Kollaborierende Roboter erobern die Welt (Interview)

Das Bild zeigt Esben Østergaard, CTO und Mitgründer von Universal Robots.
Bildquelle: Universal Robots

Das Interview mit Esben H. Østergaard, dem CTO und Mitgründer von Universal Robots, erinnert an die Entstehung des Unternehmens und gibt einen Ausblick in die Zukunft.

Eine Idee erobert die Roboter-Welt

In der Zwischenzeit sind es nun vierzehn Jahre her, als Esben H. Østergaard gemeinsam mit Kasper Støy und Kristian Kassow die Idee hatte, Roboter zu entwickeln, die kostengünstig, schnell zu installieren und leicht zu programmieren sind. Bis dahin waren Roboter in der Industrie eher als teure, komplexe und nur durch ausgewiesene Experten bedien- bzw. programmierbare Maschinen bekannt. Danach ging dann alles schnell. 2005 wurde das Unternehmen Universal Robots gegründet und 2009 stand mit dem UR5 bereits das erste Produkt vor der Markteinführung in Dänemark und Schweden. Esben H. Østergaard erinnert sich an die Gründungszeit und merkt an, dass das Team noch gar keine konkrete Vorstellung hatte, in welche Richtung sich das alles entwickeln könnte. „Aber wir hatten einfach auch ein wenig Glück und waren mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit am Markt“ ergänzt Østergaard.

Finanzkrise als Chance

An die Zeit in 2009 erinnert sich Østergaard noch sehr gut und meint, dass normalerweise eine Finanzkrise nicht das beste wirtschaftliche Umfeld sei, um mit einem jungen Unternehmen durchzustarten. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Da viele Unternehmen Ihre Budgets gekürzt hatten, waren sie gegenüber den neuen, kostengünstigeren Roboter-Lösungen sehr aufgeschlossen. So wurde die weltweite Finanzkrise für Universal Robots eher zum Beschleuniger als zur Bremse. Schrittweise wurden der europäische und im direkten Anschluss der asiatische Markt erobert. Das Produktportfolio wurde mit dem UR10 nach oben beziehungsweise dem UR3 nach unten erweitert. In der Zwischenzeit sind weltweit mehr als 11.000 Roboter im Einsatz und das Wachstum von Universal Robots geht mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Nicht umsonst ist das Unternehmen mittlerweile unter den smartesten Unternehmen der Welt gelistet.

Übernahme durch Teradyne

Der große Erfolg von Universal Robots sorgte für eine hohe Sichtbarkeit im Roboter-Markt und so wurde das Unternehmen 2015 von Teradyne übernommen, einem führenden US-amerikanischen Anbieter von Automatisierungseinrichtungen für Test- und industrielle Anwendungen. In Bezug auf die Übernahme sagt der CTO, dass er sehr glücklich über die Entscheidung war, die aber wohl überlegt war. Nicht immer ist eine Übernahme eine gute Entscheidung. Im Fall von Teradyne sprachen die Rahmenparameter allerdings eine eindeutige Sprache. Mit Universal Robots wurde das Produktportfolio von Teradyne strategisch erweitert.

Universal Robots blieb aber als eigenständige Marke erhalten und kann das eigene Geschäft in gewohnter Weise fortsetzen. Teradyne ging somit nach Aussage von Esben H. Østergaard sehr entgegenkommend bei der Übernahme vor. „Teradyne wusste, dass wir einen guten Job machen und so konnten wir wie gewohnt weitermachen“ lobt der CTO den Prozess und unterstreicht, dass es sich vielmehr wie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe als eine Übernahme anfühlt. Teradyne ermögliche seither allerdings den Zugang zu neuen Märkten und so gab es positive Wechselwirkungen auf beiden Seiten.

Großes Marktpotential

Auf die Frage, wie Esben H. Østergaard die Zukunft sehe, sagt dieser: „Das Potential, das es zu erschließen gibt, ist unglaublich groß. Wir haben gerade einmal die Spitze des Eisberges gesehen. Der Markt der kleinen und mittleren Unternehmen im produzierenden Bereich ist so groß und der Bedarf an kollaborierenden Automationslösungen wächst kontinuierlich. Um die Zukunft müssen wir uns keine Sorgen machen.“ Aber der CTO stellt auch fest, dass nun mehrere Hersteller in den Markt eintreten und der Wettbewerb intensiv werden wird. Allerdings schätzt Esben H. Østergaard, das Universal Robots aktuell einen Marktanteil bei den kollaborierenden Robotern von 50-60% hat.

Er hebt allerdings auch warnend den Finger und sagt, es sei nicht angebracht, sich entspannt zurückzulehnen und sich auf den Erfolgen von gestern auszuruhen. Als Wettbewerber sieht er unter anderem ABB und KUKA. Allerdings stellt er auch fest, dass diese in ganz bestimmten Segmenten beziehungsweise Industrien unterwegs sind und man nur selten direkt im Markt aufeinander trifft. Aber dennoch ist der Markt für alle Teilnehmer groß genug und Esben H. Østergaard hebt das weltweite Umsatzpotential in Höhe von 1 Mrd. $ bei den kollaborierenden Robotern im Jahr 2020 hervor.

China holt auf

Global sieht er Europa bei der Roboter-Automatisierung weiterhin in einer starken Position. Aber natürlich hat auch China die Wichtigkeit erkannt, investiert, wächst kräftig und holt weiter auf. Mit Blick auf die Zukunft sieht der CTO in der Digitalisierung das tonangebende Leitmotiv unserer Gesellschaft. Digitale Fertigung (Industrie 4.0), digitale Produkte (Internet of Things) und digitale Geschäftsmodelle (Everything-as-a-Service) verschmelzen in dieser Entwicklung zusehends. Aus diesem Grund erachtet Østergaard es für wahrscheinlich, dass die Digitalisierung in der Industrie künftig nicht mehr ausschließlich von Industrieunternehmen getragen wird, sondern auch Unternehmen wie Google eine Rolle spielen werden.

Universal Robots hat allerdings früh verstanden, dass es eben nicht reicht, dem Kunden nur einen hervorragenden Roboter zu verkaufen. Der Kunde denkt in Problemen für die er Lösungen sucht. So war es nur folgerichtig, mit Universal Robots+ eine Plattform für Entwickler zu schaffen, die Lösungen zu entwickeln. Die Entwickler haben oftmals die technische Expertise, die Universal Robots in der Tiefe nicht haben kann. Im Gegenzug verfügen Entwickler nicht über die Vertriebs- und Marketingkanäle, wie sie Universal Robots hat.

Keine Angst vor dem Roboter

Auf der Hannover Messe 2017 wird mit der „Universal Robots Academy“ der nächste wichtige Meilenstein vorgestellt. Die Academy ist eine kostenlose und frei zugängliche Online-Schulungsplattform, mit der die Inbetriebnahme und Programmierung der kollaborierenden Roboter einfach zu erlernen ist. Neben allen technischen Entwicklungen kommt Østergaard auch nochmals auf den Mitarbeiter zu sprechen. Niemand muss sich in der Produktion vor dem Roboter fürchten. Der Roboter verdrängt nicht den Menschen aus der Produktion. Das hatte man schon von der Dampfmaschine befürchtet und es hat sich nicht bewahrheitet.

Der Roboter übernimmt anstrengende und monotone Arbeiten und sorgt für eine Entlastung der Mitarbeiter, die damit ihre Potenziale besser entfalten können. Østergaard unterstreicht aber auch die Wichtigkeit der Veränderungsbereitschaft jedes Einzelnen. Die Anforderungen verändern sich und ein lebenslanges Lernen wird erwartet, um den Anschluss an die technologischen Entwicklungen nicht zu verlieren. Esben H. Østergaard ist der festen Überzeugung, dass uns die Arbeit nicht ausgehen wird. Aber sie wird sich verändern. Die Roboter-Technologie ist ein Schlüssel dafür, die Produktivität zu erhöhen, die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen und für Wohlstand zu sorgen.

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Kollaborierende Roboter erobern die Welt (Interview)
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Kollaborierende Roboter erobern die Welt (Interview)
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Esben Østergaard, CTO und Mitgründer von Universal Robots, erinnert an die Entstehung des Unternehmens und gibt einen Ausblick in die Zukunft der Roboter.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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