Auf dem Weg in eine neue (elektro)mobile Gesellschaft

    [Blogtitel] Auf dem Weg in eine neue (elektro)mobile Gesellschaft [Beschreibung]130 Jahre hat sich das Automobil schrittweise weiterentwickelt. Das Elektroauto wird für einen massiven Umbruch in der Automobil-Industrie sorgen. [Bildquelle] istock 85715573 [Bildbeschreibung] Das Bild zeigt einen BMW i3 an der Ampel
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    Seit der legendären ersten Langstreckenfahrt 1888 von Bertha Benz hat sich die Geschichte des Automobils kontinuierlich weiterentwickelt. Heutige High-Tech Automobile haben nichts mehr mit dem ersten Motorwagen zu tun, das Carl Benz am 29. Januar 1886 zum Patent angemeldet hat. Aber manche Dinge blieben unverändert – ein Verbrennungsmotor und ein Mensch der zum Steuern notwendig ist.

    Urbanisierung verändert

    Seit vielen Jahren und Jahrzehnten zieht es Menschen immer mehr aus ländlichen Gegenden in die Städte. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass 2050 etwa 70% der Weltbevölkerung in urbanisierten Lebensräumen leben werden. In den westlichen Ländern ist dieser Trend, eine Folge der Industrialisierung, weitgehend abgeschlossen. In Deutschland leben heute beispielsweise bereits 75% der Menschen in Städten und Ballungszentren – 1800 waren es noch 25%. Hier steht nun die Optimierung der Städte im Vordergrund.

    In den BRICS-Staaten, den sogenannten Dritt- oder Schwellenländern, ist der Trend allerdings ungebrochen und es entstehen mit voller Kraft immer größer werdende Millionen Metropolen. Mit dem kontinuierlichen Zuzug der Menschen entstehen vielschichtige ökonomische, ökologische aber auch verkehrstechnische Herausforderungen. Die Auswirkungen sind gerade in den überproportional wachsenden Metropolen wie beispielsweise Peking sichtbar. Es herrscht praktisch dauerhaft Smog und Stau. Diese Umstände zwingen zu einem nachhaltigen Wandel und erfordern völlig neue Verkehrskonzepte.

    Teilen und Fahren

    In der Wirtschaft sind mit der “Ökonomie des Teilens” völlig neue Geschäftsmodelle entstanden. Es ist nicht mehr zwingend notwendig, als Unternehmen Waren und Güter zu besitzen. Im automobilen Bereich ist Uber und im Tourismusbereich AirBnB ein Beispiel dafür, wie erfolgreich diese globalen Modelle sein können. Uber macht es vor wie einfach es ist, Gegenstände wie das Auto zu teilen. Es macht aber auch eines deutlich – die disruptive Kraft dieser neuen Modelle.

    War das Fahren eines Taxis in der Vergangenheit nur einer bestimmten Gruppe von Menschen genehmigt, das Taxigewerbe auszuführen, kann nun praktisch jeder zum Taxifahrer werden. In Deutschland hat bereits jeder zweite eine Dienstleistung der “Share Economy” genutzt, wobei jüngere Menschen die Dienstleistung deutlich intensiver als ältere nutzen. Lokale Angebote wie Car2go von Daimler oder DriveNow von BMW wachsen seit Jahren überproportional und unterstreichen den Trend des Teilens.

    Energie im Wandel

    Mit der Energiewende ist die Dekarbonisierung und damit der Übergang von fossilen Energieträgern sowie der Kernenergie zu erneuerbarer Energien global in vollem Gange. Die Energiewende tangiert dabei die Bereiche Strom und Wärme, aber auch Mobilität. Experten halten eine weltweite Umsetzung der Energiewende bis 2030 für möglich, wobei 2050 für eher realistisch angesehen wird. Deutschland hat bereits Ende der 1980er Jahren die Energiewende eingeleitet. Nach der atomaren Katastrophe in Fukushima im Jahr 2011 haben die Maßnahmen nochmals an Fahrt aufgenommen. Eine Fahrt über deutsche Autobahnen zeigt deutlich, wie stark in Deutschland bereits der Wandel fortgeschritten ist und auf regenerative Energien gesetzt wird.

    Neue Antriebsformen

    So ist es nur mehr als verständlich, dass der Wandel auch nicht vor dem Automobil halt macht. Mehr als 130 Jahre ist die Antriebsform des Automobils unverändert geblieben. Ganz langsam erobert nun eine neue Antriebsform das Automobil – der Elektroantrieb. Der Standort Deutschland ist allerdings ein gutes Beispiel dafür, dass das Elektroauto nicht ein Selbstläufer ist. Das Land, in dem das Automobil erfunden wurde tut sich mit dem Thema Elektroauto nicht leicht. Das seitens der deutschen Bundesregierung ausgerufene Ziel 1 Mio. Elektroautos auf den deutschen Straßen fahren zu haben, scheint aktuell unerreichbar. Mit der wachsenden elektromobilen Konkurrenz wachen nun aber langsam die Hersteller auf und kündigen neue Modelle und Strategien an.

    Schwieriger Start

    Mit Blick auf die Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstosses kann das Elektroauto einen signifikanten Anteil beitragen. Das gilt allerdings auch nur dann, wenn die gesamte CO2-Bilanz stimmt und der Strom aus erneuerbaren Energien und nicht fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Das Elektroauto tut sich allerdings noch schwer, sich auf breiter Basis zu etablieren. Im Kern sind es drei Herausforderungen, die noch gelöst werden müsse. Die Batterien müssen leistungsfähiger werden, eine größere Reichweite sicherstellen und kostengünstiger werden. Mit der Reduzierung der Kosten für die Batterien würde dann das zweite Problem, die relativ hohen Anschaffungskosten, gelöst werden. Abschliessend muss für eine flächendeckende Ladestellen-Infrastruktur gesorgt werden. Neigt sich heute der Benzintank dem Ende zu, muss niemand befürchten, keine Tankstelle zu finden. Die gleichen Anforderungen müssen dann auch für die Elektroautos sichergestellt werden.

    Disruption vorprogrammiert

    Wirft man einen Blick unter die Haube eines Elektroautos, dann erhält man ein Gefühl dafür, wie gravierend die disruptiven Auswirkungen sein werden. Man vermisst den großen Verbrennungsmotor und findet nur noch einzelne, kleine Elektromotoren auf den Achsen vor. Ganze Zulieferindustrien stehen vor einen fundamentalen Wandel. Es werden keine Motorblöcke, Zylinder, Kolbenstangen, Ventile, Turbolader oder Auspuffanlagen mehr benötigt. Viele Unternehmen leben seit ewiger Zeit genau davon – der Herstellung dieser Komponenten.

    23 Stunden Parkzeit

    Wie bereits erwähnt werden auch neue Verkehrskonzepte benötigt. An dieser Stelle wirft sich die Frage auf, ob jeder eigentlich ein eigenes Auto besitzen muss. In den Industrienationen gibt es sehr oft das Szenario, das man morgens mit dem Auto zur Arbeit fährt und abends in umgekehrte Richtung zurück. Die restliche Zeit des Tages bleibt die “wertvolle Ressource” Auto ungenutzt stehen.

    Neues Denken erforderlich

    Die zunehmende Digitalisierung macht auch beim Automobil nicht halt. Software hat seit vielen Jahren bereits Einzug in das Auto gehalten. Mit der flächendeckenden Nutzung von Smartphones bei der Bevölkerung entstehen auf neue Anforderungen an die Automobilhersteller. Das Auto wird neben der Arbeit und dem Zuhause zum dritten wichtigen Lebensraum. An dieser Stelle müssen sich die Automobilhersteller darauf einstellen, dass die Menschen Ihr Smartphone im Auto nahtlos weiter nutzen möchten. Die Automobilhersteller sollten daher versuchen, die Anbieter der weltweit dominierenden Betriebssysteme iOS und Android zu integrieren, anstelle teure, schlecht anwendbare, proprietäre und nicht vernetzte eigene Lösungen voranzutreiben.

    Digital und mobil

    Neben der Perspektive aus Sicht des Fahrers, gibt es noch die Perspektive des gesamten Autos. Ein Auto ist heute viel mehr als nur ein Auto – es ist zunehmend mehr ein rollendes Smartphone. Ein führender Hersteller von Elektroautos hat es bereits begriffen und umgesetzt. Die im Fahrzeug verwendete Software wird regelmäßig automatisch über das Internet aktualisiert ohne dabei die Werkstatt aufsuchen zu müssen. Der jüngste Diesel-Skandal von Volkswagen hat gezeigt, wie weit der deutsche Konzern an dieser Stelle zurückliegt. Millionen Autos mussten kosten- und zeitintensiv den Weg in die Werkstatt suchen, nur um die Software zu wechseln.

    Automatisiert und Autonom

    Das Elektroauto wird kommen und sich durchsetzen – daran besteht kein Zweifel. Aber der automobile Wandel hat noch eine weitere disruptive Komponente – das autonome Fahren. Viele Menschen tun sich mit dem Gedanken schwer, dass es zukünftig keine Fahrer mehr geben wird. Das erinnert ein wenig an die Bedenken der ersten industriellen Revolution bei der Einführung der Dampfmaschine Ende des 18. oder dem Wandel von der Pfederkutsche zum Automobil Ende des 19. Jahrhunderts. Der Fahrer war die längste Zeit des Automobils erforderlich. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Autos autonom von A nach B fahren. Technologisch ist heute schon sehr viel denkbar und auch möglich. Aber auf dem Weg zum autonomen Fahren sind noch viele Fragen zu klären – technische, rechtliche aber auch ethische.

    Berufe im Wandel

    Mit dem autonomen Fahren werden sich unterschiedliche Branchen und damit auch Berufsbilder nachhaltig verändern. Gerade im Bereich Transport und Logistik sind die Änderungen greifbar. Lastkraftwagen sind in der Lage, Waren automatisch von A nach B zu transportieren. Der klassische Lkw-Fahrer wird an dieser Stelle nicht mehr benötigt. Busse und Taxis werden bei der Beförderung von Menschen auf Bus- bzw. Taxifahrer ebenfalls verzichten können.

    Technologie als Chance

    Das Beispiel Automobil ist nur ein kleiner Ausschnitt vom gesamten Wandel, vor dem wir stehen. Weitere Technologien wie 3D-Druck, Drohnen, kollaborierende Roboter, Virtuelle Realität, BigData und dem Internet of things machen deutlich, wie groß und nachhaltig der Wandel ist, vor dem die Welt steht. An dieser Stelle ist es wichtig, den Wandel zu erkennen und sich darauf einzustellen. Man muss den Wandel nicht befürworten, aber es macht keinen Sinn, diesen zu verleugnen. Der Wandel wird kommen, das ist so sicher wie der Erfolg der Dampfmaschine.

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    Ingenieurversteher
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    //Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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