Von CIM in die Welt der vierten industriellen Revolution (Interview)

[Blogtitel] Von CIM in die Welt von industriellen vierten Revolution (Interview) [Beschreibung]Prof. Gunther Reinhart (iwb) blickt von CIM und der aktuellen Situation in die digitale Zukunft von Industrie 4.0 mit Fokus auf Technologie, Politik und Wettbewerb. [Bildquelle] iwb [Bildbeschreibung] Das Bild zeigt Prof. Gunther Reinhart (iwb)
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Prof. Gunther Reinhart (iwb) blickt von CIM und der aktuellen Situation in die digitale Zukunft von Industrie 4.0 mit Fokus auf Technologie, Politik und Wettbewerb.

Industrie 4.0 hat gerade für den Industrie-Standort Deutschland eine hohe Bedeutung und steht zu Recht ganz oben auf der Agenda der Bundesregierung. Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Entwicklung in Deutschland, was wäre Ihre Handlungsempfehlung an die Politik?

Ich bin mit der aktuellen Entwicklung in Deutschland absolut zufrieden. Es ist enorm, wie man aus einem undefinierten, neuartigen Begriff einen derartigen Hype gemacht hat. Deswegen empfehle ich der Politik: „Weiter so!“

Die Produktionswirtschaft ist ein wichtiger Grundpfeiler der Deutschen Wirtschaft. Bereitet Ihnen der immer stärker werdende globale Wettbewerb, gerade mit USA und China Sorge oder blicken Sie entspannt in die Zukunft?

Wettbewerb ist wie das Rudern am Fluss – wer aufhört fällt zurück. Ich lehne mich also keineswegs zurück. Sowohl die USA mit dem Internet of Things (IoT) und neuen Geschäftsmodellen, als auch China mit der digitalen Produktion sind uns auf den Fersen. Deshalb gilt es dran zu bleiben. Ich vertraue allerdings auf die Wirtschafts- und Innovationskraft Deutschlands und sorge mich nicht.

Die Vernetzung technischer Systeme und deren Steuerung in Echtzeit ist für viele, gerade mittelständische Unternehmen eine Herausforderung. Wo stehen wir heute technologisch und welche primären Potentiale sehen Sie?

Technologisch stehen wir noch ganz am Anfang. Ich schätze, dass wir im bundesweiten Durchschnitt Deutschlands grade einmal 30 % der Potenziale abgegriffen haben. Völlig ungenutzt sind noch viele Potenziale mit neuen Geschäftsmodellen und Möglichkeiten, die sich aus großen Datenmengen (Big Data Analytics, Big Data Cognition) ergeben.

Kritische Stimmen sagen, dass Industrie 4.0 nur ein Update vom CIM Konzept aus den späten 1980er Jahren ist und nur noch die Werkzeugmaschine an das Internet angeschlossen werden muss. Wie begegnen Sie diesen Aussagen?

Sicherlich baut Industrie 4.0 auf den CIM-Konzepten der 80er und 90er Jahre auf. Dennoch ist es ein völlig neuer Ansatz, denn er bezieht den Menschen aktiv in die digitale Vernetzung ein, nutzt große Datenmengen um Wissen und Handlungsbedarf abzuleiten und provoziert neue Geschäftsmodelle.

Mit der Digitalisierung der Gesellschaft stehen die Unternehmen vor einem fundamentalen Wandel. Kleine und mittlere Unternehmen sind häufig mit den neuen Themenstellungen überfordert. Was raten Sie diesen Unternehmen, was wären erste mögliche Schritte?

Ich rate, behutsam und vorsichtig vorzugehen. Die beste Möglichkeit ist über Big Data Analytics einzusteigen. Daten haben schließlich alle Unternehmen, eher zu viele als zu wenige. Aus Daten Wissen zu machen, bedarf dann oftmals keiner großen Investitionen, sondern lediglich einiger kluger Köpfe.

Sind mittelständische Unternehmen kulturell heute in der Lage, bestehende Geschäftsmodelle radikal in Frage zu stellen und sich auf die disruptiven Veränderungen einzustellen?

Mittelständische Unternehmen sind das eher als Großunternehmen. Beide tun aber gut daran, ein Ökosystem zu schaffen, indem sich Deskriptionen entwickeln können.

Neben intelligenter Software und Algorithmen dringen Roboter gerade in produzierenden Unternehmen immer stärker in die Unternehmen vor. Bei den Mitarbeitern entstehen Sorgen und Ängste, dass immer mehr Arbeitsplätze wegfallen und die menschenleere Fabrik droht. Wie sehen Sie das Thema, wie begegnen Sie diesen Ängsten?

In der Tat werden zukünftig mobile kooperative Roboter die Fabriken dominieren. Einfache ungelernte Tätigkeiten werden entfallen. Ich kann also nur jedermann raten, sich höher zu qualifizieren. Gegebenenfalls können auch intelligente Assistenzsysteme helfen, komplexere Aufgaben zu übernehmen. Qualifikation ist jedoch unabdingbar!

Silicon Valley ist die weltweite Keimzelle für Innovationen und Start-ups. Risikokapital ist in großer Menge genauso wie der Mut zum Scheitern vorhanden. In Deutschland sieht das anders aus. Müssen wir uns in Deutschland verändern, was wären Ihre Wünsche?

Deutschland hat auch viel Kapital – vor allem Geistiges! Allerdings sollten wir uns in Deutschland dahin gehend verändert, dass wir mehr Mut entwickeln, Innovationen zu schaffen und Unternehmen zu gründen. Scheitern sollte nicht als Versagen gewertet werden, sondern als Bereicherung des Erfahrungsschatzes.

Die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt komplett verändern und neue Kompetenzen werden benötigt. Ist unser Bildungssystem darauf schon vorbereitet, was wäre Ihre Handlungsempfehlung?

Unser Bildungssystem ist leider noch nicht ausreichend auf die Digitalisierung der Arbeitswelt vorbereitet. Bereits in den Schulen muss noch mehr Informatik gelehrt werden und es müssen neue Studiengänge, wie beispielsweise Ingenieurs-, Wirtschafts- oder Produktions-Informatik angeboten werden.

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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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