Keine Angst vor dem Roboter im Werkzeug- und Formenbau

Das Bild zeigt einen nachdenklichen Roboter
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Roboter dringen immer weiter in den Werkzeug- und Formenbau vor. Dabei stellt die fortschreitende Automatisierung einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit dar.

Auf dem Weg zur Industrie 4.0

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet voran, nimmt zunehmend Fahrt auf und wird die komplette Gesellschaft erreichen. Infolgedessen sind alle Branche, Unternehmen und Menschen davon betroffen. Das produzierende Gewerbe stellt in der deutschen Wirtschaft eine hohe Wichtigkeit dar.

Entsprechend nehmen der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automobil-Industrie eine weltweit führende Rolle ein. Mit Industrie 4.0 ziehen nun Internet und IT-Technologie in die Produktion ein. Folglich werden die kompletten Wertschöpfungsketten neu definiert. Einerseits heißt das, das Unternehmen auf individuelle Kundenanforderungen in Echtzeit flexibel reagieren. Andererseits stehen auch viele unterschiedliche neuen Technologien an, wie beispielsweise

  • Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M),
  • Künstliche Intelligenz (KI),
  • Virtuelle Realität (VR),
  • BigData und
  • 3D-Druck.

Ungeachtet dessen ist die weitere Automatisierung der Fertigung durch Roboter ein wichtiges Thema.

Industrie 1.0 war auch Wandel

An dieser Stelle sei ein kurzer Blick 300 Jahre zurück erlaubt. Obwohl Anfang des 18. Jahrhunderts die Dampfmaschine von Thomas Savery und Thomas Newcomen entwickelt wurde, dauerte der Durchbruch zur Serienreife noch viel Jahrzehnte. Erst 1776 gelang durch die Optimierung von James Watt der endgültige Durchbruch.

Dadurch veränderte sich die Industrie damals nachhaltig und das Maschinenzeitalter wurde eingeläutet. Hierdurch entstanden gerade in der Textilindustrie immer stärker werdende Sorgen und Ängste bei den Arbeitern. Zwischen 1811 bis 1817 protestierten Menschen unter dem legendären Anführer Ned Ludd gegen die fortschreitende Automatisierung.

Infolgedessen stürmten Menschen die Fabriken und zerstörten die automatisierten Webstühle. Die Maschinenstürmer wollten verhindern, dass ungelernte Arbeiter die qualifizierten Arbeiter ersetzen. Dabei waren die Motive weniger eine irrationale Technikfeindlichkeit, sondern vielmehr die Sorge vor der Verschlechterung des sozialen Status und dem Verlust von Privilegien.

Roboter sind Normalität

In vielen Branchen, beispielsweise der Automobilindustrie, sind Roboter in der heutigen Zeit Normalität. Trotzdem wird es in der vor uns liegenden Dekade nochmals einen sehr großen Schub an Automatisierung und Investition in Robotertechnologien geben. Dabei führen die Automobilhersteller unterschiedliche Argumente an. Diese sind unter anderem

  • Steigerung der Produktivität,
  • Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit,
  • Auffangen des demografischen Wandels.

Automatisierung und Wettbewerbsfähigkeit

Den Trend zur Automatisierung können wir nicht umdrehen. Vielmehr müssen wir an der einen oder anderen Stelle gegenüber der globalen Konkurrenz aufholen. VW und Toyota kämpfen Kopf-an-Kopf um die weltweite Führung in Bezug auf verkaufte Fahrzeuge. Mehr oder weniger produzieren beide etwa 10 Mio. Autos pro Jahr. Aber ein Blick auf die Mitarbeiterzahlen macht deutlich,

  • dass das System Toyota mit 345.000 Mitarbeitern verglichen
  • mit 594.000 Mitarbeitern bei VW

einen deutlichen Produktivitätsvorsprung hat.

Mensch und Roboter

Bemerkenswert ist, dass sich die Roboter gerade massiv verändern. Früher waren Roboter vom Menschen isoliert und in einem „Löwenkäfig“ eingesperrt, was aus Sicherheitsgründen notwendig war. Die heutige Generation von kollaborierenden Robotern (Cobots) muss nicht mehr eingesperrt werden. So zeigen Unternehmen wie beispielsweise Universal Robots, die auch bei BMW in der Fertigung im Einsatz sind, wo die Reise hingeht.

Kinderleichte Programmierung

Die Roboterarme sind kinderleicht zu programmieren und reagieren sensibel auf Widerstände. Diese völlig neue Generation von Robotern ermöglicht somit eine völlig neue Zusammenarbeit mit dem Menschen – nicht mehr nebeneinander und voneinander getrennt, sondern vielmehr Hand-in-Hand.  Sind viele Kernprozesse in der Fertigung heute bereits automatisiert, so gibt es noch viele Teilprozesse, die heute der Mensch ausführt.

Oft sind es immer noch körperlich anstrengende Tätigkeiten für den einzelnen Mitarbeiter. Somit entwickelt sich der Roboter immer stärker zum „Co-Worker“ und Kollegen in der Fertigung. Infolgedessen werden bestimmte Vorgänge automatisiert und Mitarbeiter unterstützt. Dabei ist die körperliche Entlastung des Mitarbeiters in der Produktion schwer zu quantifizieren. Allerdings kann man erahnen, wie groß der Nutzen in Bezug auf

  • Verringerung des Krankenstandes,
  • Nutzung der kreativen Potentiale
  • sowie der Mitarbeiterzufriedenheit

sein kann.

Industrie 4.0 und Arbeitswelt 4.0

Es wäre allerdings an dieser Stelle falsch, nur über die schöne, neue und heile Welt zu berichten. Dass der neue Kollege Roboter nützlich ist, wird nicht bestritten. Aber es ist auch sicher, dass es Veränderungen in der Fertigung geben wird. Oftmals werden Tätigkeiten, die zukünftig der Roboter übernimmt, heute noch von schwächer qualifizierten Mitarbeitern ausgeführt. Der klassische Hilfsarbeiter mit einer eher geringen Qualifikation wird es morgen schwer haben, seinen Platz in der Fertigung zu finden.

Aber auch für den gut ausgebildeten Facharbeiter heißt das nicht, sich auf seiner Qualifizierung auszuruhen. Folglich bedeutet das auch für ihn lebenslangen Lernen. Mit dem Einzug von IT und Internet in die Produktion stehen massive Veränderungen an. Infolgedessen wird sich das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter, auch auch die Führungskräfte, in der Fertigung nachhaltig ändern.

Ausblick Industrie 4.0

Zusammenfassend sollten wir positiv in die Zukunft blicken. Jedenfalls müssen wir verstehen, dass wir weiter automatisieren müssen und dazu Robotertechnologie benötigen. Sicherlich werden wir heutzutage nicht in die Fabriken stürmen und die Roboter zerstören. Dennoch sind die Sorgen und Ängste aber verständlich.

Wir haben jedoch alle Chancen, unsere weltweit starke Rolle im Werkzeug- und Formenbau weiter zu behaupten. Aber wir müssen den Wandel aktiv angehen. Schließlich wäre es fatal, wenn wir uns auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen und uns entspannt zurücklehnen würden.

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Keine Angst vor dem Roboter im Werkzeug- und Formenbau
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Roboter dringen immer weiter in den Werkzeug- und Formenbau vor und leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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