern sie nur das amerikanische Recht missverstanden haben. Es sei vielmehr ein technisches – kein ethisches Problem gewesen. Das Presse Desaster blieb in Wolfsburg nicht unbemerkt. Man vereinbarte einen erneuten Interview-Termin in dem sich Matthias Müller mit der Aussage – “Es waren so viele Fragen und es war so laut” entschuldigte. An dieser Stelle kann man das Interview beliebig oft wiederholen –die erst getätigten Aussagen bleiben im Kopf bestehen. Dass das Interview überhaupt wiederholt wurde, sieht nach massivem Eingriff der Presseabteilung aus Wolfsburg aus. Damit wurde alles nochmals schlimmer anstatt besser.

Technik vor Ethik

Die Aussagen “Wir haben nicht gelogen” und “Es war ein technisches Problem” nötigen einen dazu, kurz inne zu halten, tief Luft zu holen und über diese Worte nachzudenken. Aber es wurde noch schlimmer, als Matthias Müller auf die Fragen nach der Ethik mit “ Ich kann nicht verstehen, warum Sie das sagen” antwortete. Das Volkswagen als Global Player argumentiert, man habe die Gesetze falsch verstanden, ist eine Frechheit. Mit der Aussage “Wir haben nicht gelogen” macht Matthias Müller dort weiter, wo Martin Winterkorn aufgehört hat. Am schlimmsten ist allerdings, dass die Frage nach Ethik in keiner Weise verstanden wurde.

Neustart missglückt

Volkswagen wollte die Krise für den Neustart nutzen – das ist Matthias Müller gänzlich missglückt. Jede Krise ist eine große Chance. Ein demütiges Verhalten, eine lückenlose Aufklärung und eine pro-aktive Kommunikation wäre dafür die Voraussetzung gewesen. Wohl jeder Kunde hätte es akzeptiert, dass Volkswagen einen Fehler gemacht hat und diesen nun offen und ehrlich korrigieren möchte. So hätte man aus dieser Krise unter Umständen sogar noch gestärkt hervorgehen können und die Kundenbeziehung intensivieren können.

Marke unwichtig

Die Vorkommnisse bei Volkswagen sind keine technischen Probleme oder falsch verstandene Gesetze. Das Problem liegt ganz tief im Kern der Marke Volkswagen verankert, in der Kultur, der Unternehmens-DNA. Das Unternehmen hat es leider nicht verstanden, gerade hier anzusetzen. Das Ändern der Unternehmens-DNA ist ein langwieriger Prozess, den man nicht einfach mal eben umsetzt. Andere Beispiele wie die Deutsche Bank oder Siemens zeigen, wie unwichtig anscheinend Moral, Ethik und Werte bei deutschen DAX-Unternehmen sind und Volkswagen reiht sich hier nahtlos ein. Ein paar entschuldigende Worte und das Freisetzen einiger weniger Manager löst nicht die Probleme. Volkswagen ist geprägt vom Ziel, der größte Automobilhersteller der Welt zu werden und endlich Toyota vom Thron zu verdrängen – koste es wolle. Hierfür waren anscheinend alle Mittel Recht um zu wachsen und Marktanteile in den USA zu gewinnen.

Selbstbewusst und Arrogant

Was bleibt jetzt übrig? Ein hilfloser und uneinsichtiger, aber dennoch selbstbewusster CEO, der anscheinend bei Lärm nicht stress-resistent ist und mit zu vielen Fragen nicht umgehen kann. Gegen ein selbstbewusstes Auftreten ist allgemein nichts zu sagen. Aber in der Situation, in der sich der Volkswagen-Konzern aktuell befindet, kippt in der Wahrnehmung Selbstbewusstsein sehr schnell in Arroganz. Die Aussage von Matthias Müller „er selbstbewusst nach USA reisen und sich nicht verbiegen“ ist exakt die falsche Haltung. Wer wie Volkswagen einen so großen Schaden angerichtet hat würde besser mit weniger Selbstbewusstsein glänzen und sich reu- und demütig zeigen. Lieber Herr Müller, es ist schade, dass Sie nichts gelernt haben.

Weitere Informationen

Bildquelle: Volkswagen
Anzahl Zeichen: 5061

 

 

Vorheriger ArtikelDigitalisierung und Elektromobilität (Interview)
Nächster ArtikelIndustrie 4.0 | Wie ist der aktuelle Stand in Deutschland?
//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox zur Zustimmung der DSGVO Bestimmungen ist zwingend.

Ich stimme zu.