Der lange Weg von assistiertem zum autonomen Fahren (2/2)

    [Blogtitel] Der lange Weg von assistiertem zum autonomen Fahren (2/2) [Beschreibung]Es scheint so, als wäre technologisch alles vorhanden und wir könnten morgen bereits vollständig autonom zu Fahren - aber der Weg ist länger als gewünscht. [Bildquelle] istock 18665805 [Bildbeschreibung] Das Bild zeigt eine Autobahn mit durchgezogenen weißen und roten Linien der Autos
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    Es scheint so, als wäre technologisch alles vorhanden und wir könnten morgen bereits vollständig autonom zu Fahren – aber der Weg ist länger als gewünscht. Der zweite Teil des Artikels beleuchtet allgemein das Thema autonomes Fahren in Bezug auf Technologie, Ethik und der Gesetzgebung. Der erste Teil des Artikels beschreibt die praktischen Erfahrungen heutiger, serienmäßig vorhandener Assistenz-System.

    Technologischer Fortschritt macht Angst

    In der jetzigen Zeitphase, in der sich der technologische Fortschritt mit exponentieller Geschwindigkeit entwickelt, wird eines sehr deutlich. Die Menschen haben nicht das Ur-Vertrauen in die Technologie. Vieles ist neu, anders, wird nicht verstanden und kann nicht nachvollzogen werden. Es war bemerkenswert die Presse zu verfolgen, als ein TESLA Fahrer bei einem Unfall aufgrund eines technischen Fehlers um das Leben gekommen ist. Tagelang beherrschte das Thema die Presse und wurde heftig und emotional diskutiert. Im gleichen Zeitraum sind wahrscheinlich hunderte Menschen auf Deutschlands Straßen bei anderen Verkehrsunfällen gestorben – und niemand hat es bemerkt.

    Der Mensch – Unfallursache Nummer eins

    Wenn heute in den Nachrichten eine Meldung erscheint, dass es auf der Autobahn einen schlimmen Auffahrunfall mit mehreren Todesopfern gegeben hat, dann nimmt man das zur Kenntnis. Da hat der Fahrer eines Fahrzeuges halt geschlafen und ist in das Stauende gerast. Das passiert halt schon mal. Aber wenn die Technologie versagt, dann wird diese sofort verteufelt. Diese Diskussionen sind leider sehr emotional, unsachlich und vergessen einen wichtigen Aspekt. Bei nahezu 90% der Unfälle ist der Mensch die Unfallursache Nummer eins. Häufige Unfallursachen sind dabei erhöhte Geschwindigkeit und ein zu gering gehaltener Anstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Wir akzeptieren einfach den Tod von 3.475 Menschen, nehmen das alles als normal hin.

    Technologie wird Menschenleben retten, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, da sind sich auch alle Experten einig. Alleine der Einsatz der oben beschriebenen Assistenz-Systeme würde das Fahren um ein vielfaches sicherer machen. Wir könnten die jährlichen Todesfälle im zweistelligen Prozentbereich reduzieren, wenn wir Abstand und Geschwindigkeit einhalten würden. Der technologische Fortschritt im Auto mit unterschiedlichsten Fortschritten wie Steifigkeit der Karosserie, Sicherheitsgurt, Airbag und den Assistenz-Systemen wie u.a. ABS, ESP und ACC haben dafür gesorgt, die Anzahl der jährlichen Todesopfer von über 20.000 in den 1970er Jahren auf aktuell 3.475 zu reduzieren.

    Ethik und Moral

    Mit dem immer stärker werdenden Einsatz von Technologie werden die Anzahl der Unfälle und damit auch die Todesfälle signifikant reduziert – aber eben nur reduziert und nicht eliminiert. Mit diesem Gedanken müssen wir uns auseinandersetzen und auch anfreunden. Jedes Todesopfer, das durch den Einsatz von Technologie reduziert werden kann, ist ein großartiger Erfolg. Aber uns muss bewusst sein, dass die Annahme, die Todesfälle auf null zu reduzieren schlicht weg unrealistisch ist.

    Im Zuge der fortschreitenden technologischen Entwicklung gibt es aber auch noch sehr viele Aspekte, die bei der Entwicklung intelligenter Algorithmen zu klären sind. Es gibt kritische Situationen, in denen die Software in einem Bruchteil einer Sekunde eine Entscheidung treffen muss. Dabei kann es darum gehen, welches Leben riskiert bzw. unter Umständen geopfert wird – das der Insassen des Fahrzeuges oder beispielsweise das von sich außerhalb des Fahrzeuges auf der Straße befindlichen Menschen.

    Die Stufen des automatisierten Fahrens

    Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) teilt das automatisierte Fahren in insgesamt sechs unterschiedliche Stufen von 0 bis 5 ein. Beim Level 0 (Driver only) findet praktisch keine systemseitige Automatisierung statt und der Fahrer hat die volle Kontrolle, während Level 5 (Fahrerlos) die vollständige Automatisierung bedeutet und ein Fahrer nicht mehr notwendig ist. Die meisten Fahrzeuge befinden sich aktuell im Level 1 (Assistiert), wo es punktuelle Unterstützungen durch Assistenz-System gibt, der Fahrer aber die volle Kontrolle hat und für Längs- wie Querbewegungen verantwortlich ist. Eben diese Längs- und Querbewegungen übernimmt der Level 2 (Teilautomatisiert), aber der Fahrer muss das System immer noch komplett überwachen.

    Im „Hochautomatisierten“ Level 3 muss der Fahrer nun nicht mehr permanent das System überwachen, muss aber immer noch eingreifen können. Im Level 4 (Vollautomatisiert) ist dann kein Fahrer im spezifischen Anwendungsfall mehr notwendig und das System übernimmt automatisch die Funktionen. Aber erst im Level 5 (Fahrerlos) kann dann komplett auf den Fahrer verzichtet werden und das System übernimmt alle Funktionen.

    Gesetzesänderung verabschiedet

    Die Bundesregierung hat nun den Gesetzesentwurf vom Bundesverkehrsministerium zum hoch- (Level 3) und vollautomatisierten (Level 4) Fahren verabschiedet. Das Gesetz ist sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind wir vom autonomen, fahrerlosen Fahren (Level 5) noch weit entfernt. Kritiker bemängeln, dass die Rolle des Fahrers mit seinen Aufgaben und Pflichten nur unzureichend beschrieben ist. Des Weiteren werden die Haftungsrisiken nicht beschrieben.

    Ausblick autonomes Fahren

    Die Situation, in der wir uns gerade befinden, ist vergleich bar mit der Ende des 18. Jahrhunderts, als die Dampfmaschine die menschliche, mechanische Arbeit durch Maschinen ersetzt hat. Die Maschinenstürmer stürmten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Fabriken und zerstörten die Dampfmaschinen. Die Menschen hatten Angst vor den Maschinen. Sie hatten Angst, dass sie Ihre Arbeit und Ihren sozialen Status verlieren würden. Nichts anderes passiert in der jetzigen Zeit. Die Menschen tun sich schwer, die Technologie und den Wandel zu verstehen, sich auf ihn einzulassen, ihn zu akzeptieren.

    Viele Menschen begreifen nicht, dass nun eine neue Epoche beginnt und wir nicht mehr selbst das Fahrzeug lenken müssen. Damals war es der Wechsel von der Pferdekutsche zum Automobil – heute ist es der Paradigmenwechsel zum autonomen Fahren. Die Menschen müssen die Technologie nicht lieben. Aber so wie die Dampfmaschine einen erfolgreichen Weg genommen hat, so wird auch das autonome Fahren erfolgreich werden. Ob man das nun gut heißt oder nicht – manche Entwicklungen wird man einfach nicht aufhalten können. Daher ist es einfacher, sich mit den Entwicklungen zu beschäftigen, diesen offen gegenüber zu stehen anstatt die ganze Energie darin zu investieren, gegen die Technologie zu wettern.

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    //Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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