Das Bild zeigt Jürgen Siefert, Vice President Industry DACH bei Schneider Electric GmbH, im Interview zu Industrie 4.0.
Bildquelle: Schneider Electric

Im nachfolgenden Interview reflektiert Jürgen Siefert, Vice President Industry DACH bei Schneider Electric GmbH, die aktuelle Sichtweise zu Industrie 4.0.

Industrie 4.0 – Evolution oder Revolution?

Aus Konzern-, aber auch aus persönlicher Sicht haben wir eine ganz klare Meinung. Wenn wir über Industrie 4.0 sprechen, dann reden wir eindeutig über Evolution. Ich kann das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen. Bereits 1997 haben wir die erste Modbus-basierte Schnittstelle angeboten.

Heute basieren auf dieser Technologie viele Innovationen. Das zeigt eindrucksvoll, dass sich unser Unternehmen bereits sehr früh mit Innovationen basierend auf standardisierten Schnittstellen beschäftigt hat. Natürlich hat sich die Schnittstelle weiterentwickelt.

Nach Modbus-TCP kam Modbus-TCP/IP und so sind wir heute sehr froh darüber, dass wir die komplette Entwicklung mitverfolgt und entsprechende Kompetenzen aufgebaut haben. Gebündelt mit unserer Soft- und Hardware-Plattform können wir unseren Kunden individuelle und ausgefeilte Lösungen anbieten.

Sehen Sie zukünftig mehr Chancen oder Risiken?

Als Schneider Electric blicken wir äußerst positiv in die Zukunft. Das liegt unter anderem an der von uns gewählten Ausrichtung. Speziell in Deutschland haben wir uns auf den Mittelstand fokussiert. Unsere Stärke ist es unter anderem, schnell Lösungen zu finden und zu entscheiden.

Das kommt der Philosophie der mittelständischen Unternehmen sehr entgegen. Schnell und kundenorientiert zu agieren fordert das gesamte Unternehmen – vom Management herunter bis in die einzelnen Teams. Wir hören unseren Kunden zu und entwickeln dann gemeinsam mit unseren Partnern paßgenaue Lösungen.

Wir sind sehr stolz darauf, trotz der Größe des Konzerns eine hohe Agilität zu besitzen. Das ist nicht immer selbstverständlich. Ich denke, dass Unternehmen genau dann in gefährliches Fahrwasser kommen, wenn sie eben nicht schnell und kundenorientiert handeln. So bleibt es weiterhin unser Ziel, die große Innovationskraft unseres Unternehmens zu halten und weiter auszubauen.

Wie unterstützt Schneider Electric seine Kunden auf dem Weg zu Industrie 4.0

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit unserer Eco-Plattform in den letzten Jahren die Basis dafür geschaffen haben, unseren Kunden einen Weg in die Welt von Industrie 4.0 aufzuzeigen. Mit dieser Plattform haben wir begonnen, Produkte zu vernetzen. Mit Edge-Control haben wir eine leistungsfähige Steuerungsplattform entwickelt.

Das ermöglicht das Steuern von ganz einfachen bis hoch zu unternehmenskritischen Anwendungen. Somit sind wir in der Lage, die komplette Plattform abzudecken. Der Fokus in den letzten zwei Jahren lag auf den Themen Apps und Analytics. Hier zeigt sich ganz deutlich, wie sehr sich auch das Unternehmen Schneider Electric gerade verändert.

Traditionell kommen wir ja eher aus dem Bereich Hardware. Wenn uns Industrie 4.0 eines lehrt, dann das nun Hardware, Software und Service zusammenfließen zu einer ganzheitlichen Lösung. Gerade mit dem strategischen Zukauf der Firma Invensys im Jahr 2014 haben wir im Bereich der industriellen Automation nochmals einen sehr großen Schritt nach vorne unternommen.

Wie groß war der Wandel innerhalb des Konzerns?

Soft- und Hardware sind in der Regel komplett unterschiedliche Themen. Wenn zwei komplett unterschiedliche Denkweisen aufeinander treffen, dann sind Konflikte in der Regel vorprogrammiert. Bei uns war das glücklicherweise anders. Bei einem Zusammenschluss von zwei Unternehmen sind Sorgen und Ängste normal.

Aber jeder Wandel beginnt im Kopf. So war es die primäre Aufgabe des Management-Teams, diesen Sorgen und Ängsten mit einem offenen Ohr sowie Rat und Tat zu begegnen. Ich selbst bin als Teil eines Zusammenschlusses vor siebzehn Jahren zu Schneider Electric gekommen und kann aus eigener Erfahrung berichten, wie sich das anfühlt.

Diese Erfahrung war ungemein wertvoll und so konnten wir den Zusammenschluss und die nachfolgende Integration in das Unternehmen für alle Beteiligten schnell und zufriedenstellend realisieren. Hier ist aber natürlich nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir werden uns auch zukünftig entweder durch Zukäufe oder eben durch Partnerschaften entsprechend verstärken.

Was bedeutet Partnerschaft für Sie?

Das Wort Partnerschaft wird nicht nur einfach gesprochen – es wird bei Schneider Electric aktiv gelebt. Nehmen wir das Thema Cloud. Da gibt es Unternehmen, die das einfach besser beherrschen, als wir. So arbeiten wir beispielsweise mit Microsoft sehr eng in diesem Bereich zusammen.

Zusammenfassend möchte ich unterstreichen, dass es elementar wichtig ist, mit einem hohen Maß an Offenheit mit Menschen zusammenzuarbeiten. Das ist u.a. die Basis zum Erfolg. Ein gutes Beispiel ist auch die Firma ELAU, die hier in Marktheidenfeld ihren Ursprung hat und nun zu Schneider Electric gehört. Auch hier wurden unterschiedliche Unternehmen erfolgreich zusammengeführt.

Ist Industrie 4.0 schon im Mittelstand angekommen?

Industrie 4.0 ist wohl in der Breite bei den Unternehmen angekommen. Die Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit dem Thema und der Fragestellung, wie sie bei diesem Trend vorne mit dabei sein können.

Als Verantwortlicher für den Bereich OEM blicke ich speziell auf die Maschinenhersteller. Diese sind sehr innovativ und haben permanenten Innovationsdruck. Das macht mir Mut, dass wir im deutschen Mittelstand auf einem guten Weg sind.

Wie geht der Mittelstand das Thema Industrie 4.0 an?

Oftmals erhalte ich die Frage, ob ich Industrie 4.0 bei Schneider Electric kaufen kann. Meine Antwort lautet ja – wenn der Kunde bereit ist, offen über Lösungen mit uns und unseren Partnern zu diskutieren. Für uns gibt es drei Bausteine einer Industrie 4.0 Lösung. Neben der  Hardware sind es die Steuerungs-Plattform sowie Apps  und Analytics.

Das alles sind aber nur die einzelnen Werkzeuge. Was an dieser Stelle aber noch fehlt sind kompetente Mitarbeiter. Nur mit deren Kompetenz werden die Werkzeuge beim Kunden so zielgerichtet eingesetzt, dass ein Business-Problem gelöst und der messbare Nutzen sichergestellt wird.

An dieser Stelle möchte ich nochmals die Wichtigkeit unserer Mitarbeiter unterstreichen. Wir investieren hier intensiv in deren Aus- bzw. Weiterbildung. Nur wenn es uns gelingt, dass unsere Mitarbeiter sich mit dem Kunden auf Augenhöhe begegnen werden wir erfolgreiche Lösungen implementieren.

Unsere Mitarbeiter müssen in der Lage sein, sich in jedes neue Kundenszenario bzw. –problem einzudenken. Nur so entsteht eine Lösung und am Ende eben der Kundennutzen. Gute und leistungsfähige Industrie 4.0 Produkte sind ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg – aber in gleichem Maße sind es unsere Mitarbeiter.

Nur gemeinsam werden Lösungen beim Kunden erfolgreich sein. Daher macht es mich ein wenig stolz, dass wir sowohl bei Produkten als auch den Mitarbeitern vor langer Zeit die Weichen in die richtige Richtung gestellt haben.

Wie zufrieden sind Sie allgemein mit dem Fortschritt von Industrie 4.0?

Sicherlich neigt man hier und da dazu den Eindruck zu haben, dass alles nicht schnell genug geht. Aber genau an dieser Stelle muss man vielleicht ein wenig differenzierter hinschauen. Eine deutsche Tugend ist unter anderem Gründlichkeit. Wir sind sicherlich nicht immer die schnellsten.

Aber wir gehen die Dinge mit eben dieser Gründlichkeit, einem hohem Maß an Professionalität und mit einem genauso hohen Qualitätsanspruch ans Werk. Genau diese Tugenden sind der Erfolg dafür, wo wir in der Welt stehen. Aber, und das möchte ich auch nochmals betonen, darf der Erfolg von gestern nicht dazu führen, bequem oder gar selbstgefällig zu werden.

Die digitale Welt dreht sich immer schneller und daher müssen wir immer sehr aufmerksam sein, nicht den Anschluss zu verlieren. Zusammenfassend blicke ich aber sehr positiv in die Zukunft und bin mit dem Fortschritt zufrieden.

Wie sehen Sie als französisches Unternehmen die Übermacht der IT-Unternehmen aus den USA?

Zunächst möchte ich Sie korrigieren – wir sind ein europäisches Unternehmen. Mit Blick auf die von ihnen angesprochenen IT-Unternehmen mache ich mir nicht so große Sorgen. Aus Sicht von Schneider Electric macht es keinen Sinn, das Rad neu zu erfinden bzw. Dinge zu entwickeln, die andere einfach besser können als wir.

Das war auch einer der Gründe dafür, dass wir uns beispielsweise mit Invensys im Bereich Software-Automation strategisch verstärkt haben. An dieser Stelle hatte ich ja Bereits das Thema Cloud-Lösungen angesprochen. Hier gibt es einfach Partner, die das Geschäft besser verstehen und auch die Risiken besser einschätzen, als wie wir es könnten.

Gibt es Unterschiede in der Zusammenarbeit zwischen der französischen und der deutschen Kultur?

An dieser Stelle sehe ich nicht eine kulturelle Frage zwischen Frankreich oder Deutschland. Wie bereits angesprochen sind wir ein europäisches Unternehmen. Diese Diversität wird vom Top-Management vorbildlich gelebt und in die Firma bzw. die einzelnen Bereiche oder Länder heruntergebrochen.

Sicherlich gibt es kleine und feine Unterschiede in den Kulturen innerhalb Europas. In der globalisierten Welt sehe ich das aber eine ebene höher. Viel gravierender sind die kulturellen Unterschiede zu den großen Märkten wie beispielsweise USA und Asien.

Es ist für Schneider Electric daher elementar wichtig, dass wir in den einzelnen Ländern lokale Kompetenzen haben, die ihre Märkte entsprechend verstehen. Es wird nicht funktionieren, wenn ein Europäer einen kulturell komplett unterschiedlichen Markt aus der Entfernung bearbeiten möchte.

Als Schneider Electric sind wir ein Unternehmen, das französische Wurzeln hat, nun aber europäisch ist und ein globales Set-Up hat. Das spiegelt sich unter anderem auch in unseren Umsätzen wieder. Neben dem Rest der Welt machen USA, Europa und Asien eben jeweils etwa ein Viertel des Umsatzes aus.

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Bei Schneider Electric macht der Mensch den Industrie 4.0 Unterschied
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Bei Schneider Electric macht der Mensch den Industrie 4.0 Unterschied
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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