Das Bild zeigt Michael Theurer, Bundesvorstand der FDP, im Interview Stellung zum Thema Elektroauto.​
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Im Rahmen der Kampagne „Bundestagswahl 2017. Was sagen die Parteien zum Thema Elektroauto?“ nimmt Michael Theurer, Mitglied des Europäischen Parlaments und Bundesvorstand der FDP, Stellung zum Thema Elektroauto.​

Das Thema Elektroauto kommt in Deutschland nur sehr langsam in Schwung. Haben die deutschen Autofahrer kein Interesse elektrisch zu fahren?

Es gibt ja Gründe, warum der Umstieg auf Elektromobilität nicht vorankommt. Zum einen haben wir nach wie vor Defizite bei der Reichweite, der Lade-Infrastruktur und bei der Wettbewerbsfähigkeit in Bezug auf den Kaufpreis. Das Interesse stellt sich dann ein, wenn Elektromobilität attraktiver wird. So einfach ist das. Dafür muss sie nicht nur leistungsfähiger, günstiger und praktischer werden, sondern auch glaubwürdig, was ihren ökologischen Nutzen betrifft.

So hat kürzlich eine Studie des schwedischen Umweltministeriums ausgerechnet, dass man ganze acht Jahre mit einem Tesla Model S fahren müsste, damit es sich ökologisch rechnet. Diese Erkenntnisse tragen weder zur Attraktivität von Elektroautos bei noch rechtfertigen sie die Euphorie, die von manchen an den Tag gelegt wird.

Was ist der Grund dafür, dass die deutschen Automobilhersteller das Thema Elektroauto nur zögerlich angehen?

Das ist so nicht richtig. Gerade in den letzten Jahren wird unheimlich viel in Elektromobilität investiert. Der Verband der deutschen Automobilindustrie hat dargelegt, dass die Hersteller das Angebot an Elektroautos bis 2020 verdreifachen werden und dass die deutsche Automobilindustrie bis 2020 über 40 Mrd. Euro in alternative Antriebe investieren wird.

Seitens der Bundesregierung war die Kaufprämie ein Schritt, um das Thema Elektroauto anzukurbeln. Reicht das aus? Was fehlt?

Nein. Das reicht weder aus noch sind Kaufprämien der Schritt in die richtige Richtung. Das Scheitern der Kaufprämie zeigt doch, dass Menschen Autos, die sie für unpraktisch, ineffizient und ökologisch fragwürdig halten auch dann nicht kaufen, wenn man sie ihnen künstlich günstiger anbietet. Was fehlt, ist vor allem die richtige Infrastruktur und eine Forschungsförderung die technologieoffen ist.

Das Elektroauto ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch die herkömmlichen Antriebsarten wie der Diesel lassen sich effizienter und ökologischer gestalten, zum Beispiel durch die Harnstoffeinspritzung. Auf der anderen Seite sind Brennstoffzellen-Antriebe ebenfalls im Kommen. Die Politik weiß eben nicht am besten, was sich am Ende beim Verbraucher durchsetzt.

Das Land der Dichter und Denker ist manchmal auch ein wenig das Land der Zweifler und Zögerlichen. Muß sich in der Kultur etwas ändern oder reicht es aus, wenn wir so weitermachen wie in der Vergangenheit?

Wir sind oft zu vorsichtig, zu zögerlich, zu sehr auf Sichern und Absichern bedacht – das stimmt. Da wünsche ich mir manchmal mehr Risikobereitschaft, mehr Mut. Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. So muss es auch möglich sein, für Projekte und Ideen wieder leichter an Kapital zu kommen.

Ebenfalls brauchen wir eine Entbürokratisierungsoffensive gerade für Gründer und Start-Ups und eine Vereinfachung bei Behördengängen, Genehmigungen und dem zugerregelten Arbeitsmarkt. Die Überregulierung bremst nicht nur die Umsetzung von Ideen, sie ist ein Misstrauensvotum der Politik gegenüber allen, die sich selbst etwas aufbauen wollen. Bei der Mobilität muss Forschungsförderung wieder technologieoffen gestaltet sein.

Mit der Gigafactory baut TESLA seine eigene Batterie-Fabrik um den Bedarf von morgen und übermorgen zu befriedigen. Benötigen wir in Deutschland ebenfalls eine Batteriefabrik?

Das wäre zu begrüßen, liegt aber nicht in der Hand der Politik. Die Hersteller müssen selbst entscheiden, in welche Richtung sie gehen möchten – das tun sie in der Regel sehr gut. Ein großer Automobilhersteller aus Baden-Württemberg zum Beispiel plant im Moment, die Batterieherstellung zukünftig selbst zu übernehmen und im Ländle zu produzieren.

TESLA geht das Thema Elektromobilität neben der Produktion von Elektroautos mit dem Bau von Solaranlagen und Batterie-Speichern ganzheitlich an und ist viel mehr als nur ein reiner Automobilhersteller. Haben die deutschen Automobilhersteller darauf eine Antwort?

Das müssen Sie die Automobilhersteller selbst fragen. Klar ist, dass auch unsere Industrie neue Wege der Mobilität geht. Ich habe den Eindruck, dass unsere Hersteller ebenfalls auf einem guten Weg sind.

Mit dem Start des TESLA Modell 3 könnte das Volks-Elektroauto aus den USA und nicht aus Deutschland kommen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Das könnte gut sein. Das muss aber nicht so kommen. Die deutsche Automobilindustrie erkennt die Zeichen der Zeit und investiert und forscht auch aus natürlichem Eigeninteresse in die Zukunft des Automobils. Die Frage wird aber sein, ob das Elektroauto das Automobil der Zukunft sein wird. Sehen Sie, der Unterschied zwischen uns, die technologieoffen Fördern und Forschen wollen und beispielsweise den Grünen ist doch, dass wir eben nicht vorgeben zu wissen, welchem Antrieb die Zukunft gehört.

Außerdem geht die einseitige Fokussierung auf die batteriebetriebene Elektromobilität von der Annahme aus, dass sie automatisch das Klima schützt. Die Studie aus Schweden wiederlegt das. Zudem sind der Abbau von Lithium und die Entsorgung leerer Batterien gewaltige noch zu lösende Probleme. Die Batterie ist deshalb die Achillesferse der Elektromobilität. Die Hersteller haben das erkannt. Gründlichkeit geht auch hier vor Schnelligkeit.

Neben TESLA in den USA geben die auch die Chinesen u.a. mit BYD Vollgas beim Thema Elektroauto. Wird die Autonation Deutschland gerade von den Amerikanern und Chinesen abgehängt?

Es kommt ganz darauf an. Die deutsche Automobilindustrie baut die besten Verbrennungsmotoren der Welt. Diese werden nachgefragt und sind, was ihre ökologische Perfektionierung betrifft, noch lange nicht am Limit. Das heißt, dass herkömmliche Antriebe nach wie vor eine Rolle spielen werden. Die USA und China haben auf diesem Feld mit Deutschland einen unschlagbaren Konkurrenten.

Das ist auch ein Grund, sich andere Felder zu suchen. Die Zuwachsraten bei Elektrofahrzeugen steigen aber auch in Deutschland stark an – ebenfalls der Anteil der deutschen Hersteller, der zum Beispiel im Mai dieses Jahres einen Marktanteil von 60% bei den Elektro-PKW-Neuzulassungen ausmachte.

Google und TESLA demonstrieren, dass das autonome Fahren technologisch weit fortgeschritten ist. Wann sehen wir autonom fahrende Autos auf deutschen Straßen? Was muss noch getan werden?

Ich hoffe schon sehr bald. Die Fragen, die in Deutschland noch zu klären sind, sind vor allem Haftungsfragen. Also wer Haftet bei einem Unfall? Der Halter oder der Hersteller? Wann springt die Versicherung ein? Haftungs- und Datenschutzfragen müssen auf jeden Fall noch abschließend geklärt werden. Um die Vorteile vernetzter Mobilität nutzen zu können, müssen zudem die Mobilfunknetze flächendeckend weiterentwickelt (5G) werden.

Dadurch werden die Voraussetzungen für die sogenannte Car-to-X-Kommunikation geschaffen, die neben der Kommunikation zwischen Fahrzeugen auch eine kommunikationsfähige Infrastruktur umfasst. Das geht aber nur, wenn Deutschland aus endlich in die digitale Infrastruktur investiert. Es kann nicht sein, dass wir noch Kupferkabel verlegen. Im internationalen Vergleich sind wir beim schnellen Internet ganz unten mit dabei. Nur 1,3 Prozent unserer Breitbandverbindungen sind Glasfaseranschlüsse. In Südkorea und Japan sind es knapp über und knapp unter 70%. Hier kann Politik tätig werden.

Was wären Ihre wichtigsten Maßnahmen, um das Thema Elektroauto in Deutschland anzuschieben?

Attraktivität. Das Auto muss attraktiv sein für die Bürger. Es muss einen erkennbaren Nutzen haben. Es muss möglich sein, ohne Angst vor einer leeren Batterie damit zu fahren. Dazu brauchen wir die passende Infrastruktur. Wenn Sie einen Vorteil in einem Produkt sehen, dann kaufen Sie es möglicherweise. Wenn nicht, dann werden Sie am altbewerten festhalten. So einfach ist Marktwirtschaft.

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Die FDP und das Thema Elektroauto (Interview)
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Im Rahmen der "Bundestagswahl-Kampagne" nimmt Michael Theurer, Bundesvorstand der FDP, im Interview Stellung zum Thema Elektroauto.​
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.

Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.

Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.

Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

4 Kommentare

    • Hallo Herr Stuby, vielen Dank für Ihr Feedback. Das Thema Elektromobilität hat viele unterschiedliche Facetten und gegensätzliche Meinungen. Es bleibt spannend zu verfolgen, wie wir uns hier nach der Bundestagswahl aus deutscher Sicht positionieren. Vielen Dank und viele Grüße, Andreas Schulz

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