Industrie 4.0 | Wie ist der aktuelle Stand in Deutschland?

Das Bild zeigt Christoph Sporleder, Executive Advisor bei SAS.
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Der Autor dieses Gastbeitrages ist Christoph Sporleder, Executive Advisor, SAS und fokussiert auf das Thema BigData in der Welt von Industrie 4.0. 

Ungenutzte Potentiale

Das größte Potenzial für Industrie 4.0 sehen viele deutsche Industrie-Unternehmen derzeit in der Produktionsplanung und -steuerung. Doch gemäß der Studie „Wettbewerbsfaktor Analytics 2015“ der Universität Potsdam verwenden nur 34 Prozent der Fertiger in Deutschland analytische Systeme in der Herstellung. Im Bereich Logistik sind es immerhin schon 40 Prozent. Dabei ist die Analyse großer Datenmengen auf Basis von Plattformen wie Hadoop eine wichtige Voraussetzung, um das volle Potential von Industrie 4.0 zu nutzen.

Denn die größten Chancen ergeben sich aus der Verknüpfung der Produktion mit vor- oder nachgelagerten intelligenten Objekten, die auch außerhalb des Unternehmens liegen können. Und hier entstehen große Mengen an Daten, die in aussagekräftige Informationen umgewandelt werden müssen, um fundierte und idealerweise automatisierte Entscheidungen zu treffen.

So ist das Internet der Dinge nur dann hilfreich, wenn die anfallenden Daten auch effektiv analysiert werden. Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand können hier gute Wettbewerbspositionen gewinnen indem sie „Analytics of Things“ als eine wichtige neue Kompetenz begreifen und umsetzen. Der digitale Wandel und die vielbeschworene „vierte industrielle Revolution“ können so zugunsten unseres Industriestandortes zum echten Wertschöpfungstreiber werden. Denn es geht nicht nur um populäre, neue Endverbraucherangebote wie sie z.B. aus USA zu uns kommen, sondern um die Automatisierung produktionsinterner Prozesse von Unternehmen zu Unternehmen.

 

Datenvernetzung als Chance

Die unternehmensübergreifende Datenvernetzung bietet eine riesige Chance für die Lieferkette der Zukunft: Entwicklungsfortschritte eines Zulieferers könnten in Echtzeit an den OEM weitergegeben werden, der seine Entwicklung damit in Einklang bringt. Ein solcher Austausch findet heute jedoch nicht statt, denn es mangelt sowohl an Vertrauen zwischen den Unternehmen als auch an den notwendigen Sicherheitskonzepten.

Viele deutsche Hersteller gehen bereits die ersten Schritte in Richtung Industrie 4.0. Zum Beispiel koordiniert die Meyer Werft in Papenburg mehr als 10.000 Mitarbeiter beim Bau eines Schiffs mit der Software „InfoYard“. Mit Hilfe der operativen Projekt- und Kapazitätsanalyse kann sie einen Auftrag in jeder Projektphase steuern und effizient ausführen. Nestlé setzt am Point of Sale einen Forecast Server ein, um die optimale Verfügbarkeit seiner Produkte vorherzusagen.

Da die Auswahl der geeigneten statistischen Methode weitgehend automatisiert erfolgt, erhalten Planer mehr Zeit zur Ermittlung komplexer Zusammenhänge und für die richtigen Entscheidungen zur Anpassung der Produktion. Durch den Einsatz von SAS Predictive Maintenance kann der Landmaschinenanbieter Claas Telemetrie- und Diagnosedaten direkt aus den Maschinen in die zentralen Analysesysteme für das Gewährleistungsdatenmanagement integrieren. Damit realisiert das Unternehmen eine vorausschauende Wartung seiner Maschinen.

Herausforderung Datensouveränität

Für die nächsten Schritte in Richtung Datenaustausch zwischen Unternehmen müssen nun eindeutige Regeln zum Umgang mit den zu teilenden Daten aufgestellt werden. Wer darf diese Daten lesen, bearbeiten und weiterleiten? Datensouveränität bildet damit neben Cybersecurity ein zentrales Thema beim Austausch von Daten mit Partnern. Auch die Auswahl und Einordnung der Daten ist zu klären und in eine klare Struktur zu bringen, bevor Data Sharing eingeführt werden kann. Doch nur damit lässt sich das volle Potential von Industrie 4.0 ausschöpfen.

Über Christoph Sporleder

Christoph Sporleder ist erfolgreicher Unternehmer, anerkannter BigData Analytics-Experte und Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Köln. Er koordinierte bei SAS eine Gruppe hochkarätiger Experten in Themenbereichen wie BigData-Technologie, Customer Intelligence, Risikomanagement und „Internet of Things“ und war Geschäftsführer einer Unternehmensberatung im Bereich des Internets der Dinge.

Über SAS

SAS ist weltweit Marktführer im Bereich Analytics und mit 3,16 Milliarden US-Dollar Umsatz einer der größten Softwarehersteller. Kunden an mehr als 80.000 Standorten setzen innovative Analytics-, Business-Intelligence- und Datenmanagement-Software und -Services von SAS ein, um schneller bessere Geschäftsentscheidungen zu treffen.

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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