TESLA ist (k)ein ganz normaler Hersteller von Automobilen

    [Blogtitel] TESLA ist (k)ein ganz normaler Hersteller von Automobilen [Beschreibung]Elon Musk ist mit TESLA ein erfolgreicher Antreiber für das Thema Elektro-Automobilität. Aber TESLA ist viel mehr als nur ein Automobilproduzent. [Bildquelle] TESLA [Bildbeschreibung] Das Bild zeigt einen TESLA Model S in einer Garage beim Laden an der Powerwall
    [Bildquelle] TESLA

    Elon Musk ist mit TESLA ein erfolgreicher Antreiber für das Thema Elektro-Automobilität. Aber das Unternehmen ist viel mehr als nur ein Automobilproduzent.

    TESLA Revolution

    Mit PayPal hat Elon Musk schon die Welt des Online-Bezahlens revolutioniert und mit SpaceX hat er das für die Raumfahrt vor. Mit dem Elektroauto hat sich TESLA nun auf den Weg gemacht, der Automobil-Industrie das Fürchten zu lehren. Während die deutsche Automobil-Industrie aus vielschichtigen nur zögerlich Begeisterung für das Thema Elektromobilität entfacht, gibt TESLA Vollgas.

    Probleme identifiziert

    Die Herausforderungen der Elektromobilität sind keine Geheimnisse:

    • Batterien sind zu teuer
    • Die Laufleistung der Batterien ist zu gering und
    • Die Ladestellen-Infrastruktur fehlt

    Für alle Herausforderungen hat TESLA Antworten. Mit der Gigafactory wird TESLA die Batterien selber produzieren. Das Unternehmen hat alles auf die Karte gesetzt, dass das Elektroauto zum Massenprodukt wird. Mit der steigenden Nachfrage werden dann auch die Preise für die Batterien sinken. Mit der Leistung der Batterien und der damit verbundenen Laufleistung ist TESLA bereits heute führend. In Bezug auf die fehlende Ladestellen-Infrastruktur hat TESLA bemerkenswerte Fakten geschaffen.

    Erfolgloser Nischenplayer!?

    Die deutschen Automobil-Hersteller haben TESLA lange Zeit belächelt und klein geredet. Blickt man zunächst auf die Zahlen unter dem Strich, dann ist man fast geneigt Mitleid mit TESLA zu haben. Seit vielen Quartalen werden rote Zahlen geschrieben. Aber das Unternehmen hat zahlungskräftige Investoren mit einem langen Atem und die Börse glaubt an die Story. Wenn ein Unternehmen Key-Player das Elektroauto zum Erfolg führt, dann TESLA. Die Ankündigung vom Model 3 und die damit verbundene Eröffnung des Massenmarktes sind eingeleitet und über 325.000 Vorbestellungen auf das neue Modell sind ein eindrucksvoller Beweis.

    Über den Tellerrand geblickt

    TESLA ist dabei Elektromobilität komplett neu zu definieren. Es ist bemerkenswert, wie stark das Unternehmen über den Tellerrand blickt. Die Gigafactory für die Produktion der eigenen Batterien und die Ladestellen-Infrastruktur sind der beste Beweis dafür. TESLA setzt auf die Karte Elektromobilität und hat entsprechend erkannt, dass die weltweite Batterie-Produktion nicht ausreicht, wenn die Wachstumsprognosen eintreffen.

    Batterien für Zuhause

    Als wäre die Revolution der Automobil-Industrie nicht schon genug, wird TESLA auch den Markt der Strom-Industrie revolutionieren. Dabei spielt eine auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Komponente eine strategisch wichtige Rolle – die Powerwall. Einfach ausgedrückt ist die Powerwall nichts weiter als eine große Batterie, die beispielsweise in der Garage montiert werden kann und die Batterien des TESLA auflädt.

    Komplizierter als gedacht

    Eine Batterie an der Wand – das hört sich trivial an. Technologisch betrachtet ist es alles, nur das nicht. Die Fähigkeit von kleinen Batterien, Endgeräte mit Strom zu versorgen ist nicht ohne weiteres auf größere Batterien skalierbar. Größere Mengen an Strom sind nicht ohne weiteres speicherbar. Genau an dieser Stelle liegt eine weitere Meisterleistung der Ingenieure von TESLA. Die Powerwall ist in der Lage, eine Energiespeicherkapazität von 6,4 kWH  bereitzustellen. Damit können durchschnittliche Haushalte etwa einen Tag lang versorgt werden.

    Die Haushalts-Batterie

    Die Powerwall ist ein weiterer wichtiger Baustein für den Erfolg der Elektromobilität. Aber es wäre zu kurz gedacht, wenn die Powerwall einzig und alleine zum Laden des Elektroautos genutzt würde. Die Powerwall kann mehr und ist für den kompletten Haushalt vorgesehen. Dabei ist die Powerwall in der Lage, kleinere Haushalte über einen längeren Zeitraum ohne zusätzliche Stromzufuhr zu versorgen und sich unter Umständen komplett unabhängig von den Stromanbietern zu machen. Bei Bedarf lassen sich mehrere Powerwalls zu einer großen und noch leistungsfähigeren Batterie zusammenschließen.

    Strategischer Zukauf

    Die 2.6 Mrd. $ schwer Übernahme vom Solaranlagen-Hersteller SolarCity war ein wichtiger strategischer Schritt für TESLA. Mit Solarcity ist der Kreislauf nun komplett geschlossen. Neben dem Elektroauto und dem Energiespeicher sind nun mit der Energiegewinnung alle relevanten Komponenten unter einem Dach verfügbar. Damit ist TESLA nicht mehr nur ein Automobilhersteller sondern hat sich zu einem Komplettanbieter für Energie und Elektromobilität entwickelt. Apple hat es mit iPhone, iTunes und dem AppStore erfolgreich vorgemacht, wie mächtig und erfolgreich Plattformen sein können.

    Wettbewerbsfähig?

    Eines wird offensichtlich – TESLA ist Herausforderer der Automobilindustrie. Es ist den deutschen Automobilherstellern definitiv zuzutrauen, dass sie auf das kalifornische Unternehmen die richtigen Antworten im Sinne von wettbewerbsfähigen Fahrzeugen entgegenzusetzen haben. Aber an dieser Stelle merkt man, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden und es keinen Sinn macht, sich nur auf den Vergleich im Bereich Automobil zu beschränken. Über mögliche Ladestellen-Infrastrukturen oder den Bau einer Batteriefabrik wird in Deutschland gerade diskutiert – während TESLA hier bereits einen mehrjährigen Wettbewerbsvorsprung hat. Somit ist TESLA allen anderen Unternehmen weit enteilt.

    Quo Vadis Stromindustrie?

    Die Stromindustrie ist allgemein schon hart von der Energiewende getroffen. Wenn man nun den Faden einfach einmal weiterspinnt, dann ist die Frage legitim, ob es der Stromindustrie genauso wie der Finanzindustrie gehen wird. Brauchen wir in der Finanzindustrie Banking als Service aber keine Banken mehr, so stellt sich die Frage nach der Zukunftsberechtigung der Stromanbieter. Mit der zunehmenden Verbreitung alternativer Formen der Energiegewinnung müssen die Stromanbieter genau wie die Banken ihren neuen Weg finden. Zunächst mag die Powerwall nach einem Nischen-Einsatzbereich im Endkundenbereich aussehen. Aber es wäre mittel- bis langfristig denkbar, dass TESLA viele Haushalte zu einem intelligenten Stromnetz zusammenschließt und überschüssigen Strom in das Gesamtnetz einspeist. Elon Musk spricht von der Notwendigkeit, weltweit 2 Mrd. Powerwalls für dieses Netz zur Verfügung zu haben.

    Disruptiver Wandel

    Ob TESLA die Wende schaffen wird und sich zu einem profitablen Unternehmen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Unabhängig von der defizitären Ist-Situation hat TESLA schon vor vielen Jahren alles richtig gemacht und die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Während wir in Deutschland noch diskutieren, hat TESLA bereits realisiert. Auch wenn TESLA das Spiel nicht gewinnen sollte, so hat TESLA eindrucksvoll bewiesen, wie sich die Spielregeln im Markt gerade ändern.

    Neues Denken erforderlich

    Es reicht nicht mehr aus, nur in seinem altgewohnten Mikrokosmos zu denken. Neues Denken und ein über den Tellerrand blicken ist notwendig. Zwei Dinge haben die Amerikaner den Deutschen mindestens voraus – sie denken in großen und skalierbaren Lösungen um nichts weniger als die Welt zu verändern. Des Weiteren haben Sie Mut zu scheitern und verfügen über Investoren, die bereit sind, auch in hoch risikoreiche Projekte zu investieren. Es wäre unsinnig zu verlangen, die Deutschen müssen wie die Amerikaner werden. Wir haben in Deutschland viele Werte, Eigen- und Errungenschaften, auf die wir zu Recht sehr stolz sein können. Allerdings dürfen wir nicht in Selbstgefälligkeit verfallen und annehmen, dass wir uns nicht auf die neuen Spielregeln der digitalen Welt anpassen müssen, was ein fataler Irrglaube wäre.

    Weitere Artikel nach Kategorien:

    Meine Daten sollen nicht in Google Analytics erfasst werden.
    Summary
    TESLA ist (k)ein ganz normaler Hersteller von Automobilen
    Titel
    TESLA ist (k)ein ganz normaler Hersteller von Automobilen
    Beschreibung
    Elon Musk ist mit TESLA ein erfolgreicher Antreiber für das Thema Elektro-Automobilität. Aber TESLA ist viel mehr als nur ein Automobilproduzent.
    Autor
    Veröffentlicht durch
    Ingenieurversteher
    Logo
    Vorheriger ArtikelBertha Benz. Eine Automobil-Pionierin, die Tabus gebrochen hat
    Nächster ArtikelMario Ohoven (BVMW) zu Digitalisierung und Industrie 4.0 im Mittelstand (Interview)
    //Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

    2 Kommentare

    1. In der Tat ist Tesla bis heute kein „normaler“ Autohersteller, was auch ein Blick auf die Entwicklung in den letzten Jahren belegt: Tesla hatte im Jahr 2011 ca. 1.400 Mitarbeiter, machte 149 Mio. US$ Umsatz mit Autoverkäufen in 7 Stores weltweit und damals gab es noch keine Supercharger (Schnellladesäulen). Im Jahr 2015 hatte Tesla schon ca. 13.000 Mitarbeiter, machte über 4.000 Mio. US$ Umsatz mit dem Verkauf von E-Autos in 208 Stores weltweit und hatte etwa 3.300 Supercharger errichtet.

      Auch wenn man auf Inhalte schaut, hat Tesla in den letzten Jahren einiges erreicht:
      • Entwicklung und Verkauf von Model S und X, deren Fahrleistungen trotz voller Alltagstauglichkeit auf bzw. über Sportwagenniveau liegen,
      • Aufbau eines funktionsfähigen Vertriebs (eigene Stores & ServiceCenter) in den wichtigsten Absatzmärkten,
      • Planung, Finanzierung, Bau und Eröffnung der größten Batteriefabrik der Welt,
      • Errichtung von weltweit ca. 3.300 Superchargern an über 700 Standorten ohne Inanspruchnahme von Fördermitteln,
      • Entwicklung des preisgünstigen Model 3 (fast) abgeschlossen: dieses Modell wurde bis heute etwa 400.000mal reserviert und angezahlt und kommt vermutlich ab Ende 2017 zur Auslieferung,
      • Entwicklung des in Vergleichstests führenden „Autopilotsystems“, welches bislang in etwa 100.000 Fahrzeugen im Einsatz ist,
      • kostenlose Abgabe von Ladestationen („Wallboxen“), die in Nordamerika, Asien und Europa das „Destination Charging“, d.h. das Aufladen des Autos am Zielort, ermöglichen.

      Wer sich im globalisierten Automarkt ein wenig auskennt, kann vielleicht einschätzen, welche Leistung hinter jeder dieser Einzelpositionen steckt. Natürlich läuft bei solch starker Ausweitung der Geschäftstätigkeit nicht alles perfekt: es gibt noch keine eingespielten Strukturen wie bei anderen Autoherstellern, manches bei Tesla ist noch ein wenig „hemdsärmelig“. Auch die Dichte des Servicenetzes ist sicherlich noch ausbaufähig: wer möchte schon 300 km bis zum nächsten Servicecenter fahren, um eine Inspektion oder Reparatur durchführen zu lassen? Einiges an den aktuellen Modellen ist noch nicht bis ins letzte Detail ausgetüftelt, weil man relativ günstig entwickeln musste, um noch Geld für die Errichtung der Produktionsstätte in Fremont, des Supercharger-Netzwerkes, der „Gigafactory“ oder die Entwicklung von Model X und Model 3 übrig zu haben.

      Schaut man sich jedoch zum Vergleich an, was die bekannten und etablierten Autohersteller aus Deutschland, Europa und anderswo in den letzten vier Jahren „geschafft“ haben, sieht deren Bilanz weniger positiv aus:
      • Umsatz und / oder Gewinnsteigerung bei einigen Herstellern,
      • Verkauf von Millionen Dieselautos ohne voll funktionsfähige Abgasreinigung, eine schnelle und nachhaltige Fehlerbehebung auch zur Entlastung von Umwelt und Gesundheit steht bislang noch aus,
      • keine Visionen: außer „Wir wollen weiter wachsen und noch mehr Autos verkaufen“ gibt es wenig erkennbare Zukunftsstrategien,
      • haufenweise Ankündigungen von E-Autos und sog. „Tesla-Killern“, die aber alle noch nicht umgesetzt bzw. teilweise auch schon wieder „abgekündigt“ worden sind,
      • Milliarden von Euros an Fördermitteln für Elektroautos und Ladeinfrastruktur wurden vom deutschen Staat „abgegriffen“ und dafür E-Autos gebaut, die sich schlecht bis nicht verkaufen,
      • etliche Plugin-Hybride mit komplexer Technik wurden entwickelt und die Lobbyisten in Brüssel und Berlin in Bewegung gesetzt, um fragwürdige Verbrauchsmessungen für diese Fahrzeugkategorie durchzusetzen,
      • Aktienpakete von Tesla wurden veräußert, um „Kasse zu machen“, Kooperationen wurden beendet bzw. nicht fortgesetzt,
      • die einzige Batteriefertigung in Deutschland wurde stillgelegt.

      Die weitere Entwicklung von Tesla als Autobauer hängt nicht nur von der künftigen Entwicklung der klassischen Autobauer (können diese aufholen? wenn ja, wie schnell?), sondern auch von politischen Rahmenbedingungen ab: es wird für Tesla langfristig nicht reichen, nur „geile Autos“ für relativ wenige Kunden zu bauen. Die E-Mobilität und somit auch die Hersteller von E-Autos hängen in den nächsten Jahren stark an den Vorgaben der Politik, die sich heute noch sehr schwertut z.B. mit Fahrverboten für Verbrenner wg. Feinstaub- oder NOx-Belastung. Wenn mehr Länder dem Beispiel von Norwegen und Holland folgen und die Neuzulassung von Verbrennern in absehbarer Zukunft verbieten, ergeben sich sicherlich positive Effekte für die E-Mobilität und somit auch für Tesla. Ob Tesla dann zu einem „normalen“ Autobauer wird oder ob sich die klassischen Hersteller dem Tesla-Geschäftsmodell annähern, bleibt abzuwarten.

    Kommentieren Sie den Artikel

    Please enter your comment!

    Ich stimme zu.

    Please enter your name here