Das Bild zeigt Lars Brickenkamp, Senior Vice President und General Manager bei TE Connectivity. Interview zum Thema Elektroauto.
Bildquelle: TE Connectivity

In dem Interview spricht Lars Brickenkamp, Senior Vice President und General Manager bei TE Connectivity, unter anderem über intelligente Stecker und Sensoren im Elektroauto.

Seit einigen Jahren engagiert sich TE Connectivity in der FormulaE. Ist das ein

reines Marketing Engagement oder stecken dort auch noch weitere Ziele dahinter?

Das Engagement in der FormulaE hat natürlich das Ziel, die Sichtbarkeit der Marke TE zu erhöhen. Damit möchten wir auf das Unternehmen und die Produkte aufmerksam machen. Im Automobilbereich, wo wir einen Marktanteil von mehr als 40% haben, ist das weniger notwendig. Vielmehr möchten wir aber die Wahrnehmung von TE in anderen Branchen erhöhen, wo wir noch nicht so stark vertreten sind. Wir sind stolz darauf, dass zwei Rennwagen bei der FormulaE unser Logo tragen.

Das alleine ist es aber nicht. Unsere Experten sind integraler Bestandteil des Rennteams. Dabei helfen sie bei der Ausstattung und Dimensionierung der elektrischen Elemente im Rennwagen. Unter anderem unterstützen wir hier bei elementar wichtigen Fragestellungen. Das sind unter anderem das komplette Energiemanagement oder “Hot Swapping”, dem schnellen Tausch von Batterien. Hier findet also ein wichtiger und für beide Seiten sehr wertvoller Erfahrungsaustausch statt.

Was haben Sie aus der FormulaE lernen können ?

Die gemachten Erfahrungen sind vielschichtig. Aber ich möchte es an einem konkreten Beispiel verdeutlichen. Rennsport bedeutet Extrembedingungen. Die Renningenieure an der Box stehen unter permanenter Anspannung. Sobald der Rennwagen in die Box kommt muss einfach alles perfekt funktionieren. Komponenten wie beispielsweise Batterien werden in kürzester Zeit ausgetauscht. Genau an dieser Stelle haben wir interessante Feststellungen gemacht.

Unter dem zeitlichen Druck gehen die Ingenieure anders um, als man es beispielsweise im normalen Betrieb macht. Das schnelle Austauschen von Batterien erfordert Stecker-Komponenten, die einfach zu bedienen sind. Hier stehen Funktionen wie “Verdrehsicherheit” oder aber auch “Verriegelbarkeit” im Fokus, damit der Anwender keine Fehler machen kann. Oftmals waren wir überrascht, wie groß der Unterschied zwischen der realen und der Laborwelt war.

Aber wir waren sehr glücklich über die Erfahrungen. Denn wenn unsere Produkte Extremsituationen überstehen, dann sind sie für den Normalbetrieb auf der Straße bestens vorbereitet. An dieser Stelle muss man sich immer bewusst sein, wie wichtig die Sicherheit im Elektroauto ist. Wir reden hier über hohe Ströme, die für Leib und Leben eine hohe Gefahr darstellen.

Mehr als 100 TE-Komponenten sind im FormulaE-Rennwagen verbaut. Das bedeutet, das für TE in der elektromobilen Ära goldene Zeiten anbrechen?

In der Tat sind es unglaublich viele TE Komponenten wie Stecker, Leitungen und Sensoren, die in einem FormulaE-Rennwagen, aber natürlich auch in einem Elektroauto verbaut sind. Oftmals ist es nicht bewusst, welche Rolle TE dort spielt. Unsere Produkte stellen in einem Elektrofahrzeug das digitale Nervensystem dar. An dieser Stelle reden wir nicht einfach nur von Hardware. Es ist die intelligente Verbindung von Hard- und Software.

Wir sammeln mit unseren Sensoren Daten an unterschiedlichsten Stellen im Fahrzeug. Dabei kommunizieren die Sensoren untereinander, tauschen Daten aus und treffen Entscheidungen. Gerade mit Blick auf das bevorstehende autonome Fahren legen wir hier technologisch die Basis dafür.

TESLA ist Schrittmacher der elektromobilen Welt. Was sagen die zum Unternehmen und dem eingeschlagenen Weg?

Ich verfolge den Weg von TESLA sehr aufmerksam und finde es absolut bemerkenswert, was dort gerade passiert. Der CEO Elon Musk hat das richtige Gespür für Trends und Innovationen. Der gesamte Weg von TESLA erinnert doch sehr stark an das Erfolgsmodell von Apple. TESLA hat es geschafft, einen Hype um Ihre Elektroautos zu generieren. Es erinnert an den Start des iPhones von Apple – jeder möchte es haben. Mehr als 400.000 Vorbestellungen für das Modell sprechen doch eine deutliche Sprache.

Aber es ist nicht nur das Auto und der Coolness-Faktor alleine. TESLA hat das Automobil nicht nur als Fortbewegungsmittel auf vier Rädern betrachtet. TESLA hat das Thema ganzheitlich mit allen notwendigen Services betrachtet. Darauf basierend hat das Unternehmen dann auch sein Geschäftsmodell ausgerichtet. Elon Musk ist ein visionärer Vordenker der den “Transport der Zukunft” vordenkt. Damit stiehlt er allen Marktbegleitern aktuell einfach die Show.

Erst heute morgen habe ich gelesen, dass die Marke TESLA mehr Wert ist als Porsche. Mit dem Kauf von Solarworld und der Powerwall haben Sie die Möglichkeit geschaffen, einen eigenen Stromkreislauf unabhängig von den großen etablierten Energieanbietern zu schaffen. Mit den Ladestationen haben sie ein zentrales Problem gelöst. Abschließend bauen Sie eine eigene Batteriefabrik und sorgen dafür, dass sie nicht abhängig sind und einen großen Teil der Wertschöpfung im eigenen Unternehmen haben. Bis hier hin haben sie alles richtig gemacht. Man kann TESLA an dieser Stelle nur wünschen, dass sie mit dem Modell 3 abliefern und in absehbarer Zeit profitabel werden.

Das Thema Elektroauto tut sich in Deutschland schwer. Wo liegen die Gründe?

Es gibt Fakten, die allgemein Bekannt sind. Das sind

  • der hohe Preis,
  • die geringe Reichweite und
  • die fehlende Ladestellen-Infrastruktur.

Darüber hinaus ist es aber auch noch ein wenig die Deutsche Kultur. Der Deutsche ist vielleicht nicht technikfeindlich. Aber er gehört auch nicht zu denen, der sofort auf den Zug Elektroauto aufspringt. Es ist vielleicht mir eine deutsche Rationalität. Ich habe den Eindruck, dass der Deutsche Kunde sich langsam dem Thema öffnet.

Aber wenn der Kunde auf dem Weg von Frankfurt nach Berlin viermal die Autobahn verlassen muss und vorher eine exakte Route zum Tanken planen muss, dann ist das für den Prozess nicht förderlich. Auch hier empfehle ich, das wir in Deutschland an der einen oder anderen Stelle mal über den Tellerrand bzw. die Landesgrenzen schauen, wie es andere Länder machen.

Wie sehen Sie das Autonome Fahren?

Ich bin begeistert zu sehen, was heute schon technisch möglich ist. Die vielen, notwendigen Sensoren im Auto sammeln permanent Daten und tauschen diese intern fortlaufend aus. Die Menge an Daten sind dabei nicht unerheblich. Natürlich spielt auch die Geschwindigkeit der Analyse der Daten eine Rolle, um Entscheidungen zu treffen. Das ist absolut kritisch. Hier sehe ich uns als Systemanbieter heute bereits bestens aufgestellt.

Wie sieht die TE-Welt außerhalb des Elektroautos aus?

Wir sind heute in vielen unterschiedlichen Branchen vertreten. Sei es in der Luft- und Raumfahrttechnik ebenso wie im Industrie. Mit dem Thema Industrie 4.0 spielen unsere Komponenten in der Smart Factory eine vergleichbare wichtige Rolle wie im Elektroauto. In der Fabrik nehmen unsere Stecker und Sensoren Daten auf. Dabei erfassen wir unterschiedlichste Informationen den Zuständen von Produkten, Werkzeugen und Maschinen.

Das Thema Datenmanagement spielt in der gesamten Welt vom Internet der Dinge eine entscheidende Rolle. Jedes “Ding” generiert fortlaufende Daten. Diese Daten sind zunächst dumm. Die große Herausforderung besteht darin, dumme Daten in intelligente zu wandeln. Das geschieht direkt am Ort des Geschehens. Dort wird dann exakt entschieden, welche Daten mit anderen Sensoren ausgetauscht oder an nachgelagerte Anwendungen weitergeleitet werden müssen.

Weitere Informationen:

Bildquelle: TE Connectivity

Anzahl Zeichen: 7.493

 

Summary
TE Connectivity und das digitale Nervensystem im Elektroauto
Titel
TE Connectivity und das digitale Nervensystem im Elektroauto
Beschreibung
In dem Interview spricht Lars Brickenkamp, Senior Vice President und General Manager bei TE Connectivity, unter anderem über intelligente Stecker und Sensoren im Elektroauto.
Autor
Veröffentlicht durch
Ingenieurversteher
Logo

Teilen
Vorheriger ArtikelWie gut ist das deutsche Handwerk auf die Digitalisierung vorbereitet?
Nächster ArtikelRoboter sind nicht böse und vernichten keine Arbeitsplätze
//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here