Das Bild zeigt Bernd Riexinger, Parteivorstand DIE LINKE im Interview zum Thema Elektroauto.
Bildquelle: DIE LINKE

Im Rahmen der Kampagne „Bundestagswahl 2017. Was sagen die Parteien zum Thema Elektroauto?“ nimmt Bernd Riexinger, Parteivorstand DIE LINKE, Stellung zum Thema Elektroauto.​

Das Thema Elektroauto kommt in Deutschland nur sehr langsam in Schwung. Haben die deutschen Autofahrer kein Interesse elektrisch zu fahren?

Doch. Diejenigen, die ein Elektroauto testweise fahren, äußern sich meist sehr zufrieden. Die Kosten der Elektroautos sind nur weiterhin noch deutlich höher als die herkömmlicher Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Zudem sind die Reichweiten meist noch geringer und die unzureichende Ladeinfrastruktur schreckt viele Menschen zusätzlich vom Kauf ab. In etwa fünf Jahren werden Elektroautos aber vermutlich gleichwertig sein bezüglich der Kosten und der Reichweite.

Was ist der Grund dafür, dass die deutschen Automobilhersteller das Thema Elektroauto nur zögerlich angehen?

Ich habe den Eindruck, dass sich dies mittlerweile geändert hat und dass die deutschen Hersteller erkannt haben, dass sie nicht weiter so zögerlich agieren dürfen. So werden bereits Produktionshochläufe geplant, so dass 2025 25% und 2030 bereits 50% der produzierten Fahrzeuge Elektroautos sein sollen.

Warum die Hersteller anfangs so zögerlich agierten, darüber kann ich natürlich nur spekulieren, aber ich nehme an, man hoffte (und tut es noch) möglichst lange mit der bewährten Verbrennertechnologie Geld verdienen zu können – und hat die Dynamik bei den Elektroautos, getrieben hauptsächlich von China und aus den USA, wohl unterschätzt.

Seitens der Bundesregierung war die Kaufprämie ein Schritt, um das Thema Elektroauto anzukurbeln. Reicht das aus? Was fehlt?

Die Kaufprämie für Elektro-Pkw haben wir immer skeptisch gesehen, weil diese bei über 40 Millionen Pkw nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Wir bevorzugen hingegen eine finanzielle Unterstützung für solche Fahrzeuggruppen, die praktisch den ganzen Tag auf den Straßen unterwegs sind, wie Busse und Taxen. Dies hätte einen viel größeren Effekt bezüglich der Senkung der Umweltbelastungen in den Städten.

Darüber hinaus sehen wir die Aufgabe einer Bundesregierung darin, klare politische Rahmenbedingungen als Signal an die Industrie zu setzen. Deswegen begrüßen wir den Beschluss des Bundesrates, dass ab 2030 nur noch emissionsfreie Pkw zugelassen werden sollen. Uns geht es zudem um eine umfassende Verkehrswende, nicht nur um eine Antriebswende. Wir wollen besseren und bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr, der durch neue Mobilitätsangebote und die

konsequente Förderung des Radverkehrs ergänzt wird, damit wir insgesamt mit deutlich weniger motorisiertem Verkehr auskommen.

Das Land der Dichter und Denker ist manchmal auch ein wenig das Land der Zweifler und Zögerlichen. Muss sich in der Kultur etwas ändern oder reicht es aus, wenn wir so weitermachen wie in der Vergangenheit?

Im Großen und Ganzen steht die deutsche Industrie ja gut da, für totale Selbstkritik gibt es sicherlich keinen Anlass. Ob die Dynamik bei den Elektroautos die deutsche Autoindustrie nun überrollen wird, oder ob diese in einigen Jahren gut da steht, wird die Zukunft zeigen. Dennoch gibt es schon Anlass zur Sorge und hier, wie auch bei anderen Themen, hätte ich mir mehr Mut von der Industrie gewünscht, von Beginn an stärker auf eine neue Technologien zu setzen, anstatt diese nur auf Sparflamme zu verfolgen und damit letztlich anderen zu überlassen.

Mit der Gigafactory baut TESLA seine eigene Batterie-Fabrik um den Bedarf von morgen und übermorgen zu befriedigen. Benötigen wir in Deutschland ebenfalls eine Batteriefabrik?

Ja. Wenn sich Elektroautos tatsächlich durchsetzen, entfallen in Deutschland viele Arbeitsplätze im Motorenbau, weil Elektroautos wesentlich weniger fertigungsintensiv sind. Um diese Arbeitsplätze zu kompensieren, sollte in Deutschland umgehend eine Batterieproduktion aufgebaut werden. Dies würde Deutschland zudem unabhängiger von Importen machen und einen Großteil der Wertschöpfung im Land halten.

TESLA geht das Thema Elektromobilität neben der Produktion von Elekroautos mit dem Bau von Solaranlagen und Batterie-Speichern ganzheitlich an und ist viel mehr als nur ein reiner Automobilhersteller. Haben die deutschen Automobilhersteller darauf eine Antwort?

Ich hoffe es! Es ist ja nicht so, dass die deutschen Hersteller nicht auch Überlegungen anstellen, in die Batterieproduktion einzusteigen und erste Projekte gestartet haben. Die Frage ist allerdings, ob sie es schafft den technologischen Vorsprung aufzuholen, oder ob sie dauerhaft von Importen abhängig sein wird.

Mit dem Start des TESLA Modell 3 könnte das Volks-Elektroauto aus den USA und nicht aus Deutschland kommen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Ein wenig schon, ja. Aber, wie schon gesagt, wie die deutschen Hersteller am Ende, also in fünf bis zehn Jahren dastehen werden, wird sich zeigen. Ich hoffe darauf, dass die deutschen Hersteller weiterhin genug davon verstehen, wie man Autos und eben auch Elektroautos baut, so dass sie die Produktion schnell genug hochfahren können und nicht abgehängt werden. Dann wird das Volks-Elektroauto vielleicht doch aus Deutschland kommen.

Neben TESLA in den USA geben die auch die Chinesen u.a. mit BYD Vollgas beim Thema Elektroauto. Wird die Autonation Deutschland gerade von den Amerikanern und Chinesen abgehängt?

Derzeit sieht es ein wenig so aus, ja. Aber wenn die deutschen Hersteller jetzt „Vollgas“ geben, können sie den Vorsprung der Chinesen und Amerikaner durchaus wieder aufholen.

Google und TESLA demonstrieren, dass das autonome Fahren technologisch weit fortgeschritten ist. Wann sehen wir autonom fahrende Autos auf deutschen Straßen? Was muss noch getan werden?

Zunächst werden Fahrzeuge wohl nur auf Autobahnen autonom fahren. Ob sie tatsächlich auch im Stadtverkehr mit Menschen neben und auf den Straßen eingesetzt werden können, ist für mich noch nicht sicher. Automatisierung und Digitalisierung bieten aber eine große Chance für eine Verkehrswende, die wir aus Umweltgründen brauchen, weil die Umstellung auf Elektroautos alleine bei weitem nicht ausreicht. Die Vernetzung von öffentlichem Fern- und Nahverkehr, autonomen Minibussen und Taxis, Mitfahr-Apps, sowie Leihfahrrädern, bietet eine gleichwertige Alternative zum eigenen PKW.

Gefordert ist vor allem die Industrie. Der Staat sollte aber weiterhin intensiv Forschungen fördern, die Anwendungen wie Teststrecken mit einschließt. Darüber hinaus ist die Aufgabe des Staates vor allem, die rechtlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass die Haftung klar geregelt wird und bei den Herstellern liegt. Zudem ist ein umfassender Datenschutz für die Nutzer zu gewährleisten. Zukünftig sollten ferner neue Mobilitätsangebote einfacher als bisher in der Praxis erprobt und etabliert werden können, wobei neue Anbieter Sozial- und Umweltstandards einzuhalten haben.

Was wären Ihre wichtigsten Maßnahmen, um das Thema Elektroauto in Deutschland anzuschieben?

Die wichtigste politische Maßnahme ist für mich ein klares Signal an die Hersteller und Käufer, dass nur noch emissionsfreie Pkw eine Zukunft haben. Deswegen setzen wir uns für ein Ende der Zulassung neuer Pkw mit Verbrennertechnologie ab 2030 ein. Kaufprämien wollen wir nur für bestimmte Fahrzeuggruppen wie Busse und Taxen, weil es dort die größten Potentiale zur Umweltentlastung gibt.

Eine Förderung des Ausbaus der Ladeinfrastruktur über die bestehenden ersten Impulse hinaus wollen wir nicht, damit der Staat nicht zum „Tankstellenbetreiber“ wird. Zudem gibt es „im kleinen“ einige Hemmnisse für die Verbreitung der Elektromobilität, z.B. was das Laden bei einer Mietwohnung angeht.

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DIE LINKE und das Thema Elektroauto (Interview)
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Im Rahmen der "Bundestagswahl-Kampagne" nimmt Bernd Riexinger, Parteivorstand DIE LINKE, Stellung zum Thema Elektroauto.​
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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