Das Bild zeigt den einen Elektro-Rennwagen bei FSG Wettbewerb

Was Unternehmen von der Formula Student (FSG) lernen können

Am 09.08.16 startet die „Formula Student Germany (FSG)“ den diesjährigen Wettbewerb am Hockenheimring. Grund genug einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

FSG im Überblick

In diesem Jahr findet nun bereits zum zehnten Mal die Formula Student Germany (FSG) unter der Schirmherrschaft des „Verein Deutscher Ingenieure (VDI)“ statt. Hinter der FSG steckt ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studenten. In dem Wettbewerb treten die Teams mit Ihren selbst konstruierten und gefertigten Rennwagen gegeneinander an. Dabei gibt es in Bezug auf die Antriebsart zwei  unterschiedliche Kategorien –

  • Verbrennungsmotor (FSC)
  • Elektromotor (FSE).

Aber auch die FSG entwickelt sich weiter. So wird es zukünftig eine zeitgemäße neue Kategorie geben, in der fahrerlos (FSD) gefahren wird.

ingenieurversteher FSG (13)
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Das Regelwerk

In dem Wettbewerb geht es allerdings nicht darum, wie im normalen Rennsport üblich, ein Rennen zu gewinnen. Das Regelwerk sieht unterschiedliche Kategorien vor. So werden in den kaufmännische Disziplinen

  • Design,
  • Kosten und
  • der Businessplan

bewertet. In den technischen Prüfungen geht es unter anderen um

  • Beschleunigung,
  • Ausdauer und
  • Effizienz.

Der Wettbewerb sieht den Rennwagen also als unternehmerisches Gesamtprojekt. Über alle Kategorien sind insgesamt 1.000 Punkte zu gewinnen. Somit gewinnt also nicht der schnellste Rennwagen sondern das Team, mit dem besten Gesamtpaket aus Finanzplanung, Konstruktion, Design und Rennperformance.

Der Projektablauf

Es ist keinesfalls so, dass die Studenten für das Projekt freigestellt sind. Es ist eine Ergänzung und Vertiefung zum bestehenden Studium. Das macht deutlich, wie groß hier die Eigenmotivation der Teammitglieder sein muss, sich dieser Herausforderung zu stellen. In der Regel beginnt das Projekt zu Beginn eines Wintersemesters mit dem Rekrutieren des Teams. Das Projekt hat in der Regel einen definierten Meilenstein, wann der Prototyp für den Wettbewerb fertig sein muss. Die Teamstruktur ist analog einem normalen Unternehmen aufgebaut und verfügt über entsprechende Strukturen und Hierarchien mit fest zugeordneten Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Gerade mit Blick auf die aktuell schnell fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft und dem Einzug von Industrie 4.0 in die Produktion wird das Thema Team- und interdisziplinäre Zusammenarbeit immer wichtiger. Elektrotechnikern sprechen nicht mit Maschinenbauern, die BWLer werden eh nur belächelt und die IT-ler sind eine ganz besondere Spezies. Das sind Aussagen, die man vielleicht mal in der einen oder anderen Universität bzw. Hochschule, vereinzelt vielleicht auch mal in einem Unternehmen, hört.

Sichtweisen ändern

Punktuell ertappt man sich vielleicht zu denken, seine eigene Funktion ist das Zentrum des Universums. Aber eines liegt auf der Hand – weder der Maschinenbauer, noch der Elektrotechnischer, BWLer oder IT-ler werden überhaupt in der Lage sein, in nur wenigen Monaten ein fertiges Produkt zu planen, gestalten, konstruieren, produzieren und in den Markt einzuführen. Die Aussage „Der einzelne addiert, das Team multipliziert“ ist hier eine sehr treffende Aussage.

Zielorientierte Fokussierung

Es ist bemerkenswert, mit welcher Fokussierung und Disziplin die Studenten dabei vorgehen und immer nur ein Ziel im Kopf haben – den erfolgreichen Roll-Out im Frühjahr und die Rennen in England, Österreich, Italien und Deutschland. Das hört sich alles recht banal an, aber ein Blick in die Unternehmen zeigt, dass genau dieses bereichsübergreifende Denken und das gemeinsame Abreiten an einem Ziel nicht immer selbstverständlich sind.

Silicon Valley Spirit

Wenn die Studenten sich nach dem erfolgreichen Recruiting zum Kick-Off treffen, dann stehen mehr oder weniger nur zwei Rahmenbedingungen fest – ein Auto zu bauen und es in der Regel im Mai des folgenden Jahres funktionsfähig zu veröffentlichen. Das erinnert an Start-Up und Silicon Valley Spirit. Das Team muss von Null auf Hundert nun mit der Arbeit beginnen. Zeit für endlose Abstimmungsrunden, ergebnislosen Meetings und Diskussionen sind nicht möglich.

Kunde im Fokus

Der deutsche Ingenieur ist ein Künstler mit tiefem technischem Verständnis. Allerdings neigt dieser gelegentlich dazu, die Perfektion unverhältnismäßig zu übertreiben. Es ist nicht erforderlich, die perfekte und ausgefeilte 100% Lösung zu liefern. Oftmals ist die 80%tige Lösung absolut ausreichend. Die Technik ist wichtig – unbestritten. Aber es ist eben auch nur ein Kriterium. Design, Kosten, Herstellbarkeit und die erfolgreiche Vermarktung sind weitere wichtige Faktoren. Das bedeutet, dass hier gemeinsam fortlaufende und iterative Abstimmungen und Optimierungen stattfinden.

Aus Niederlagen lernen

Wie im richtigen Leben wird auch in einem komplexen und schnell getaktetem Projekt nicht immer alles perfekt laufen. Es werden Fehler gemacht, Rückschläge und Niederlagen gehören dazu. Aber auch an dieser Stelle gibt es einfach keine Zeit, in Selbstmitleid zu zerfließen oder den Kopf in den Sand zu stecken. Viel wichtiger ist es, aus den Niederlagen für die Zukunft zu lernen und den Fehler möglichst nicht zu wiederholen.

Synergien nutzen

Die Formula Student Germany (FSG) demonstriert bereits seit einer Dekade, wie eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erfolgreich gestaltet werden kann. Viele große und namhafte Automobilhersteller und Zulieferer engagieren sich hier seit vielen Jahren in dem Wettbewerb unterschiedliche Teams. Je nach Intensität der Zusammenarbeit zwischen Sponsor und Team finden im Laufe des Projektes ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch sowie eine Unterstützung der Sponsoren statt. Diese kann aus finanzieller oder materieller Unterstützung bestehen. Diese enge Vernetzung von Start Up ähnlichen mit etablierten Wirtschaftsunternehmen entwickelt sich gerade in Deutschland auf breiterer Basis. Neben der „StartUp Garage“ von BMW verfolgt Daimler mit der „StartUp Autobahn“ einen ähnlichen Ansatz.

Best Practice AMZ Racing

Sich in dem Wettbewerb erfolgreich zu beweisen, ist eine große Herausforderung. Über viele Jahre sich permanent auf den ersten drei Plätzen zu positionieren ist bemerkenswert. Das Rennteam „Akademischer Motorsportverein Zürich (AMZ)“ von der „Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH)“ stellt dies seit langer Zeit in eindrucksvoller Art und Weise unter Beweis. Die starke Innovationkraft stellte das Team erst vor kurzem unter Beweis, als es neuen Weltrekord aufstellte. In nur 1,513 Sekunden beschleunigte der Elektro-Rennwagen von Null auf 100 Km/h [Video] und ist nun das schnellste Elektroauto der Welt. Beeindruckende Leistungen dieser Art entstehen nicht zufällig. Der Erfolg basiert auf einer kontinuierlichen Optimierung von Motorenregelung und Traktionskontrolle.

Key-Learning

Am Beispiel Formula Student Germany (FSG) wird eines deutlich. Motivierte und kompetente Menschen mit guten Ideen, denen man vertraut und sie fachlich sowie finanziell unterstützt, sind eine hervorragende Basis, innovative, anspruchsvolle, technische Lösungen in kurzer Zeit erfolgreich zum Markt zu bringen.

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Bildquelle: Formula Student Germany (FSG)

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Am 09.08.2016 startet die „Formula Student (FSG)“ den diesjährigen Wettbewerb am Hockenheimring. Grund genug einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Andreas Schulz
Ingenieurversteher
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