Das Bild zeigt zwei Hände bei der Eingabe am Laptop
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Hackathons haben auch in Deutschland eine große Popularität erlangt. So hat der FC Bayern München vom 19.-22. Januar 2018 erstmalig zu einem Hackathon in die Münchener Allianz Arena eingeladen. Mehr als 200 Teilnehmer aus über 40 Ländern haben teilgenommen. Darüber hinaus waren auch die Partner vom FC Bayern München wie Siemens, SAP, Audi, Adidas und DHL beteiligt.

Offene Unternehmen

Für Unternehmen bieten Hackathons vielschichtige Vorteile. Auf der einen Seite kann man die Veranstaltung aus Marketingsicht hervorragend nutzen, um auf das Unternehmen und die Marke allgemein, aber auch die Arbeitgebermarke aufmerksam zu machen. Unter Umständen kann ein Hackathon somit auch eine hervorragende Recruiting-Veranstaltung sein.

Ebenso, wenn nicht noch wichtiger finde ich allerdings, den Hackathon mehr als Innovations-Workshop zu betrachten. Wann hat ein Unternehmen schon einmal die Möglichkeit, Ideen von Menschen entwickeln zu lassen, die nicht aus dem eigenen Reihen kommen.

Gerade die externe, nicht eingeschränkte Sicht ist eine hervorragende Chance zum Querdenken. Auch wenn sicherlich nicht jede generierte Idee zum Einsatz kommen wird, so ist es auf jeden Fall eine hervorragende Basis für eine intensive Diskussion und Inspiration.

Motivierte Teilnehmer

Neben dem Unternehmen liegen natürlich die Vorteile auch für den Teilnehmer auf der Hand. Zum einen lernt er das Unternehmen so gut kennen, wie er es wohl in keinem möglichen Bewerbungsgespräch erfahren wird. In der Regel lernt er viele neue Menschen kennen. Aber auch durch die eigentliche Arbeit wird er inspiriert und kommt mit unterschiedlichen Sichtweisen, Charakteren, Lösungsansätzen und Technologien in Kontakt.

Interessantes Setup

Beim Hackathon des FC Bayern München war es bermerkenswert, dass einerseits ein sehr großer Fokus auf die Internationalität gelegt wurde, was den Ansprüchen des FC Bayern gerecht wird. Auf der anderen Seite wurden aber nicht nur reine Entwickler eingeladen. Vielmehr ging es auch darum, bespielsweise Produktdesigner mit einzuladen.

Herausforderung Teamfindung

Die erste spannende Phase eines Hackathons ist die Teamfindung. Je nach Setup treffen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern aufeinander und haben nun die Aufgabe, sich zu einem Team zu finden. Bei diesem Prozess ist es immer spannend mitzuverfolgen, wie unterschiedlich sich Menschen bei diesem Findungsprozess verhalten.

Es gibt unter anderem die eher extrovertierten Leader, die die Kommunikation und Verantwortung an sich ziehen. Im Gegensatz dazu gibt es die oftmals eher introvertierten Teamplayer, die nicht an vorderster Front stehen müssen bzw. wollen. An dieser Stelle geht es nicht darum in gut oder schlecht zu urteilen, denn ein gutes Team braucht eine Mischung aus unterschiedlichen Rollen.

Es wird definitiv krachen, wenn das Team nur aus extrovertierten Alpha-Tieren besteht. Aber es wird auch nicht funktionieren, wenn es nur die ruhigen Teamplayer gibt.

Organisation festlegen

In einem Projekt gibt es unterschiedliche, zu erledigende Aufgaben. Diese gilt es entsprechend auf das Team aufzuteilen. Jedes Teammitglied bringt unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen mit. Diese gilt es nun bestmöglich zielorientiert einzusetzen.

Daher ist es wichtig, gemeinsam die Struktur und Organisation des Teams festzulegen. Wichtig ist ebenfalls die Projektplanung. Ein Hackathon hat ein definiertes Projektende und Anforderungen, die bis zu einem definierten Zeitpunkt geliefert werden müssen. Daher ist es von hoher Bedeutung, die zeitliche Planung immer im Blick zu haben.

Innovationen generieren

Ist die Teamfindung dann abgeschlossen, fängt der so wichtige Kreativitätsprozess an. Wenn die Aufgabenstellung verstanden wurde, beginnt die Suche nach möglichen Lösungen. Hier ist es wichtig, gerade mit Blick auf die zur Verfügung stehende Zeit, einen ausgewogenen Mix zu finden.

Investiert man zu wenig Zeit, so wird die mögliche Lösung vielleicht nicht zünden. Daher sollte sich ausreichend Zeit zum Brainstorming genommen werden. Hier kann man bereits sehr gut beobachten, ob und wie das Team zusammenarbeit. Wie werden die Ideen gesammelt und welche Werkzeuge werden eingesetzt? Wie werden Ideen diskutiert? Gibt es einen konstruktiven Umgang? Werden Ideen diszipliniert diskutiert?

Lösung auswählen

Nach einem hoffentlich intensiven Brainstorming mit vielen unterschiedlichen Ideen geht es nun darum, sich auf einen Weg festzulegen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass natürlich jeder vermutlich seinen favorisierten Vorschlag hat und für diesen kämpft. Wichtig an dieser Stelle ist es, im Team einen Konsens zu finden. Idealerweise trägt jedes Teammitglied die Entscheidung mit um dann gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Zuhören und verstehen

Die Kommunikation im Team spielt eine entscheidende Rolle. Egal in welcher Art und Weise müssen Informationen nahtlos fließen und permanent ausgetauscht werden. Agile Methoden wie beispielsweise Scrum nutzen dazu ein regelmäßiges, kurzes Jour-Fix. Die Kommunikation eines eher homogenen, beispielsweise nur aus Entwicklern bestehenden Teams, ist schon eine Herausforderung.

Es ist aber nochmals eine andere Dimension, wenn sich im Team beispielsweise Teilnehmer mit Kompetenz Entwicklung, Design und Marketing zusammenfinden. Hier treffen oftmals Welten aufeinander. Aber gerade die funktionsübergreifende Kommunikation und besonders das gegenseitige Verständnis wird immer wichtiger.

Ideen verkaufen

Der letzte Akt des Hackathons ist die Ideen-Präsentation. Oftmals unterschätzen Entwickler diesen Teil, denn hier geht es weniger um eine technische als vielmehr um eine Verkaufsveranstaltung.

Hier gilt es, die Jury zu überzeugen und zu begeistern. Dabei muss die Jury das Szenario der Idee, den Nutzen und das Potential erkennen bzw. verstehen. An dieser Stelle macht die beste Idee keinen Sinn, wenn sie nicht verkauft bzw. vermittelt wird.

Zusammenfassung

Beim Hackathon war es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich Teams organisiert sind. Es gab Teams, die einen klaren Plan hatten, diesen gemeinsam umgesetzt haben und sich regelmäßig ausgetauscht haben. Es gab aber auch Teams, wo der Plan und die Kommunikation eher weniger ausgetauscht waren.

Bei der Kreativität reichte die Spannweite von ein paar beschriebenen Post-Its bis hin zu umfangreichen Lösungsskizzen. Wie bei jedem Hackathon war es interessant, den Faktor Zeit zu beobachten. Gerade wenn mit fortschreitender Zeit und dem nahenden Abgabe- und Präsentationszeitpunkt stieg der Druck im Team, der auf unterschiedliche Art und Weise bewältigt wurde.

Gerade mit Blick auf die globalisierte Welt und immer kürzeren Produktentwicklungs-Zyklen hat der Hackathon eindrucksvoll gezeigt, wie innovative, kreative, kommunikative, funktionsübergreifende, interkulturelle und zielorientierte Projektarbeit aussehen kann.

Weitere Informationen: DHL Global Family

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Bildquelle: Ingenieurversteher

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Titel
Was man vom ersten Hackathon des FC Bayern München lernen kann
Beschreibung
Der FC Bayern München hat mit seinn Partnern Adidas, Audi, DHL, SAP und Siemens vom 19.-22.1.18 einen Hackathon in der Münchener Allianz Arena veranstaltet.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung. Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur. Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur. Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert. Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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