Das Bild zeigt Pflanzen in unterschiedlichen Phasen des Wachstums (Wandel)
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Die Digitalisierung verändert gerade unsere gesamte Gesellschaft nachhaltig. Wir stehen vor einem großen Wandel. Aber wohin führt uns der Weg in Deutschland?

Wo hin führt der Weg?

Das Thema Digitalisierung hat die breite Masse unserer Gesellschaft erreicht. Es vergeht kein Tag, an dem nicht über das Thema berichtet wird. Wenn man versucht, festzustellen, wo wir heute stehen, dann wird man eines bemerken. Die Berichterstattung pendelt zwischen zwei extremen Szenarien. In dem einen Szenario stehen wir kurz vor dem Weltuntergang. In dem anderen Szenario lehnt man sich entspannt zurück. Beim Schreiben des Artikels veröffentlichte die Welt dann auch einen Beitrag mit dem Titel „Der schleichende Abstieg des Standorts Deutschlands„. Aber wo steckt die Wahrheit. Und vor allem wo stehen wir?

Der Wandel kommt

Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass die Digitalisierung kommt und dass es einen Wandel geben wird. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, wie stark dieser sein wird. Genau an dieser Stelle gehen die Meinungen oftmals weit auseinander. Die Einen sprechen

  • von nachhaltigen Disruptionen während die Anderen
  • von evolutionären Änderungen sprechen.

Ein Blick in unterschiedliche Branchen zeigt auf jeden Fall, das einiges in Bewegung ist.

Banken entfallen

Die Finanzbranche wird gerade von vielen kleinen Fintechs gehörig durcheinander gewirbelt. Diese dringen immer tiefer in das Kerngeschäft vor. Neben dem niedrige Zins und den hohen regulatorischen Vorschriften stehen die Banken auch mit dem veränderten Konsumentenverhalten vor großen Baustellen. Die Bankgeschäfte werden zu einem hohen Anteil nur noch online getätigt und Filialen werden nur noch selten benötigt. Anbieter wie Paypal demonstrieren wie moderner Geldverkehr in Echtzeit funktioniert. Davon sind traditionelle Banken noch einiges entfernt.

Einen Online-Zugang zum Konto anzubieten heißt noch lange nicht, dass die Bank digitalisiert ist. Die dahinter liegenden Wertschöpfungsprozesse laufen in der Regel oftmals noch

  • analog,
  • aufwendig und
  • wenig automatisiert

ab. Die Bank im klassischen Sinne verliert immer mehr an Bedeutung. Banken werden nicht mehr benötigt – Banking als Service sehr wohl. Eine große deutsche Bank demonstriert gerade eindrucksvoll, wie schrittweise das Geschäft heruntergefahren wird und man in der Finanzwelt in die Bedeutungslosigkeit abtaucht.

Autos im Umbruch

Etwa 20% der Arbeitsplätze in Deutschland entfallen auf die Automobil-Industrie. Das Elektroauto zeigt gerade eindrucksvoll, wie schwer wir uns mit dem Wandel tun. Der Endkunde zeigt aktuell keine große Kauf- bzw. Wechselbereitschaft und der Strategiewandel bei den Automobilherstellern wird nur schleppend angegangen. Marktbegleiter in den USA und China sind bereits enteilt. Es ist aber nicht nur das Elektroauto, das einen Treiber für die Veränderungen darstellt.

Die Art und Weise wie wir uns fortbewegen und reisen ist einem starken Wandel unterzogen. Daher ist es verständlich, das Carsharing Anbieter wie DriveNow oder Car2Go seit vielen Jahren wachsen und eine Alternative bzw. Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr darstellen. Wenn nun immer weniger Menschen ein Auto besitzen möchten, sondern vielmehr nur dann ein Auto nutzen, wenn sie es benötigen, dann hat das signifikante Auswirkungen auf die Automobilhersteller. Weniger produzierte Autos haben weitreichende Folgen. Infolgedessen werden weniger Mitarbeiter bei den Herstellern, aber auch den Zulieferern benötigt.

Meinung bilden

Man kann nun über das Szenario “Banken” und “Auto” intensiv diskutieren ob und wie alles passieren wird. Es liegt nun an jedem einzelnen in Deutschland, sich eine Meinung darüber zu bilden, in welche Richtung wir uns vermutlich entwickeln werden. Aber jeder sollte auch eine Meinung dazu haben, in welche Richtung er sich persönlich entwickeln möchte. Die Initiative D2030 hat eine Landkarte mit möglichen Zukunftsszenarien entwickelt.

Diese Landkarte ist in insgesamt acht Teil-Szenarien unterteilt. Die Karte bildet eine hervorragende Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema Wandel zu beschäftigen. Auf der einen Seite kann man sich zu unterschiedlichen Aspekten hinterfragen. Andererseits ist die Landkarte aber auch hervorragend geeignet um über die Thematik mit seinem Umfeld in den Dialog zu treten. Im ersten Schritt sind es zwei ganz einfache Fragen. Denken wir

  • global und offen” oder eher “national und eingegrenzt”?
  • Ich- und konsumorientiert” oder eher “Wir-orientiert und nachhaltig”?

Mit den Antworten weiß man direkt, in welchen der vier Haupt-Szenarien man sich befindet. So kann man schrittweise in einzelne Szenarien eintauchen. Dabei lernt man dieser kennen und verstehen. Folglich kann man sich dann selbst entsprechend hinterfragen, ob das gewählte Szenario wirklich zu mir passt.

Ärmel hochkrempeln

Der Wandel wird kommen, das ist wohl unbestritten. Anstelle allerdings den “Best case” zu erhoffen, sollten wir uns im Zweifelsfall lieber auf den “Worst case” einstellen. Das bedeutet aber nicht dass wir nun resignieren – ganz im Gegenteil. Vielmehr heißt das Ärmel hochzukrempeln, den Wandel annehmen und aktiv angehen. Wir müssen uns in Deutschland keineswegs verstecken, auch nicht hinter dem Silicon Valley.

Des weiteren sollten wir auch nicht versuchen beispielsweise andere Kulturen zu kopieren. Das macht keinen Sinn und ist zum Scheitern verurteilt. Es gilt nun unseren Weg in die digitale Welt zu finden. Dabei haben allerbeste Voraussetzungen, die Zukunft zu gestalten. Denn wir leben in einem Land,

  • dem es heute (noch) sehr gut geht,
  • das ein politisch stabiles Umfeld hat,
  • das über eine gute Infrastruktur und
  • gebildete Menschen verfügt.

Vielleicht dient “Die Landkarte der Zukunft” dazu, seinen eigenen Weg zu definieren um dann los zulaufen und die nächsten Schritte in die digitale Welt zu gehen. Alles ist richtig – nur abwarten ist der falsche Weg.

Weitere Informationen:

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Deutschland im digitalen Wandel. Abgrund oder Aufbruch?
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Deutschland im digitalen Wandel. Abgrund oder Aufbruch?
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Die Digitalisierung verändert gerade unsere Gesellschaft nachhaltig. Wir stehen vor einem großen Wandel. Aber wohin führt uns der Weg in Deutschland?
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Ingenieurversteher
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.

Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.

Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.

Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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