Das Bild zeigt Sascha Karimpour von PLUG AND PLAY

Die Startup Autobahn bringt Silicon Valley Spirit nach Stuttgart (Interview)

Sascha Karimpour, VP Corporate Relations vom Investor PLUG AND PLAY, gibt einen Blick hinter die Kulissen der Startup Autobahn in Stuttgart.

Das Silicon Valley ist DIE Ideenschmiede der Digitalisierung. Wie sehen Sie den Vergleich zur aktuellen Situation in Deutschland?

Das Silicon Valley ist immer noch das Epizentrum von StartUps mit innovativen Ideen und daran wird sich wahrscheinlich kurzfristig auch nichts ändern. PLUG AND PLAY als Investor ist permanent auf der Suche nach innovativen und skalierfähigen Ideen – unabhängig davon, ob diese aus den USA oder im Rest der Welt entstehen. Von allen StartUps, in die wir weltweit investieren, kommen aktuell aber noch immer ca. 50% aus dem Großraum Silicon Valley.

Ingenieurversteher  Blue Yonder
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Teilnehmer der Kampagne „Meinungen & Macher“

Was steckt konkret hinter der Startup Autobahn?

Die „StartUp Autobahn“ ist eine gemeinsame Initiative von Daimler, der Universität Stuttgart, Arena2036 und PLUG AND PLAY um junge StartUps und Ihre innovativen Ideen rund um die Zukunftsbereiche

  • Mobilität,
  • Fahrzeuge,
  • Transport und
  • Produktion

zu fördern. Darüber hinaus haben wir noch einen Fokus auf Themen wie Mitarbeiterkommunikation und Einkaufsverhalten. Wir sehen bei StartUps, die Hardware Komponenten im Portfolio haben und sich auf das Sammeln, Verbinden und Analysieren von Daten auseinandersetzen, ein außerordentlich großes Potential. Gerade das Thema Künstliche Intelligenz ist eines der Topthemen für die Zukunft. Idealerweise kommen die jungen Unternehmen aus der Region Stuttgart. Aktuell sehen wir aber, dass es einfach noch nicht genügend StartUps in der Region gibt, daher suchen wir komplett in Deutschland, Europa sowie auch außerhalb Europas, beispielsweise in der Region mittlerer Osten. Unser Ziel ist es, die besten StartUps zu finden und zu fördern, welche die Interessen und Schmerzpunkte unserer Kooperationspartner adressieren. Zweimal pro Jahr legen wir ein Programm mit dem Ziel auf, jeweils Top 10 StartUps zu finden und zu fördern.

Wird Stuttgart die deutsche Keimzelle für StartUps mit Fokus Automobilindustrie?

Es ist unser Ziel, in Stuttgart eine dauerhafte Plattform zu errichten, an der möglichst viele Industriepartner teilnehmen. Standorte wie Berlin, München, Hamburg haben sicherlich Vorsprung mit Ihren organisch gewachsenen Startup Ökosystemen. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir in kürzester Zeit den Vorsprung einholen werden und die Potentiale, die die Region Stuttgart bietet, nutzen werden um hier ein international erfolgreiches Ökosystem zu etablieren. Aber der reine Fokus auf Automobil wäre zu kurz gegriffen. Uns interessiert Mobilität im weiteren Sinne. Hierzu sind wir mit weiteren Unternehmen im Gespräch, beispielsweise aus dem Bereich

  • Handel,
  • Logistik,
  • Produktion,
  • Luftfahrt,
  • Versicherung und
  • Telekommunikation.

Die Änderungen in der Art und Weise, wie wir zukünftig Mobilität definieren, hat Auswirkungen auf viele Branchen.

Wie sieht der kulturelle Unterschied zwischen Amerika und Deutschland aus, müssen wir uns in Deutschland verändern?

Der kulturelle Unterschied zwischen Amerika und Deutschland ist gewaltig. Das bedeutet nicht, dass Deutschland nun wie Amerika werden muss. Aber Deutschland muss sich an die neuen Spielregeln in der digitalen Welt anpassen. Das passiert sicherlich nicht von heute auf morgen und wird ein längerer Prozess werden. Vielleicht ist es der „Entrepreneurial Spirit“ der sich wieder verstärken muss. Auch aus diesem Gesichtspunkt ist Stuttgart ein ebenso wichtiger wie emotionaler Standort. Hier haben großartige Pioniere vor 130 Jahren das Automobil erfunden. Neben dem breiten Mittelstand existieren natürlich am Standort Stuttgart mit u.a. Bosch und Daimler große Unternehmen, die die jungen Talente direkt von der Universität rekrutieren und in die Unternehmen locken.

Mit der mehr oder weniger vorhandenen Vollbeschäftigung am Standort leidet dann natürlich das StartUp Business. Neben dem unternehmerischen Denken vermissen wir gerade in Deutschland die Risikobereitschaft, aber auch den Mut, Fehler zu begehen. Ein weiterer Unterschied zu Amerika ist die Denkweise in Bezug auf Geschwindigkeit und Größe. Die StartUps im Silicon Valley sind extrem schnell und denken immer in großen, skalierbaren Lösungen. Dieses Denken wird auch von internationalen Investoren geschätzt. Wir blicken aber optimistisch in die Zukunft und sehen bereits positive Veränderungen in Deutschland.

Wie sehen Sie die StartUp Landschaft in Deutschland

Wir sind begeistert zu sehen, was sich in Deutschland tut, federführend natürlich am Standort Berlin. Viele Unternehmen haben die Wichtigkeit von StartUps verstanden, beschäftigen sich mit dem Thema und investieren entsprechend. Deutschland ist bereits in der Veränderungsphase und wird zunehmend innovativer.

Was sind die Ziele der StartUp Autobahn?

Zunächst wollen wir eine dauerhafte Innovations-Plattform hier am Standort Stuttgart etablieren. Das primäre Ziel der Plattform ist aber, StartUps mit Investoren und Unternehmen zu vernetzen. Gerade die Vernetzung mit Unternehmen finden wir elementar wichtig. Hier öffnen wir den StartUps die Türen zu den relevanten Kontakten bei potentiellen Kunden. Somit ist es dann möglich, innovative Ideen beispielsweise mit dem Entwicklungs-Leiter direkt 1:1 zu diskutieren, zu bewerten und gegebenenfalls direkt in einem „Proof of concept“ zu testen. So können die Potentiale einer innovativen Idee schnell getestet und bewertet werden. Jährlich führen wir Programme mit einer Teilnahme von mindestens 10 StartUps durch. Mindestens in 50% der Teilnehmer werden wir investieren, was ein späteres Investment in die anderen 50% aber nicht ausschließt.

Das Programm dauert drei Monate. In dieser Zeit bekommen sie vollen logistischen Support und haben Zugang zu absolutem Top Equipment. Die Arena2036 stellt in ihrem High-Tech Gebäude einen entsprechenden Arbeitsplatz zur Verfügung. Hier bleibt kein Wunsch offen – Autos, Roboter, Software und KnowHow. Hier finden die StartUps alles, um ihre kreativen Ideen zu testen und in erste Prototypen oder Kleinserien umzusetzen. Erfahrene Mentoren bieten hier wertvolle Workshops zu unterschiedlichen Business-Themen und stellen den direkten Zugang zum Kooperationspartner, beispielsweise Daimler, her. Als „Gründungspartner“ der Startup Autobahn öffnet Daimler das eigene Unternehmen vorbildlich. So sind bereits im Vorfeld alle relevanten Ansprechpartner benannt und informiert. Prozesse sind standardisiert und vereinfachen die Zusammenarbeit mit den Start-Ups wesentlich. Nach den drei Monaten bieten wir den StartUps an, weitere drei Monate im Silicon Valley zu verbringen.

Nach welchen Kriterien werden die StartUps rekrutiert?

Basierend auf den Zielen unserer Kooperationspartner gestalten wir die Suche und die Auswahl geeigneter Unternehmen und Ideen. Aus einem Pool von relevanten Themen und über 300 StartUps wählen wir die Top 100 aus. Diese analysieren wir dann gemeinsam mit dem Kooperationspartner und verdichten die Anzahl weiter. Anschließend und laden wir die Top 20 zu einem „Selection Day“ ein. An dem Tag präsentieren sich die StartUps den Kooperationspartnern und stellen Ihre Lösungen und Geschäftsmodelle vor. Unsere Philosophie basiert auf dem Ansatz „Open Innovation“. Das bedeutet, dass alle Unternehmens- und Gründungspartner die gleichen Rechte bei der Startup Autobahn haben. Dabei werden die StartUps nicht eingeschränkt, mit welchen Unternehmen sie zusammenarbeiten.

Unser Ansatz ist es, das StartUp erfolgreich zu machen und mit den richtigen Unternehmen und Kontakten zu vernetzen. Am Ende müssen die StartUps entscheiden, ob bzw. mit welchem Unternehmen sie zusammenarbeiten wollen. Wenn die StartUps über eine besondere Technologie und ein skalierbares Geschäftsmodell verfügen ist es in der Regel nicht schwer, von Investoren Geld zu erhalten. Auf der anderen Seite ist die StartUp Autobahn für Unternehmen ein absolut interessantes Angebot. Sie erhalten Zugang zur weltgrößten Innovations Plattform von PLUG AND PLAY und Zugang zu den relevantesten und besten StartUps zu erhalten. Des Weiteren lernen die Unternehmen auf eine neue Art und Weise, mit innovativen Ideen in der neuen digitalen Welt umzugehen – das spart häufig viel Zeit und reduziert das Risiko von großen Fehlinvestitionen.

Abschließend ein Blick auf Google. Wie sehen Sie die Zukunft des autonomen Fahrens.

Das Headquarter von PLUG AND PLAY liegt direkt zwischen Apple und Google und somit bekommen wir dort einiges mit. Das Thema autonomes Fahren ist ja schon Realität. Man hört Gerüchte über das Apple Auto. Neben Tesla sind auch große chinesische Investoren wie LeEco, Baidu, Xiaomi, Tencent Holdings oder auch Alibaba im Silicon Valley sehr aktiv. Google zieht seit 2009 seine Runden im Silicon Valley und hat einige Millionen Testkilometer hinter sich. Allerdings sind noch eine gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf jeden Fall wird Google hier eine wichtige Rolle spielen. Die deutsche Automobilindustrie hat das begriffen. Sie nehmen Google nicht nur wahr sondern auch ernst und müssen etwas tun. Wir sind begeistert, mit welcher Leidenschaft und Innovationskraft Daimler mit seiner Führung den Weg in die digitale Zukunft angetreten sind.

Weitere Informationen:

Bildquelle: PLUG AND PLAY

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Die Startup Autobahn bringt Silicon Valley Spirit nach Stuttgart (Interview)
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Die Startup Autobahn bringt Silicon Valley Spirit nach Stuttgart (Interview)
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Sascha Karimpour, VP Corporate Relations vom Investor PLUG AND PLAY, gibt einen Blick hinter die Kulissen der Startup Autobahn in Stuttgart.
Andreas Schulz
Ingenieurversteher
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