Das Bild zeigt Laurin Hahn, Geschäftsführer von Sono Motors, im Interview zum Thema Elektroauto
Bildquelle: Sono Motors

Im Interview nimmt Laurin Hahn, Geschäftsführer von Sono Motors, Stellung zu Themen wie dem Elektroauto und urbaner Mobilität.

Bitte beschreibe kurz Deine Gründer-Erfahrungen als StartUp in Deutschland – was lief gut, was kann verbessert werden?

Insgesamt ist es schön zu sehen, dass sich gerade in der Start-up Szene in Deutschland ein Menge tut. Doch da geht noch mehr. Gerade was den Support von der Regierung angeht. Es ist immer noch etwas umständlich und herausfordernd an Gelder zu kommen und die Bewerbungs-Prozesse die dahinter stecken sind langwierig. Oft fehlt in einem Start-up die Zeit sich die Zeit dafür zu nehmen, da die Entwicklungen gerade in den neuen Szenen sehr schnell sind. Positiv war, dass wir  auf viele Veranstaltungen eingeladen wurden um dort Vorträge zu halten und gerade von der Start-up Presse sehr viel Unterstützung bekommen haben.

Wie sieht das Feedback aus dem Markt zu Eurem Sion aus?

Das bisherige Feedback zu unserem Solarauto Sion ist überragend. Allein auf dem Release Event des Sions waren über 600 Gäste. Im Moment befinden wir uns auf Probefahrten-Tour durch Mitteleuropa. Die ersten Stationen in Städten wie

  • München,
  • Düsseldorf und
  • Frankfurt

sind bereits restlos ausgebucht gewesen. Menschen laden Ihre Probefahrt mit dem Sion auf Youtube hoch und unterstützen somit unsere Arbeit. Es gab bisher Dreharbeiten mit allen großen Fernsehsendern wie beispielsweise

  • ProSieben,
  • ZDF,
  • Bayern3 und
  • WDR.

Es gab Artikel in namenhaften Zeitungen aus ganz Europa und unser Telefon klingelt jeden Tag Sturm.

Wie siehst Du die aktuelle Entwicklung zum Elektroauto in Deutschland – was fehlt, wann platzt der Knoten?

Die drei Hauptpunkte, wieso der Absatz von Elektroautos bisher noch recht zaghaft vorangeht sind

  1. der Preis,
  2. die Reichweite und
  3. die Ladeinfrastruktur.

Punkt 1 endkräftigt sich bei uns von selbst durch den unschlagbaren Preis von 16.000 EUR. Unsere Intention ist Elektromobilität für die breite Masse zugänglich zu machen. Das fehlt im Moment in Deutschland, Elektroautos sind im Verhältnis zu Verbrennern noch recht weit oben in der Preisklasse angesetzt.

Deshalb bieten wir den Sion so preiswert wie möglich an, daher exkludieren wir auch die Batterie um unseren Kunden zum Zeitpunkt der Auslieferung – Mitte 2019 – den günstigsten Batteriepreis geben zu können.

Zu Punkt 2, der Reichweite lässt sich folgendes sagen: Der Sion hat eine Reichweite von 250 Kilometer zu der pro Tag bis zu 30 kostenlose Kilometer hinzukommen. Bei einem Tag von günstiger Sonneneinstrahlung generieren die, in die Karosserie integrierten Solarzellen, wir nennen dies unser viSono-System, Strom für zusätzliche Reichweite.

Was die Ladeinfrastruktur angeht, so verfügt der Sion über ein ganz besonderes Feature. Dank eines bidirektionalen Ladegeräts, genannt biSono, kann der Strom des SIONs als unabhängige Stromquelle genutzt werden. Dein Auto wird so zu einer mobilen Ladestation für jedes elektronische Gerät. Du kannst damit sogar andere Elektroautos mit einer Leistung von 6,6 kW laden-  der Sion wird also zur mobilen Ladestation.

Warum kommen aktuell die Innovationen beim Elektroauto eher von StartUp Unternehmen als von den etablierten Automobilherstellern?

Hier kommen wahrscheinlich mehrere Punkte zusammen. Die großen Automobilhersteller haben sehr lange Entscheidungsprozesse. Wir als Start-up sind ein junges Unternehmen, wir treffen Entscheidungen aufgrund unserer Größe wesentlich schneller.

Ein weiterer Punkt ist die  technologische Effizienz. So nutzen wir z.B so viele Carry-over-Parts wie möglich, also Komponenten, die von Zulieferern bereits entwickelt wurden und dort frei nutzbar im Regal liegen. Diese Teile müssen nicht neu entwickelt werden und sie sind bereits abgenommen.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Die deutschen Hersteller definieren sich über das Design. Das machen wir nicht. Wir entwickeln nur das neu, was unsere Alleinstellungsmerkmale sind, also die Solarpanele und unser Instandhaltungssystem – so etwas wie Lenkrad oder Schalthebel eben nicht.

Der wohl wichtigste Punkt ist was Innovationen angeht: Wie in unserem Fall, ein unglaubliches, hochmotiviertes Team zu haben, das voll  und ganz hinter dem Produkt steht.

Was sagst Du zum Diesel-Skandal und den Folgen?

Hier gibt es leider nicht viel zu sagen, es ist sehr schade, das es zu diesem Punkt überhaupt gekommen ist.

Wären Fahrverbote der richtige Schritt?

Sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, doch keine Lösung auf Dauer, der Smog in den Städte wird dadurch nur für eine gewisse Zeit reduziert, die Verursache bleiben. Ein Umdenken hin zu erneuerbaren Technologien und weg von der endlichen Ressource Erdöl ist der richtige Weg. Unser Ziel sollte es sein, dass die Deutschen gar keinen Verbrenner mehr fahren wollen.

Benötigen wir ein konkretes Ausstiegsdatum aus der Verbrenner-Technologie?

Sich auf festgelegte Daten einzulassen sehe ich als herausfordernd, die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir uns hierbei schwer tun und bisher alle Ziele verfehlt haben. Es müssen andere Lösungsansätze her wie beispielsweise Aufklärungskampagnen. In Schulen und Förderungen neuer Technologien, die ja meist aus der StartUp Szene kommen, leider hört man oft nicht viel oder zu wenig darüber.

Was wären Deine Wünsche an die neue Bundesregierung nach dem 24.9.17?

Ausbau der Infrastruktur für Elektroautos wie z.B. Ladesäulen und ein einheitliches System für die Stromabrechnung. Im Moment läuft alles über ein aufwendiges, umständliches Kartensystem.

Wo steht Sono Motors im Jahr 2020?

Für Mitte 2019 ist die Auslieferung des Sions geplant. 2020 wird der Sion also voraussichtlich bereits fest in die urbane Mobilität integriert sein. Insgesamt stellen wir uns den zukünftigen Verkehr in Städten ganz klar über Sharing vor.

Das Auto hat nur eine Zukunft, wenn es effizienter genutzt wird. Deswegen integrieren wir von Anfang an drei verschiedene Mobilitäts-Services im Sion, die zusammengefasst sind in unserer Gosono-App:

  • Carsharing,
  • Ridesharing und
  • Powersharing.

Der Sion lädt sich ja über die Solar-Panele selbstständig wieder auf. Und wenn die Batterie voll ist, bekommt der Halter über die App eine Benachrichtigung und kann die Energie für andere Nutzer freigeben.

Weitere Informationen:

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Sono Motors definiert mit dem Sion die urbane Mobilität neu (Interview)
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Sono Motors definiert mit dem Sion die urbane Mobilität neu (Interview)
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Im Interview nimmt Laurin Hahn, Geschäftsführer von Sono Motors, Stellung zu Themen wie dem Elektroauto und urbaner Mobilität.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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