Aufbruch in eine neue Zeit

Das Bild zeigt eine digitale Strasse aus
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Es vergeht kein Tag, in dem nicht in irgendeinem Kanal über Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren gesprochen wird. Die Themen sind scheinbar in der Breite der Gesellschaft angekommen. Man könnte fast den Eindruck haben, dass der digitale Zug mit Volldampf in Richtung Zukunft unterwegs ist. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Von der Dampfmaschine lernen

Mit der Digitalisierung ist das wie mit der Dampfmaschine. Man muss sie nicht zwingend mögen. Aber sie kommt und das ist nicht umkehrbar. Daher sollte sich jeder Einzelne damit abfinden – und vor allem sich darauf einstellen. Für viele Menschen stellt die Digitalisierung keine allzu große Herausforderung dar.

Entweder arbeiten sie seit längerer Zeit in einem IT-nahen Umfeld oder gehören der Generation Y oder Z an, die mit digitalen Themen mehr oder weniger aufgewachsen sind. Aber all die anderen sollten dringend beginnen, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinander zu setzen.

Mit der Digitalisierung ist vieles neu, unbekannt, anders. Es macht dem Menschen nicht immer große Freude, sich aus der Komfortzone zu bewegen und sich mit Neuem zu beschäftigen. Eigentlich hat man es sich in der Komfortzone recht gemütlich gemacht und fühlt sich dort wohl. Und überhaupt ist doch alles bestens, wenn man einen Blick auf die aktuelle Situation wirft.

Alles bestens. Oder?

Wenn wir als Bürger der Bundesrepublik Deutschland auf die letzten mehr als 70 Jahre zurückblicken, dann können wir ein Stück Stolz sein. In vielen Branchen wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Automobil gehören wir heute zu den führenden Nationen in der Welt. Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmendaten sehen hervorragend aus.

Wir verfügen über eine boomende Wirtschaft, erzielen im vierten Jahr nacheinander einen Haushaltsüberschuss und haben sinkende Arbeitslosenzahlen. Aber genau das kann uns mächtig auf die Füße fallen. Der Erfolg von gestern ist eine Gefahr – er macht blind für die Herausforderungen von morgen.

AFAG. Die neuen Herausforderer

Die Welt verändert sich gerade ziemlich rasant. In der Vergangenheit kannte man innerhalb einer Branche seine direkten Wettbewerber und konnte sich darauf einstellen. Aber das war gestern. Heute gibt es mit AFAG völlig neue Herausforderer – Amazon, Facebook, Apple, Google. Die im Silicon Valley beheimateten IT-Unternehmen dringen fernab von Ihrem Kerngeschäft in andere Branchen ein und ändern dort die Spielregeln.

Denken wir nur einfach daran, wie Apple die Telekommunikations- und die Musikbranche neu definiert hat. Die Firmen verfügen über Kapital, KnowHow, Innovationskraft und Agilität. Mit dieser neuen Qualität von Wettbewerb tun sich viele Unternehmen heute sehr schwer. Sie verstehen sie nicht.

Komfortzone verlassen

Aber wenn eines auf dem Weg in die digitale Zukunft von großer Bedeutung ist, dann die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Wir erleben tagtäglich die Auswirkungen der stillen digitalen Revolution. Die Veränderungen sind quer durch alle Branchen und Unternehmen sichtbar. Dabei wird das Tempo der Veränderung nicht geringer sondern tendenziell eher höher.

In der Presse kann man unterschiedlichste Aussagen antreffen, wie viele Jobs durch Digitalisierung, Roboter und KI wegfallen. Oftmals ist das aber nicht viel mehr als Kaffeesatzleserei. Aber eines steht auf jeden Fall fest – die Welt wird sich weiter und schneller nachhaltig verändern. Wie und in welchem Umfang diese Veränderungen stattfinden müssen wir weiterhin beobachten.

Daher sollte jeder, der es noch nicht ist, nun aufwachen, sich aus der Komfortzone herausbewegen, die Ärmel hochkrempeln, seine Koffer packen und sich auf den Weg in die digitale Zukunft machen.

Disruptiv denken

Mit der Digitalisierung werden Prozesse schneller, durchgängiger, transparenter und kundenorientierter. Der Wandel von der analogen in die digitale Welt ist ein erster Schritt. Damit kann ich meine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit meines bestehenden Geschäfts erhöhen bzw. sichern. Aber viel wichtiger werden anderen Fragestellungen sein.

Dabei geht es einzig und alleine um die Frage, ob ein erfolgreiches Geschäft von gestern auch noch morgen eine Daseinsberechtigung hat. Genau mit dieser Fragestellung tun sich viele Menschen und Unternehmen schwer. Sich selbst oder sein Unternehmen in Frage zu stellen, ist sicherlich nicht einfach, aber absolut lebensnotwendig.

Roboter sind nicht böse

Es ist interessant, die Uhr 200 Jahre zurückzudrehen. Es waren die Maschinenstürmer, die in England in die Fabriken stürmten und die Dampfmaschinen zerstörten. Die primäre Motivation dabei war die Angst, die Arbeit und den eigenen sozialen Status zu verlieren. Nichts anderes passiert heute. Die Menschen fürchten die Automatisierung durch die Roboter – und die Digitalisierung.

Aber Roboter sind nicht böse – sie helfen uns. Ein Blick in ein typisches Werk eines Automobil-Herstellers bringt es ans Tageslicht. Im Press-, Karosserie- und Lackierbereich gibt es kaum noch Menschen. Hier werkeln hunderte von Robotern in friedlicher Koexistenz 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche.

Der Blick in die Endmontage sieht dagegen komplett anders aus. Hier ist der Anteil an Menschen umgekehrt proportional zu den oben beschriebenen Bereichen. Es ist schön zu sehen, wie hier unterschiedliche Handling- und Hilfssysteme dem Monteur helfen, die Belastungen für den Körper zu auf ein Minimum zu reduzieren.

Schwere Gewichte heben, lange stehen, monotone Arbeiten oder ungesunde Verrenkungen in der Montage gehören der Vergangenheit an. Eines müssen wir uns dringend vor Augen führen – es macht keinen Sinn, gegen den Roboter zu konkurrieren. Können wir in besserer Qualität, schneller oder kostengünstiger schweißen? Nein – das können wir nicht. Und mal ganz ehrlich – es gibt viele stupide Arbeiten, die man ruhig an den Kollegen Roboter auslagern kann.

Fundamentaler Jobwandel

Die Veränderung macht aber nicht an den Toren von Industriebetrieben halt. Mit künstlicher Intelligenz, BigData und dem autonomen Fahren dringen nun neue Technologien vor, die Branchen, Unternehmen, Geschäftsmodelle und natürlich auch den Arbeitsmarkt kräftig durcheinander wirbeln werden. Viele der heutigen Jobs werden sich zum Teil radikal verändern – oder wegfallen.

Ähnlich wie der Roboter in der Produktion werden intelligente Algorithmen in Arbeitsbereiche eindringen, in denen sich Menschen um ihre Arbeitsplätze bisher keine Sorgen machen mussten. Aber auch hier gilt, dass Algorithmen schneller, zuverlässiger, transparenter und kostengünstiger Aufgaben durchführen, als es der Mensch tun kann.

Mutig nach vorne schauen

Sein es nun eine wachsende Anzahl von Robotern, intelligente Algorithmen oder autonom fahrende Autos. All diese Technologien projizieren bei vielen Menschen Sorgenfalten auf der Stirn. Das ist völlig normal. Eine wichtige Frage ist aber, welche Erkenntnis wir nun aus den scheinbar dunklen Wolken, die sich da gerade am Horizont auftun, ziehen.

Wir sollten lernen, den Wandel aktiv anzunehmen und uns darauf einzustellen. Man sollte akzeptieren, dass es Technologien gibt, die Aufgaben einfach besser erledigen können, als es der Mensch tun kann. Daher sollte sich der Mensch zukünftig in einem Bereich positionieren, in dem er gegenüber der Maschine ein Differenzierungsmerkmal hat und Kompetenzen hat, die Roboter oder Algorithmus nicht ausführen kann.

Das ist leicht geschrieben, in der Umsetzung sicherlich nicht immer so einfach. Vor allem  ist das ein Prozess, den man nicht mal gerade eben realisiert. Unter Umständen geht dieser über einen langen Zeitraum. Aber Abwarten und nichts tun sollte keine Option darstellen.

Dieser Artikel ist im Rahmen der Blogparade von der Otto Group mit dem Titel „#Zukunftsblick – Die Welt von morgen“ erschienen.

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Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren beherrschen die Medien. Man könnte fast den Eindruck haben, dass der digitale Zug mit Volldampf in Richtung Zukunft unterwegs ist. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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