Das Bild zeigt einen Ingenieur mit Laptop in der Produktion
Bildquelle: istock_85663157

Mit der vierten industriellen Revolution drängen nun IT, Internet und Algorithmen immer tiefer in die Produktion vor. Damit steht der auch der Ingenieur vor einem großen Wandel.

Ingenieur und Wertschöpfung

Deutschland ist ein Land, in dem der Ingenieur eine wichtige Rolle gespielt hat – und das auch weiterhin tun wird. Die mehr als 1,7 Mio. erwerbstätigen Ingenieure sind dabei u.a. in unterschiedlichsten Fachrichtungen tätig. Mit etwa 70% vom gesamten Bundesetat tragen die Ingenieure einen signifikanten Anteil zur gesamten Wertschöpfung in der Bundesrepublik bei.

Made in Germany

Die hohe Qualität der Ingenieur Ausbildung hat weltweit einen guten Ruf. Die Marke “Made in Germany” ist eng mit der deutschen Ingenieurskunst verbunden. Ferner steht die Marke für hohe technische Qualität und Perfektion. Das bedeutet untern anderem, dass ein Auto, eine Maschine oder eine Anlage aus Deutschland zuverlässig funktionieren. Infolgedessen vertrauen Kunden aus aller Welt den technischen Fähigkeiten des deutschen Ingenieurs. Auf dieses Ansehen darf jeder einzelne Ingenieur zu Recht stolz sein.

Software funktioniert anders

Nun dringen das Internet und intelligente Algorithmen immer tiefer in die Branchen und Unternehmen vor. Autos, Maschinen und Anlagen vernetzen sich nun und es entstehen völlig neue Möglichkeiten und auch Geschäftsmodelle. Genau an dieser Stelle prallen nun mit voller Wucht sehr unterschiedliche Philosophien aufeinander. Ein Auto oder eine Maschine ist ein statisches Produkt. Es wird produziert und geliefert und dann läuft es für alle Ewigkeit. Demgegenüber ist Software komplett anders. Software ist dynamisch und oftmals eben nicht perfekt. Das bedeutet, dass der Code permanent von Fehlern befreit und weiterentwickelt wird. Ein Entwickler denkt daher in fortlaufenden Updates. Er ist sich bewusst, dass es zu Fehlern kommen kann.

Update versus Perfektion

Ein deutscher Ingenieur hat ein extrem hohes Streben nach Perfektion. Dabei hat er den Anspruch, ein fehlerfreies Produkt zu liefern. Der Software-Entwickler hat diesen Anspruch in dieser Form nicht. Er weiß, das es das perfekte und zu 100% fehlerfreie Software-Produkt nicht gibt. Das bedeutet aber keineswegs, dass der Qualitätsanspruch des Entwicklers geringer als der des Ingenieurs ist. Es ist eine andere Philosophie. Der Entwickler möchte ein sehr gutes und möglichst fehlerfreies Produkt liefern.

Fehler sind eine Chance

Wenn es aber zu Fehlern in der Software kommt, dann werden diese umgehend bereinigt. Mit einem Update wird dem Kunden dann eine überarbeitete Version bereitgestellt. In der Regel befinden sich aber nicht ausschließlich Fehlerbereinigungen in dem Update. Vielmehr werden auch neue Funktionalitäten mitgeliefert. Diese permanente Interaktion bietet einem Unternehmen große Chancen, dass die kundenseitige Bindung zum

  • Produkt,
  • der Marke und
  • auch dem Unternehmen

intensiviert wird.

Anders ist nicht falsch

Es wird nicht einfach werden, wenn mit Ingenieuren und Entwicklern zwei so unterschiedliche Denkweisen bzw. Philosophien zukünftig aufeinander treffen und zusammenarbeiten sollen. Beide Philosophien haben Ihre Berechtigung. Genau an dieser Stelle geht es eben nicht um eine Beurteilung “richtig oder falsch”. Vielmehr heißt das Credo “anders ist nicht falsch”. Daher wäre es zukünftig wichtig, offen und respektvoll aufeinander zu zu gehen. Dabei sollten Entwickler und Ingenieure die Denkweise des Anderen verstehen und respektieren.

Dieses gegenseitige Verständnis für andere Disziplinen spielt in der digitalen Welt eine entscheidende Rolle. Das gilt nicht nur in der Zusammenarbeit zwischen Ingenieur und Entwickler, sondern für sämtliche Funktionen im Unternehmen. Denn nur gemeinsam werden in der digitalen Welt im Team und interdisziplinär innovative Produkte erfolgreich zum Markt gebracht. Das stellt den Kunden zufrieden und sichert die Wettbewerbsfähigkeit. Neben der Interdisziplinarität muss zukünftig der Kunde mit seinen Bedürfnissen noch wesentlich stärker in den Fokus gerückt werden. So können wir dann auch weiterhin positiv in die Zukunft blicken.

Weitere Informationen:

Bildquelle: iStock 85663157

Anzahl Zeichen: 4.117

Summary
Der deutsche Ingenieur im digitalen Wandel der Zeit
Titel
Der deutsche Ingenieur im digitalen Wandel der Zeit
Beschreibung
Mit Industrie 4.0 drängen nun IT, Internet und Algorithmen immer tiefer in die Produktion vor. Damit steht der auch der Ingenieur vor einem großen Wandel.
Autor
Veröffentlicht durch
Ingenieurversteher
Logo

Teilen
Vorheriger ArtikelDeutschland im digitalen Wandel. Abgrund oder Aufbruch?
Nächster ArtikelWie gut ist das deutsche Handwerk auf die Digitalisierung vorbereitet?

//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.

Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.

Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.

Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here