Das Bild zeigt Andreas Rimkus (SPD) im Interview zum Thema Elektroauto
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Im Rahmen der Kampagne „Bundestagswahl 2017. Was sagen die Parteien zum Thema Elektroauto?“ nimmt Andreas Rimkus, stellvertretender verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und zuständiger Berichterstatter für Elektromobilität im Deutschen Bundestag,  Stellung zum Thema Elektroauto.​

Das Thema Elektroauto kommt in Deutschland nur sehr langsam in Schwung. Haben die deutschen Autofahrer kein Interesse elektrisch zu fahren?

Das Interesse von  Autofahrenden ist vorhanden, dies konnte schon durch verschiedene Studien und Umfragen bestätigt werden. Das weiterhin größte Hemmnis ist die noch nicht flächendeckende Ladeinfrastruktur. Denn alltagstaugliche Reichweiten sind schon heute wirtschaftlich umsetzbar. Daher denke ich, dass sich die Elektromobilität vor allem in Verbindung mit einem kontinuierlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur in Städten sowie auf dem Land, in den nächsten Jahren einer erhöhten Nachfrage erfreuen wird.

Was ist der Grund dafür, dass die deutschen Automobilhersteller das Thema Elektroauto nur zögerlich angehen?

Deutsche Automobilhersteller beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit dieser Technologie.  Die Implementierung von neuen Produkten und Technologien auf den Märkten ist jedoch für jedes Unternehmen schon immer mit einem gewissen Risiko verbunden gewesen. Automobilhersteller sind dabei keine Ausnahme.

Vor diesem Hintergrund ist der Verbrennungsmotor eine seit über 100 Jahren etablierte und bewährte Antriebstechnologie. Mit dem Positionspapier „Elektromobilität“ der SPD-Bundestagsfraktion konnte Anfang dieses Jahres bereits ein starkes Signal an die Bundesregierung und die Automobilindustrie gesendet werden.

Denn wir dürfen nicht den Anschluss an die Weltspitze im Automobilsektor verlieren. Kommende feste Absatzquoten von Elektrofahrzeugen in ausländischen Märkten sowie ein nicht zu unterschätzender Imageschaden durch vergangene Abgasskandale zwingen die Hersteller letztendlich zu einem Umdenken.

Denn nur so können diese sich auch in Zukunft als Unternehmen im internationalen Wettbewerb behaupten. Schon heute haben alle großen deutschen Automobilhersteller angekündigt, ihr Portfolio mit neuen Elektrofahrzeugen merklich zu erweitern.

Seitens der Bundesregierung war die Kaufprämie ein Schritt, um das Thema Elektroauto anzukurbeln. Reicht das aus? Was fehlt?

Um den Automobilstandort Deutschland langfristig zu sichern, müssen wir auf alternative Antriebe setzen. Das sichert Arbeitsplätze und hilft dem Verkehrssektor, unsere ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen. Angesichts niedriger Spritpreise ist die größte Herausforderung die Ausfahrerinnen und –Fahrer zum Umstieg zu bewegen.

Die Kaufprämie ist dabei lediglich eine von mehreren umgesetzten Maßnahmen. Ein langfristiger Erfolg kann sich nur in Kombination mit verschiedenen Förderungen einstellen. Neben monetären Anreizen wie bspw. der Befreiung von der Kfz-Steuer oder auch gezielte Bevorrechtigungen von Elektrofahrzeugen auf Grundlage des Elektromobilitätsgesetzes, sind auch Maßnahmen der Steigerung der Akzeptanz wichtig. Dabei sehe ich vor allem durch die weitere Förderung einer gezielten Integration von Elektrofahrzeugen in den

  • ÖPNV,
  • das Taxi-Gewerbe sowie
  • der Paket- und Express-Logistik,

viel Potential, die Vorteile der Elektromobilität für alle erlebbar zu machen. Außerdem brachen wir weiterhin Initiativen, um den Kaufpreis für die Nutzer zu reduzieren. Ein möglicher Schritt wäre, bei der Beschaffung durch Bund, Länder und Kommunen eine verpflichtende Quote an Elektrofahrzeugen zu erreichen, um zügig einen Markt für Gebrauchtwagen aufzubauen.

Das Land der Dichter und Denker ist manchmal auch ein wenig das Land der Zweifler und Zögerlichen. Muss sich in der Kultur etwas ändern oder reicht es aus, wenn wir so weitermachen wie in der Vergangenheit?

Eine flächendeckende Umstellung auf Elektromobilität wird bspw. auch weitreichende Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland haben. Wir sprechen hier von rund 800.000 direkt oder indirekt betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, das muss uns bewusst sein. Das Automobil der Zukunft muss aus Deutschland kommen, das steht außer Frage.

Doch gleichzeitig müssen eben genau diese Menschen auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil  dieser Industrie bleiben. Zudem wird der Trend der Automatisierung von Fahrzeugen neben der Elektromobilität zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Mit der Gigafactory baut TESLA seine eigene Batterie-Fabrik um den Bedarf von morgen und übermorgen zu befriedigen. Benötigen wir in Deutschland ebenfalls eine Batteriefabrik?

Eine eigene Batterieproduktion in Deutschland begrüße ich sehr und erste Pilotprojekte gibt es ja bereits schon. Neben der Vermeidung einer neuen Form von Abhängigkeit durch den Import von Akkumulatoren, kann nur mit einer nationalen Produktion notwendiges Knowhow aufgebaut und erhalten werden, um sich auch weiterhin als führende Automobilnation im internationalen Wettbewerb behaupten zu können. Speichertechnologien sind dabei das Herzstück jedes Elektrofahrzeuges. Gleichzeitig können mit einer eigenen Batterieproduktion neue Arbeitsplätze und Perspektiven geschaffen und somit unser Wohlstand gesichert werden.

TESLA geht das Thema Elektromobilität neben der Produktion von Elektroautos mit dem Bau von Solaranlagen und Batterie-Speichern ganzheitlich an und ist viel mehr als nur ein reiner Automobilhersteller. Haben die deutschen Automobilhersteller darauf eine Antwort?

Die Sektorenkopplung und die damit verbundenen Power-to-X Kopplungselemente sehe ich dabei als nicht zu vernachlässigende Bereiche. Es müssen daher Anstrengungen unternommen werden, den nachhaltig hergestellten Strom in großem Maße zwischen zu speichern und für Elektro-Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Daneben lässt sich auch feststellen, dass zunehmend in die Brennstoffzellen-Technologien investiert wird. Dadurch bieten sich langfristig auch neue Investitionsmöglichkeiten für Unternehmen an.

Mit dem Start des TESLA Modell 3 könnte das Volks-Elektroauto aus den USA und nicht aus Deutschland kommen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Ich denke, dass dies erst die langfristige Entwicklung zeigen wird. Deutsche Hersteller beobachten, wie andere Unternehmen auch, den Markt sehr genau und antworten mit entsprechenden eigenen Produkten. Schon heute steht bspw. mit dem Volkswagen E-Golf ein dem TESLA Modell 3 ähnlich konkurrenzfähiges Produkt zur Verfügung.

Neben TESLA in den USA geben auch die Chinesen u.a. mit BYD Vollgas beim Thema Elektroauto. Wird die Autonation Deutschland gerade von den Amerikanern und Chinesen abgehängt?

Das ist eine gute Frage. Es gibt heute viele neue „Player“ auf dem Markt. Viele ausländische Hersteller beziehen jedoch oftmals auch Fahrzeugkomponenten aus Deutschland, sodass hier auch die Zulieferindustrie berücksichtigt werden muss. Einheimische Unternehmen haben, wie bereits erwähnt, jedoch die Zeichen der Zeit erkannt und planen eine umfassende Erweiterung Ihrer Produktpaletten. Nur durch ein solches Umdenken kann langfristige Konkurrenzfähigkeit gewährleistet bleiben.

Google und TESLA demonstrieren, dass das autonome Fahren technologisch weit fortgeschritten ist. Wann sehen wir autonom fahrende Autos auf deutschen Straßen? Was muss noch getan werden?

Es müssen dabei die einzelnen Automatisierungsgrade differenziert betrachtet werden. Verschiedene Fahrzeughersteller haben bereits vollautomatisierte Fahrzeuge für die kommenden Jahre angekündigt. Ich denke, dass die ersten Einsätze automatisierter Fahrzeuge zu Beginn noch auf einzelne Fahraufgaben (Autobahnfahrten, Parkplatzsuche, Stop-and-Go Verkehr) beschränkt sein werden.

Langfristig sehe ich jedoch das Autonome Fahren als eine flächendeckende Chance für die Mobilität sowohl in urbanen als auch ländlichen Räumen. Der Verbraucherschutz in Form von Datensicherheit sowie klare festgelegte Haftungsregeln müssen für die Nutzung dieser Technologie immer im Vordergrund stehen.

Mit der durch den Bundestag beschlossenen Novelle des Straßenverkehrsgesetzes konnten dazu die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Denn beim automatisierten Fahren geht es um mehr als nur um Technik. Die Potentiale dieser Technologie sehe ich vor allem im ÖPNV in ländlichen Regionen, in der Logistik und im Bereich des Carsharings.

Was wären Ihre wichtigsten Maßnahmen, um das Thema Elektroauto in Deutschland anzuschieben?

Wir müssen die Erforschung und Produktion von Batteriezellen verstärken und gezielt in den Ausbau einer Ladeinfrastruktur in Stadt und Land investieren. Es ist unser Ziel, die Elektromobilität sowohl aus klima- als auch aus industriepolitischen Gründen voranzubringen. Dabei müssen noch verschiedene Herausforderungen, mit denen sich Industrie und Politik bei der Implementierung dieser Technologie konfrontiert sehen, zügig angepackt werden.

Dazu zählen neben der bereits erwähnten Notwendigkeit der Ausbaus von Power-to-X Anlagen (allen voran Power-to-Gas), auch Regelungen für die in Deutschland uneinheitlichen Zugangs- bzw. Bezahlsysteme der noch unzulänglich ausgebauten Ladeinfrastruktur. Darüber hinaus sind auch notwendige Änderungen im Wohneigentumsgesetz notwendig, damit das Laden von Elektroautos auch in Tiefgaragen ohne Probleme möglich wird.

Außerdem muss die öffentliche Hand verstärkt eine Vorbildfunktion annehmen. Eine große Signalwirkung hätte es, wenn deren Fahrzeugflotten künftig elektrisch oder mit anderen alternativen Antrieben fahren würden.

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Die SPD zum Thema Elektroauto (Interview)
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Die SPD zum Thema Elektroauto (Interview)
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Im Rahmen der Kampagne "Bundestagswahl 2017. Was sagen die Parteien zum Thema Elektroauto?" nimmt Andreas Rimkus, stellvertretender verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und zuständiger Berichterstatter für Elektromobilität im Deutschen Bundestag,  Stellung zum Thema Elektroauto.​
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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