Künstliche Intelligenz. Freund oder Feind?

Das Bild zeigt einen virtuellen menschlichen Kopf und Algorithmen
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Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist in den Medien allgegenwärtig. Die Technologie verspricht große Chancen und Potentiale. Wie aber sehen die Risiken aus? Wir sollten die Entwicklung der Technologie weiter sorgsam beobachten.

Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0

Mit Blick auf die vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) wird eines klar. Die Produktion wird, getrieben durch Kundenanforderungen, immer individueller bis hin zu einer Losgröße 1.

Somit steigt die Variantenvielfalt und damit Komplexität entsprechend an. Des Weiteren muss die Produktion in Echtzeit gesteuert werden. Das macht deutlich, dass das nicht mehr durch Menschen alleine gesteuert werden kann.

Intelligente Algorithmen unterstützen den Menschen dabei, in Echtzeit komplexe Szenarien zu berechnen und die bestmögliche Lösung anzubieten.

Sichere Diagnose

Geht man mit einem Leiden zu fünf Ärzten, dann erhält man in der Regel fünf unterschiedliche Behandlungsvorschläge. Auch hier zeigen sich die großartigen Potentiale der künstlichen Intelligenz.

Dazu müssten sich einfach nur sämtliche Krankheitsbilder der Vergangenheit in einer vernetzten Datenbank-Infrastruktur befinden. Mit der Eingabe der Symptome können nun intelligente Algorithmen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen, um welche Krankheit es sich handelt – und wie diese geheilt wird.

Autonome Mobilität

Mit dem autonomen Fahren steht in der kommenden Dekade der nächste Schritt der Automobilität bevor. Sensoren und Kameras erfassen fortlaufend große Menge an Daten. Diese müssen im Auto unmittelbar verarbeitet werden.

Ohne Latenz müssen dann permanent Entscheidungen getroffen werden, um überhaupt ein sicheres autonome Fahren zu ermöglichen. KI hilft hier, das autonome Fahren überhaupt zu realisieren und allgemein das Fahren sicherer zu machen.

In einer idealen Sichtweise wird es keine Verkehrsunfälle mehr geben. Auf jeden Fall wird die Anzahl der Unfälle und auch Todesfälle signifikant reduziert werden.

Sprache & Bilder

Aber auch in unserem täglichen Alltag hat sich die Künstliche Intelligenz bereits seit langer Zeit erfolgreich verbreitet. Egal ob von Google oder Amazon und nun auch von Apple – die Heim-Assistenten demonstrieren, wie gut und intelligent heute Spracherkennung funktioniert.

Wenn man einen Schritt weitergeht, dann werden im Krankenhaus bei einer Operation globale Spezialisten online hinzugezogen. Dabei spricht jeder Arzt in Landesprache und der jeweilige andere Arzt bekommt in Echtzeit die Übersetzung dazu.

Auch bei der intelligenten Bildverarbeitung ging es in den letzten Jahren mit großen Schritten voran. Gerade beim autonomen Fahren, aber auch bei der Diagnose beispielsweise bei MRT-Aufnahmen bildet diese Technologie eine wichtige Basis.

Zerstörische Kräfte

Aber es gibt leider auch eine zweite Seite der Medaille. Elon Musk ist ein Typ Unternehmer, der sich bisher jeder Herausforderung erfolgreich gestellt hat und der Welt bewiesen hat „geht nicht gibt es nicht“.

Umso erstaunter war eine Meldung vor wenigen Monaten, in der Musk twitterte „Der Wettbewerb um die Vorherrschaft in KI auf nationaler Ebene wird meiner Meinung nach der wahrscheinlichste Auslöser des Dritten Weltkriegs“.

Der CEO von TESLA und SpaceX macht sich große Sorgen um die Zukunft und fordert eine staatliche Regulierung. Wladimir Putin bezeichnet KI als „Zukunft für die Menschheit“ und betont „Wer immer führend in dieser Sphäre wird, wird der Herrscher der Welt“. Das alles hört sich recht bedrohlich an – zu Unrecht?

Zweifelnde Google Mitarbeiter

In die gleiche Richtung haben vor kurzer Zeit über 3000 Google Mitarbeiter agiert. Sie haben einen Brief verfasst und sich an den Vorstandsvorsitzenden Sundar Pichai gewandt. In dem Brief haben sie sich dagegen ausgesprochenen, das Google dem US-Verteidigungsministerium hilft, Videos besser auszuwerten und Drohnen zielgenauer angreifen lassen zu können.

Wir glauben, dass sich Google nicht am Geschäfts des Krieges beteiligen sollte“, heißt es in dem Brief. Interessanterweise gibt es aber auch ähnliche Töne von Google Mitbegründer Sergey Brin. In seinem jährlichen Gründerbrief stellte er folgende Fragen. Wie

  • werden sie die Beschäftigung in verschiedenen Branchen beeinflussen?
  • können wir verstehen, wie sie unter der Haube funktionieren?
  • misst man Fairness?
  • können sie Menschen manipulieren?
  • sind sie sicher?

Brin ist zwar zuversichtlich, dass Künstliche Intelligenz helfen könne, die größten Herausforderungen der Welt zu lösen. Allerdings ist er auch der Meinung, diesen Weg mit „Verantwortung, Vorsicht und Demut“ zu verfolgen.

Fazit

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Maschinen seit mehr als zweihundert Jahren den Menschen von körperlicher, anstrengender und monotoner Arbeit entlasten. Nun sorgen aber intelligente Algorithmen dafür, auch geistige Tätigkeiten des Menschen zu übernehmen.

Genau wie bei der körperlichen Arbeit gibt es aber auch bei geistigen Tätigkeiten Arbeiten, die monoton sind. Roboter können besser, schneller und kostengünstiger beispielsweise Karosserien schweißen oder lackieren.

Genauso können nun Algorithmen geistige Arbeiten schneller und oftmals fehlerfrei ausführen. Das gilt für einfache Abläufe genauso wie bei der Berechnung komplexer Szenarien.

So wie es keinen Sinn macht, gegen den Roboter in bestimmten Bereichen zu konkurrieren, so macht es zukünftig auch keinen Sinn, gegen Algorithmen in den Wettbewerb zu treten. Die Menschen müssen sich darauf einstellen und Ihren Weg fernab von Robotern und Algorithmen finden.

Es gilt die Bereiche zu finden, in denen der Mensch den Maschinen überlegen ist, wie beispielsweise in kreativen, kommunikativen, pflegenden Arbeitsfeldern. Dennoch muss unsere Gesellschaft die Entwicklung von intelligenten Algorithmen sehr sorgfältig beobachten. Das gilt für Bürger in gleichem Maße wie für Unternehmen und die Politik. Die mahnenden Worte von Brin und Musk sollten wir uns immer wieder vor Augen halten.

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Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist in den Medien allgegenwärtig. Die Technologie verspricht große Chancen und Potentiale. Wie aber sehen die Risiken aus? Wir sollten die Entwicklung der Technologie weiter sorgsam beobachten.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung. Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur. Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur. Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert. Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.

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