Digitale Askese. Ich bin dann mal offline – einhundert Stunden im Kloster.

[Blogtitel] Digitale Askese - ich bin dann mal offline [Beschreibung]Im Kloster Münsterschwarzach konnte ich 100 Stunden verbringen und interessante Erfahrungen sammeln – in digitaler Askese. [Bildquelle] iStock 868172346 [Bildbeschreibung] Das Bild zeigt die Türme eines Klosters im sonnigen Abendlicht
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Im Rahmen meines Interviews mit Pater Anselm durfte ich in einhundert Stunden im Kloster Münsterschwarzach verbringen und interessante Erfahrungen sammeln – in digitaler Askese.

Die stille Revolution

Mit dem Film „Die stille Revolution“ fing alles an. Ich lernte die Geschichte und die Wandlung des Unternehmers Bodo Janssen von Upstalsboom kennen. In diesem Zusammenhang berichtete er auch von seinem Klosteraufenthalt und seiner Begegnung mit Pater Anselm. Im Kern von Film und Buch geht es um eine neue Form der Mitarbeiterführung – menschenorientiert und sinnhaft. Gerade mit Blick auf die im Rahmen der Digitalisierung anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt war mein Interesse geweckt.

Interesse geweckt

Wie der Zufall es so will, erlebte ich dann auf der XING New Work Konferenz 2018 in Hamburg beide auf der Bühne – Bodo Janssen und auch Pater Anselm. Ich war beeindruckt von den beiden Persönlichkeiten und der Geschichte rund um Bodo Janssen. Mit dem geweckten Interesse wollte ich mehr wissen – über das Thema Führung, aber auch Pater Anselm und das Leben im Kloster. Meine Anfrage für ein Interview wurde umgehend positiv beantwortet.

Digitale Askese

Neben dem Interview wollte ich aber auch ein wenig mehr über das Leben im Kloster erfahren. So entschied ich mich, insgesamt einhundert Stunden im Kloster Münsterschwarzach zu verbringen und dort direkt auch das Interview durchzuführen. Diese Zeit wollte ich intensiv nutzen und wahrnehmen. Daher entschied ich mich, auf jegliche Verbindung mit Internet und sonstigen Medien oder Apps zu verzichten – kein Smartphone, Tablet oder Laptop. Ich war gespannt, wie sich so eine digitale Askese anfühlen würde.

Anfänglich war es ungewohnt und der mehrfache Blick auf das Smartphone entfiel. Auch sah ich im Kloster keine anderen Menschen, die ein Smartphone in der Hand hielten und fortlaufend darauf schauten. So gab es für mich keine Uhr, keine Musik, keine Fotografie, keine E-Mail-, Twitter-, LinkedIn- oder WhatsApp-Benachrichtigungen. Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung empfand ich die mit der Auszeit verbundene Ruhe aber als eine wunderbare Erfahrung.

Disziplin und Ordnung

Wenn ich eines im Kloster bemerkenswert fand, dann war es die Disziplin der Mönche. Das Motto der Benediktiner Mönche heißt Ora et Labora – beten und arbeiten. Hier geht es um eine klare Tagesordnung, in der Gebet und Arbeit, Einsamkeit und Gemeinschaft, Schweigen und Reden ihren festen Platz haben. Mit dieser äußerlichen Ordnung gelangen die Mönche auch zu einer inneren Ordnung. Ich erlebte diese tägliche Ordnung in Bezug auf die festen Essenszeiten. Neben dem Studium der beiden Bücher Titeln „Die stille Revolution: Führen mit Sinn und Menschlichkeit“ und „Stark in stürmischen Zeiten: Die Kunst, sich selbst und andere zu führen“ gab es viel Zeit für Erholung, nette zwischenmenschliche Begegnungen, aber auch die Zusammenarbeit mit den Mönchen.

Führung und Werte

Es war interessant, was Pater Anselm zum Thema Führung sagte – „Führen kann man nur, wenn man der eigenen Seele begegnet“. Ferner sagte er „Führen kann man nur wenn man in der Lage ist, sich selbst zu führen“. Das macht erforderlich, die Reise ins eigene Ich anzutreten. Erst wenn man sich seiner selbst bewusst ist, dann ist man in der Lage auch andere Menschen zu führen. Ansonsten wird man immer unentdeckte und eigene Verhaltensmuster auf andere Menschen projizieren.

Neben Führung und Management konnten wir uns auch über Unternehmenswerte austauschen. Pater Anselm deutete an, dass Unternehmen wie Volkswagen und Deutsche Bank mit Ihren Unternehmenswerten auf dem falschen Weg seien. Er fügte dazu an „Werte machen Unternehmen wertvoll„.

Was bleibt

Neben dem inspirierendem Interview mit Pater Anselm war der Aufenthalt im Kloster Münsterschwarzach eine sehr wertvolle Erfahrung. Das Thema menschenorientierte und sinnhafte Führung hat gedanklich einiges in Bewegung gebracht. Die bewusste Offline-Zeit hat die Wichtigkeit aufgezeigt, regelmäßige bewusste digitale Pausen einzuhalten, um den Akku aufzuladen, punktuell Dinge mit mehr Abstand zu betrachten und mehr Zeit für die richtig wichtigen Dinge im Leben zu haben.

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Im Kloster Münsterschwarzach konnte ich 100 Stunden verbringen und interessante Erfahrungen sammeln – in digitaler Askese.
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//Analyst//Blogger//Keynote Speaker// zu den Fokusthemen #Industrie40, #IoT und #Digitalisierung.Herzlich willkommen auf meinem Ingenieurversteher-Blog. Hier schreibt ein echter, aber nicht ein typischer Ingenieur.Nach einer soliden Ausbildung bei Siemens zum Feinmechaniker habe ich das Abitur nachgeholt und Maschinenbau studiert. Der Schwerpunkt Informatik im Hauptstudium war wohl der ausschlaggebende Grund, dass es mich in die Software-Industrie gezogen hat wo ich heute noch immer aktiv unterwegs bin. Für die Funktionen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement habe ich mich meine Leidenschaft entdeckt – sicherlich nicht immer typisch für einen Ingenieur.Im Rahmen meiner Diplomarbeit haben mich Themen wie „Computer Integrated Manufacturing (CIM)“ beschäftigt. Viele Aspekte sind davon heute umgesetzt. Mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft allgemein sowie dem Einzug des Internets in die Produktion stehen wir vor großen Herausforderungen, die uns langfristig intensiv beschäftigen werden. Der klassische Ingenieur wird nun mit völlig neuen Themengebieten konfrontiert.Das war u.a. die Motivation für diesen Blog, die Themenbereiche Industrie 4.0 und Digitalisierung aufzugreifen und regelmäßig darüber zu schreiben – leicht verständlich und nicht technisch tief. Gerade aus diesem Zusammenhang hat sich die Marke „Ingenieurversteher“ entwickelt. Ingenieure sind in der Regel Künstler mit einem sehr tiefen technischen Verständnis. Oft sind sie allerdings nicht in der Lage, technisch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich einer Zielgruppe zu vermitteln, die nicht über dieses tiefe technische Wissen verfügt. Um Ideen und Innovationen zu vermarkten, müssen diese in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Mit einer Vorliebe für analytisches und strukturiertes Recherchieren , der Leidenschaft für das Schreiben und der Freude am Präsentieren ist die Idee vom „Ingenieurversteher“ entstanden.